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Der Israelit · 1869-07-28 · Heft 30 (28.7.1869) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 30 (28.7.1869)
Date
1869-07-28
Page
– (sequence 13)
Language
German
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587 Gemeinde, der sich abgesondert,*) wieder mit derselben zu vereinigen. Die Wahl des Di. Geiger, dieses Heros der Reform, welcher das Kriterium des Judenthums darin findet, daß man sich für einen Juden hält, ward beschlossene Sache. Was geschah nun dagegen von dem conservativm Theile der Gemeinde? Nachdem von einigen eifrigen und wahrhaft jüdischen Mitgliedern in Brochüren der Ernst der Lage geschildert und zu rücksichtslosem Vorgehen gemahnt worden, «rfolgte eine Eingabe an den Vorstand und die Repräsentanten, welche auch diese Blättter gebracht. Im ernsten und würdigen Tone ward die vollständige Nichtberücksichtigung der gesetzestreuen Gemeindeglieder dargestcllt und die Anstellung eines Rabbiners gefordert, der fest stehend auf dem Boden der Ueberlieferung, auch des Wortes mächtig sei, und dem allein das Recht zustehen solle, die dem jüdischen Gesetze dienenden Institutionen zu bewachen und in der dem hergebrachten Ritus überlassenen Synagoge das Wort Gottes zu verkünden. Niemand glaubte jedoch an einen Erfolg dieses Schrittes, man wußte ja, was der Vorstand wollte, und daß er seinen Sieg (bei den Wahlen) auch zu verwerthen bestrebt sei. Wenn wir sagen, der Vorstand, so meinen wir eigentlich den Mann, nach dessen Pfeife, um vulgär zu sprechen, der Vorstand tanzt, und der das eigentliche böse Princip der Gemeinde ist. Dieser Mann, ausgerüstet mit Scharfsinn und Kenntnissen, läßt Vorstand und Rabbiner wie Marionetten nach seinem Willen vfid) bewegen, während sie sich einbilden auf eignen Fußen zu gehen. Doch kehren wir zu Thalsachen zurück. Ueberzeugt also von der Erfolglosigkeit der Eingabe ward in einer Versammlung der Gesetzestreuen ein Comite zur Leitung der Angelegenheiten gewählt und von diesem endlich, als wirklich nach 5 Monaten vom Vorstande eine ausweichende Antwort einging, die Bildung einer israelitischen Religionsgesellschaft beschlossen. Dem Vorstande konnte und sollte die beabsichtigte Bildung einer dem alten Judenthume treuen Gemeinde nicht verborgen bleiben, und da nun auch ein Theil . der Repräsentanten erklärte, nicht eher für Berufung von vr. Geiger zu stimmen, bis nicht auch den ge-! rechten Ansprüchen der gesetzestreuen Mitglieder ge- I nügt sei, suchte nun der Vorstand hinter den Coulisj sen, mit Scheinconcessionen den Sturm zu beschwichtigen. Es wurden in der alten Synagoge Gastpredigten von einigen Rabbinen gehalten, von deren Dasein man bisher, ausgenommen der Bersasser des Chaldäischen Lexicons, keine Ahnung gehabt, und die ihre Einladung wohl aus den freundschaftlichen oder ver- *) Worte des jetzigen Vorsitzenden der Repräsentanten-Ver. sammlung bei einer die Repräsentantenwahl betreffenden Versammlung. wandtschaftlichen Beziehungen zu dem bereits bezeichneten Spiritus familiams des Vorstandes zu verdanken haben. Wir sind in der Lage nachstehend den in Folge dieser Gastpredigten an die Gemeindebehörden gerichteten Protest mittheilen zu können und wird der geneigte Leser daraus am besten die obwaltenden Zustände erkennen. Eine Entscheidung wird und muß jetzt erfolgen; vom Vorstande wie von Repräsentanten hoffen und erwarten wir trotz der wiederholten Eingabe Nichts! Diese Herren, in ihrem Leben dem Judenthum vollständig entfremdet, allen Satzungen desselben entgegenhandelnd , haben kein Verständnis; für das was wir erstreben. Wir werden und müssen uns selbst helfen, und wenn einzelne Männer, die bisher zu uns hielten, aus Furcht ein Gemeindeämtchcu zu verlieren, sich scheu und vorsichtig fern halten, so werden wir ohne sie fertig werden. Nur keine Zersplitterung, lastet uns fest und einig zu einem jüdischen Genwindewesen zusammentreten, und dann durch uns gewählte Vertreter den Rabbinen berufen w nn iw#, so wird dann auch für unsere Gemeinde sich das Wort erfüllen: .-Ipn d.-6 p» jnbd «mp rpnn xsn. Der obenerwähnte Protest lautet wie folgt: Verehrtester Vorstand! Aus eine mit etwa 800 Unterschriften versehene Eingabe, welche im Interesse des Friedens und der Gerechtigkeit, die Wahl eines den Anhängern des historischen Judeiuhums zusagenden Rabbiners erbat,! erfolgte Monate lang keine Antwort, und erst auf erneuerte Erinnerung, ein Bescheid vom 5. Mai, welcher lediglich die Aussicht auf Verhandlungen eröffnete. Die, und zwar ohne jede öffentliche Verkündigung an 3 Sabbaten in der alten Gemeinde-Synagoge durch fremde Rabbiner gehaltenen Gastpredigten, könnten nun in uns die Hoffnung erwecken, daß es dem löbl. Vorstande Ernst damit ist, die gerechten Ansprüche der bezeichneten Gemeinde-Angehörigen zu befriedigen. Leider jedoch müssen wir diese Hoffnung als eine Illusion betrachten, indem die Stellung, lediglich als Assessor, welche dem zu berufenden Rabbiner zugewiesen wird, die Forderung, welche an ihn gerichtet wird, in beiden verschiedenen Riten huldigenden Synagogen zu sungiren, von vornherein ihn für die Anhänger des alten Judenthumes unmöglich macht. Es sind nun einmal zur Zeit im deutschen Judenthume und auch in unserer Gemeinde zwei Hauptrichtungen vertreten, welche ihre Geltung und Anerkennung einerseits erstreben, anderseits sich nicht nehmen lassen wollen. Wohl können und werden diese Richtungen innerhalb des Judenthums und besonders in einer so großen Gemeinde wie Berlin, friedlich neben einander bestehen, wenn eben nicht die Eine zu Gunsten der Andern unterdrückt wird. —

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