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Der Israelit · 1869-07-28 · Heft 30 (28.7.1869) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 30 (28.7.1869)
Date
1869-07-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
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X. Jahrgang. Beilage z« Rr. 30 des Israelit. Leitender Artikel. London, seine israrl. Gemeinde und drrrn Institutionen. London,. 4. Juli. Die älteste isr. Gemeinde Londons ist die sephardische, der die Montefiore, Ouedallad, Segal, Montague, rc. entsprossen sind. Rabbiner derselben ist Herr Br. Artow, ein Italiener, der vordem Rabbiner der neubegründeten Gemeinde zu Neapel war. Die sephardische Gemeinde besitzt eine recht hübsche Synagoge, in welcher in alt-sephardischer Weise gebetet wird. Wir hörten gestern Herrn Br. Artom in der New-Borough-0tynage'ge auf dem andern Themse- Ufer predigen. An dieser" erst kürzlich begründeten Gemeinde ist Rev. Mr. Singer als Prediger angestellt; Herr Br. A. hielt nur eine Gastrede. Derselbe hat in der kurzen Zeit seines hiesigen Aufenthaltes das Englische sehr gut erlernt. Er sprach über den edlen Eifer des Pinchas, zog gegen den Jndifferentismus zu Felde und ermahnte zu wahrhaftem Eifer für unsere heilige Religion namentlich im Innern des Hauses und bei der Erziehung der Kinder; nicht der sei der rechte Eifer, der augenblicklich eine Synode berufe, um unsere geheiligten Institutionen zu zerstören, sondern derjenige, welcher wie Pinchas für die Erhaltung des erhabenen Erbes der Väter in Gesetz und Sitte kämpfe. — Der Redner sprach sehr zu Herzen, in sichtbarer Uebcrzeugungstreue. So war denn auch der Eindruck auf die zahlreichen Zuhörer ein merklicher. — Unter den jüdischen Anstalten, die wir noch zu besuchen Gelegenheit hatten, heben wir das Waisenhaus hervor. Fünfzig Waisenkindern, 25 männlichen ] und 25 weiblichen, wird hier durch die treue Liebe und Sorgfalt von Nr. und Nro. Franklin die Familie ersetzt. Es ist wahrhaft rührend, wie diese elternlosen Kinder ihren Pflegern anhangen. Die äußerste Reinlick keit und der echt englische Comfort herrscht in der ganzen Anstalt. Eine sehr wohlthätige Einrichtung ist die jüdische Infant-School, oder die Kleinkinder-Bewahr-Anstalt. Hier werden die ganz kleinen Kinder der Armen unentgeltlich ausgenommen, gewaschen, gekämmt, erhalten Speise und Trank, werden beaufsichtigt, in ihren Spielen überwacht, und sobald sie dazu befähigt sind, unterrichtet. Außer den Cchulsälcn rc. bestndet sich dort ein Spielsal von ungeheurer Ausdehnung, der die Kinder im Winter und bei schlechtem Wetter, ein nicht minder großer Hof, der sie bei gutem Wetter aufnimmt. Sehr großes Interesse bieten auch die Sabbatschulen, deren es in London drei mit 1000 Kindern gibt. Dieselben wurden von dem von uns bereits rühmlichst erwähnten Rev. Mr. Green, dem Gründer des Vereins zur Verbreitung religiösen Wissens, ins Leben gerufen. Junge Herren und Damen aus den vornehmsten Londoner Familien unterrichten hier die Kinder der Armen an jedem Sabbat von 12—2 Uhr in der jüdischen Religion. Die junge Patricier- Tochter, die sonst den Palast des Paters nicht ohne Equipage und zwei Bedienten verläßt, geht am Sabbat zu Fuß in irgend einen, nick' von der Aristokratie bewohnten Stadttheil und lehrt die Töchter der Armen die Gebete übersetzen, Adon Olam und Hallelujah singen; der reiche Banquiersohn, dessen Unterschrift für Hunderttausende von Pfunden gut ist, lehrt hier die Söhne der Armen das Wort Gottes in der Ursprache lesen. Derartiges kann leider in Deutschland schon deßhalb nicht Vorkommen, weil unseren jungen Millionären und Millionärinnen in der Regel die hcbr. Bibel und das hebr. Gebetbuch verschlossene Bücher sind. Auch eine jüdische Synntagsschule existirt hier; dieselbe hat ausschließlich den Zweck, den armen, jüdischen Arbeiterinnen am freien Sonntage Unterricht sowohl in der Religion als in andern Dingen zu Theil werden zu lassen. Am Sabbat sollen diese armen Mädchen, welche die Woche hindurch angestrengt arbeiten, ruhen; aber am Sonntage genießen sie den wohltätigen Unterricht. Auf diese armen jüdischen Arbeiterinnen namentlich halten es die hier so sehr grassirenden Missionäre abgesehen. Um gegen die Verführung derselben ein Gegengewicht zu bieten, hat Herr Marcus Adler, der älteste Sohn des Oberrabbinen, die genannte Sck ule ins Leben gerufen; auch an ihr wirken freiwillig Lehrer und Lehrerinnen aus den höchsten Ständen. DaS Unwesen der Judenbekehrungssucht grassirt hier in London wie nirgendwo in der Welt. Um nun auch den Laien Gelegenheit zu geben, den Proselytenmachern heimzuleuchten, bat Herr Br. Hermann Adler, Prediger an der La^krater-Synagoge. 12 Predigten drucken lassen, die er über das erwähnte Thema gehalten. In denselben werden alle diejeniaen Bibelstellen ausführlich besprochen, welche die christl. Theologen zur Bekräftigung ihrer Dogmen anzuführen pflegen. Herr Br. A. geht die 24 Bücher der h. Schr. durch und verweilt bei jedem Worte, das von den Misstonären mißdeutet wird. Die Arbeit ist an

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