Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 30 (28.7.1869)
- Date
- 1869-07-28
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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588 Der dem Zudenthume innewohnenden, seit Jahrtausenden bewährten, schöpferischen und erhaltenden Kraft muß es überlassen bleiben) die Gegensätze entweder durch ein Höheres zu versöhnen (?), oder das ihm fremde, aufgedrungene, oder auch unbrauchbar gewordene, von sich zu stoßen (?); nicht aber darf die eine Richtung, am wenigsten die jüngere, sich ja die freisinnige nennende, ihre zufällige numerische Ueberzahl dazu verwenden, die ältere, welche festhält an dem ererbten Judenthum, sich gewaltsam zu unterwerfen. Trennung und Kampf würden die unausbleiblichen Folgen fein, und wer will die Nachtheile ermessen, welche eine Spaltung in der größesten Gemeinde Deutschlands nach sich ziehen könnte! Verehrtester Vorstand! Es werden sich Rabbiner finden, deren Gewissen dehnbar genug ist, beiden Parteien genügen zu wollen. Nie aber werden die Anhänger des überlieferten Judenthums einem solchen Rabbiner Vertrauen schenken, nie seine Entscheidungen, als verpflichtend, anerkennen. Er ist für uns nicht vorhanden. Wir fordern volle, unbedingte Gerechtigkeit und können nur einen Rabbiner für uns anerkennen, der durch sein bisheriges Wirken bewiesen hat, daß er fefthält an der überlieferten Lehre, dem wir mit vollem Vertrauen die Aufsicht über das Ceremonial- und Ritualwesen überlassen können, der uns das Wort Gottes in der dem alten Ritus überlassenen Synagoge der Ueberlieferung gemäß verkünde und der voll und gleichberechtigt stehe gegenüber den andern Rabbinen der Gemeinde. Hochgeehrtester Vorstand! Es liegt in Ihrer Hand den Frieden in der Gemeinde zu erhalten, die sonst unausbleibliche Spaltung, der damit verbundenen Herabsetzung des Judenthums unseren christlichen Mitbürgern gegenüber zu verhüten. Betrachten Sie diese wichtige Angelegenheit von einem höheren Standpunkte, als dem einer Partei, seien Sie gerecht gegen die, wenn auch geringere Zahl. Verlangen Sie nicht Unmögliches: daß ein Rabbiner zugleich für die Richtung des talmudischen Judenthums und für die, es mit allen nur denkbaren Waffen bekämpfende Richtung wirken soll. Vollständig grundlos aber ist die Befürchtung, baß durch Anstellung von Rabbinen verschiedener Richtung, die Kanzel zur Stätte gegenseitiger Anfeindung und polnischen (?) Zankes herabgewürdigt werden könnte. Es ist dies von Männern gediegenen Charakters und wahrer Wissenschaft ebenso wenig anzunehmen, wie sie als Beamte der Gemeinde sich deren Vorschriften in dieser Beziehung zu fügen haben. Wohl aber wird Zank und Streit entbrennen, sich von der Kanzel bis in die Familien erstrecken, wenn Sie uns zwingen, uns loszusagen von der bisherigen Gemeinde, was uns nur zum tiefsten Leide gereichen würde. Es gilt eine letzte, entscheidende Bitte, treiben Sie es nicht zum Aeußersten! Entschieden aber protestiren die ergebenst Unterzeichneten, in einer großen Versammlung der dem alten Judenthume anhänglichen Mitglieder zu einem Counts erwählt und bereit die wegen der Kürze der Zeit noch nicht zu beschaffenden Unterschriften ihrer Auftraggeber nachzuliefern, gegen die Anstellung eines der drei Herren Dr..Dp. .... und Dr.. welche hier ihre Gastpredigt gehalten haben, sowie überhaupt gegen die Anstellung irgend eines Rabbiners, welcher der konservativen Richtung zu genügen bestimmt, demnach auch gleichzeitig der sogenannten jüdischen Fortschritts-Theologie huldigt, gegen die Anstellung eines Rabbinen. dessen bisheriges Wirken nicht die vollste Bürgschaft für seine künftige dem überlieferten Judenthume angehörige Wirksamkeit bietet. Ueberhaupt kann und darf eine Gemeinde wie Berlin die Berufung bewährter Autoritäten fordern, und hat nicht nöthig, sich mit Männern zu begnügen, die bisher nur durch ihre Unbekanntheit glänzten. Auch wir verlangen für unsere Richtung einen Rabbiner, der bereits sich einen Namen erworben und den Herren Dr. Aub und Dr. Geiger ebenbürtig ist. Wünscht der löbl. Vorstand Vorschläge, so find wir gern bereit, solche zu machen. Berlin, 8. Juli 1869. (Folgen die Unterschriften.) VerehrlicheRepräs entanten-Bersammlung! In der Anlage erlauben wir uns Ihnen Abschrift unserer Eingabe an den löbl. Gemeinde-Vorstand zu überreichen. Wir richten auch an Sie die darin ausgesprochene Bitte um gerechte Berücksichtigung. Wir hoffen in Ihnen als den Vertretern der ganzen Gemeinde, Schutz gegen Beeinträchtigung zu finden. Wir hoffen, daß Sie Schein-Concessionen Ihre Zustimmung versagen werden, da solche statt Versöhnung nur gesteigerte Erbitterung Hervorrufen würden. Wir wollen den Frieden, und sind gerne bereit, wenn Sie es wünschen, Ihnen Männer der alten Synagoge, als Rabbiner in Vorschlag zu bringen, die wohl geeignet sein dürften, die in der Gemeinde vorhandenen, verschiedenen Richtungen zum friedlichen Zusammenleben gegenseitiger Duldung und Achtung zu führen. Das in einer größeren Versammlung dem alten Ritus anhänglicher Gemeindeglieder erwählte Comits. Breslau, den 14. Juli. Die vom 29. Juni bis 1. Juli hier getagt habende „kleine" Synode, deren epochemachende (?) Berathungen und Beschlüsse wir schon den geehrten Lesern des „ Israelit" nntgetheilt haben, hat nun auch einen Bericht herausgegeben, aas dem wir Folgendes entnehmen: Der jüdisch-theologische