Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 31 (4.8.1869)
- Date
- 1869-08-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Zsraeltt. E i n Hentrat - Hrgan für das orthodoxe Iudenttzum. Hrrausgegeben von Vr. Lehmann in Mainz. Mittwoch, den 4. August 5629 (186 9). Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs, in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. pr. E. oder ff. 5. 15 kr. rh. Man abovnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. Inserate l*/2 Sgr. die Petitzeilr oder deren Raum. Oestcrreichische Banknoten laut Sours. Directe Franrozu» sendung uMer Streifband pro. Jahrgang 4 Thlr. pr. C. oder 6 fl. österr. an die Expedition franco einzusenden. A «Ya tt. Leitende Artikel: Tie Roth in West-Rußland. - Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und Corresponder.zen: Deutschland: Windsbach. Berlin. Posen. Frankfurt a. M. — Oesterreich. Kais erst.: Wien. Prag Klausenburg. — Frankreich: Rennes. — Donaufürstcnth.: Bukarest. — Palästina — Amerika: Chicago. — Feuilleton: Das Licht der Diaspora. Inhatt der Beilage: Leitender Artikel: Die jüdische Ehe. Zeitungsnachrichten und Corretpondenzen: Deutschland: Mainz. Stuttgart. Fürth. Aus dem Crefeldcr Rabbinatssprengel. — Serbien: Belgrad.— Am erika: Philadelphia — " Ka chschrist. Mainz. — In hakt der Hrtra-Neitage r Zur Unterstützung der nothl. Glaubensgenossen in West-Rußl. — Spenden f. d. Armen dcs hl. L. — Bau jüd. Armen» und Pilgerwohnungen in Jerusalem. — Zur Beförderung des Ackerbaues im hl. L. — Für die Jeschibah in Wolofln. — Für den Synagogenbau m Raßkorv. — Leitend« Artikel. Die 4loth in Wrst-Dußlavd. Mainz, den 27. Juli, »jrero ty, auf meiner Lagerstätte in stillen Rächten gedenke ich der Reih und des herzzerreißenden Elends meines Volkes! Sird die Schilderungen, die unS den dem Zustande unserer Brüder in Westrußland zukemmen der Wahrheit glwäß — und wir Hoden keirrm Grund daran zu zweifeln — so drohet unserm Volke ein härteres Unglück als so manches, manches, das wir im Lause der Jahrhunderte erlitten. Als wir am verflossenen Fasttage des lausenden Monats e.uf der Erde saßen und mit thränenerfülltem Auge die Kinnoth lasen, die herzergreifenden Klagelied r um so Viele, Sßiek, die dem Fanatismus. der Roheit und der Barbarei des Mittelalters zum Opfer gefallen — da traten die hohläugigen Gestalten Hunger: der Männer und Frauen und Greise und Kinder vor unser geistiges Auge! „Ach," sagten wir uns. „wir beweinen noch heute die Märtyrer von Mainz, WormS, Speyer, Köln, Frankfurt, klagen um die Tausende, die durch Feuer und Wasser und durch das Schwert umgekommen — und jetzt sotten Hunderttausende durch den Hunger hingerafft werden, und wir stehen träge und legen die Hände in den Schoost und helfen nicht?" „Aber," werden unsere geehrten Leser entgegnen, „Helsen wir denn nicht? Habe ich nicht 2 Thaler gegeben?" sagt der Eine; „und ich schon zweimal 15 Sgr.?" ruft der Andere; „und ich, ich habe 50Gulden gegeben, sage sünfzrg Gulden," spricht stolz der Dritte, „und gebe wieder bei jedem erneuten Aufrufe!" ES ist wahr; die Wohlthätigkeit Israels, diese unsere StammeStugend, hat sich auch bei dieser Calamität glänzend bewährt — und doch, wir sagen eS kühn: es ist noch nichts Rechtes geschehen. Ach, es ist daS alte Lied: man gibt und weiß nicht zu geben; man gibt seine paar Groschen dem betreffenden Comit6, das sie weiterbefördert in ganz ansebnlicken Summen nach Memel oder Lyck, nach Gumbinnen oder Dlstt — und diese vertheilen daS empfangene Geld in kleinen Portionen, die dazu ange-