Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 30 (28.7.1869)
- Date
- 1869-07-28
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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589 Verein hat folgende Resolution gefaßt, die wir, weil sie die Stellung des hiesigen Seminars den Parteien gegenüber so genau kennzeichnet und als Programm der s. g. historischen Schule, die weder Fisch noch Fleisch ist, gelten kann, hier mittheilen wollen. Sie lautet: „Der jüdisch-theologische Verein erklärt bei seinem Zusammentritte im Hinblick auf die gegenwärtigen Bewegungen innerhalb des Iudenthums: Wir stehen auf dem Boden des positiven Iudenthums, dessen Erhaltung und Kräftigung höchstes Ziel unseres Strefceng^ift. Wir wollen die Einheit und Einigkeit der jüdischen Gemeinde befördern, indem wir, von Stabilität und Reformsucht gleich weit entfernt, nur solche Neugestaltungen als zulässig anerkennen, welche in innigem Zusammenhänge mit der Vergangenheit bleiben und aus der Bibel und dem Talmud ihre Berechtigung Nachweisen lassen. Wir verwerfen daher entschieden alle Bestrebungen, die entweder mit dem traditionellen Judenthume brechen oder in starrer Consequenz geeignet sind, Zwiespalt in den Gemeinden zu erzeugen." — Das klingt zwar ganz hübsch fromm, fast orthodox — und dennoch müssen wir es leider rundweg heraussagen, daß die G laube ns treuen unseres Volkes, die mit allen Fasern ihrer innersten Ueberzeugung an der Bibel sowohl wie an der Ueberlieferung — die uns im Talmud aufbewahrt ist — festhalten, von dieser historischen Schule, die der jüdisch-theologische Verein vertritt, fast gar nichts zu erwarten haben! Diese armen Leutchen des hiesigen jüdisch-theologischen Seminars wollen es mit gar keiner Partei verderben; man kann doch nicht wissen, wohin man als „Rabbiner" berufen wird! Daher kokettiirt man sowohl mit den „Fortschrittlern" als mit den Orthodoxen — freilich, freilich ist oft die Gesinnungstüchtigkeit und das religiöse Gewissen ein Kautschuk, der sich gar sehr dehnen laßt!- Während der jüdisch - theologische Verein in dem erwähnten Berichte sich selber Weihrauch streut, sucht der aus Leipzig eben heimgekehrte Breslauer „Synodler" Dr. Honigmann für die Ideen (?) der Leipziger Synode Propaganda zu machen und die ephemäre Schöpfung des Herrn Philippson und Consorten förmlich zu apotheosiren. Wir bedauern außerordentlich, daß ein so geachtetes und einflußreiches Blatt, wie die „Schlesische Zeitung," dessen Mitarbeiter zu sein ich die Ehre habe, den Phrasen des Herrn Dr. Honigmann ihre Spalten geöffnet. Um ein Pröbchen der Honigmann'schen Entstellungen zu geben, wollen wir einige Stellen aus dem erwähnten Aufsatze (Sonnabend, 10. Juli) citiren, die Herrn Honigmann sowohl wie die ganze Leipziger Synode genügend characterisiren. „Man hat," heißt es daselbst, „nicht mit Unrecht die israelitische Synode" in Bezug auf ihren Charakter und die formalen Seiten ihrer Bestrebungen mit der Organisatian des deutsche« Proteftantenvereins" in Parallele gestellt. Wie dieser aus dem lebendigen Bedürfniß entsprungen ist, die durch die Herrschaft einer starren, geisttötenden Orthodoxie in dem gebildeten Volksbewußtsein allmählich abgestorbene höhere (?!) Religiosität wieder zu erwecken, gegenüber dem, durch das lebenSfeindliche Kirchenthum nur um so mehr geförderten Materialismus, die Richtung nach dem Idealen und dem Göttlichen zu fördern und in der überwiegenden Theilnahme der Nichtgeistlichen der kirchlichen Verfassung eine Gewähr allezeit sich verjüngender Lebensfrische und Dauerbarkeit zu verschaffen, — so verdankte auch die jüdische „Synode," der allmählich zur Klarheit durchgebrochenen Erkenntniß ihre Entstehung, daß die Befriedigung der religiösen Bedürfnisse der Gesammtheit (?), die Belebung einer aus dem beengenden Bannkreise der alltäglichen Sorgen und Genüsse in das freie Reich der höchsten menschlichen Bestrebungen führenden idealen Gesinnung, und vor Allem die Aufhebung des Gegensatzes zwischen den drängenden Forderungen des alle Menschen einigenden Culturlebens und der scheidenden particularlistischen unzähligen Fe sseln nur noch in v ermodert en Büchern als ehrwürdig mit fortgeschleppten Satzungen (sio!!), — daß alle diese Ziele nur unter der ernsten und gewissenhaften Betheiligung des Volkes selbst von dem reformatorischen Werke seiner Theologen und Lehrer erreicht werden könne." — Wahrlich, es stünde sehr schlecht um das Zudenthum, wenn es — was Gott verhüten möge — keine sonstigen Sachwalter hätte, als Advokat Emil Lehmann in Dresden und — Advokat Honigmann in Breslau! Adolph Kohut. Holland. syaaq. Herr D. Bles dahier wurde zum Rit» ter des niederländischen Löwenordens ernannt. (N. I. W.) England. London. Laut Testamentsverfügung des verstorbenen Lord Seymonr erhielten dieser Tage 84 Londoner Wo hlthätigkeilsanftalten je 400 L. (4808 fl.) Unter diesen Anstalten wurden auch das jüdische Hospital und noch andere jüdische Wohlthätigkeitsvereiue bedacht.