Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 30 (28.7.1869)
- Date
- 1869-07-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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584 Sprache tönte es herauf: „RaLbi Gerschom, Rabbi Gerschom, lebst Du noch?" War das nicht die Stimme der guten, treuen Deborah? Rabbi Gerschom lehnte sich weit über die Mauer. Ja, sie war es wirklich, sein treues, edles Weib. „Deborah," rief er, „theure Deborah, Dich sendet Gott! Du wirst mir Rettung bringen!" lebst Du noch, geliebter Mann? ich bin gekommen, um mit Dir zu sterben!"" „Nein, wir sollen noch nicht sterben; wir sollen Beide noch länger leben; so hat es der allgütige Gott beschlossen. Hilf mir, gute Deborah, dem Tode entrinnen!" „„Gebe Gott, daß Du die Wahrheit sprechen mögest. Doch, wie soll ich Dir helfen?"" „Höre mir genau zu, Deborah! Gehe sofort in die Stadt und kaufe Dir ein Knäuel feines, aber doch starkes seidenes Garn und einen langen Bindfaden, und dann kehre hieher zurück; bringe auch ein wenig Butter und ein dünnes Hölzchen mit." Deborah that, wie ihr war geheißen worden. „Jetzt," rief ihr der Rabbi zu, „jetzt suche einen Käfer zu erhaschen, weißt Du, einen rothen, wie ich ihn neulich Dir zeigte. Du findest ibn am Leichtesten in der Nähe von Pfirdekoth. Hast Du einen solchen gefangen, so binde ihm das Hölzchen mit dem seidenen Faden um den Leib; dann sct miere ein wenig^ Butter an die Spitze des Hölzchens und setze den Käfer an die Mauer; der Käfer liebt die Butter, und wird, um sie zu erreichen, an der Mauer emperklimmen und so den Seidenfaden zu nur herausbringen." Eilig machte sich Deborah auf den Weg und fand bald einen Käfer, wie ihn der Rabbi beschrieben hatte. Dann verfuhr sie nach der Anweisung ihres Gatten. Der Käfer kroch. die Butter erstrebend, an der Mauer empor und schleppte so den Scidenfadcn hinauf. Glücklich erhaschte ibn der Rabbi und befestigte den Faden oben am Tburm. Nunmehr band Deborab den Bindfaden an das seidene Garn, und Rabbi Gerschom zog diesen in die Höhe. „Getobt sei Gott," rief er hinab, „und gesegnet seist Du Deborah! Jetzt bin ich doch vor dem Hungertods gestützt. An dresem Bindfaden kann ich alle Speisen Heraufziehen, die Du mir bringen wirst." Und Deborah e lte nach Hause, um Brod und Fleisch und Wein und Wasser zu holen. Nabbi Gerfchom zog unterdeß den Bindfaden in die Höhe. Dann drückte er an die Feder, und daö Dach öffnete sich. Der Rabbi ließ es offen, damit die frische Lust in den Thurm ströme. Rach einiger Zeit kehrte Dcborah zurück und brachte so viele Leb-'namt^el als Ne ln ibr-n Kle'dern verbergen konnte. Der Rabbi ließ den Bindfadnr nieder und zog die Speisen und Getränke, die nr Fläschchen und Körbchen Deborah daran befestigte, empor. Die Tageszeit war unterdessen weit vorgerückt. „Jetzt gehe nach Hause, Du gutes Weib," rief der Rabbi herunter, „schlafe ruhig und in freudiger Hoffnung Morgen bringe mir so viele Stricke, wie Du nur immer in Deinen Kleidern verbergen kannst." Deborah ging nach Hause, Gott im Herzen dankend. Noch immer redete sie mit Melitta kein Wort. Rabbi Gerschom begab sich wieder in das Innere des Thurmes und schloß das Dach. „Allgütiger," sprach er, „Du hast Dein Ohr geneigt der Stimme meines Flehens; o, stehe mir ferner bei, damit ich noch fürder leben und wirken kann zur Verherrlichung Deines großen Namens!" Am andem Tage brachte Deborah wieder Lebensmittel; auch brachte sie nach und nach viele Stricke herbei. Aus diesen flocht der kunstreiche Rabbi eine Strickleiter, durch die er seine Flucht zu bewerkstelligen hoffte._ (Forts, folgt.) Telegraphische Depesche. Berlin, den 25. Juli. Nachdem die Unterhandlungen der hiesigen neuconstituirten orthodoxen isr. Religionsgesellschast Ad a th Jisrael mit Herrn Rabbiner Dr. Hildesheimer zu Eifenftad 1 zu einem erfreulichen Abschlüsse gediehen, kam gestern am Sabbat Nachmu die definitive Entscheidung des Herrn Dr. H. hier an. Die Religionsgesellschaft Adath Jisrael hat sich vollständig als iör. Gemeinde constituirt. und wird alle Institutionen einer solchen als Synagoge, Sckule, Mikwah, Schechitoh rc. selbstständig und unabhängig Herstellen. Zu ihrem Ratbinen hat sie Herrn Dr. Hildesheimer, bisher Rabbiner zn Eisenstadt, crnrt; dieser hat die Mahl angenommen und wird noch vor dem Neujahrsfeste hier eintreffen; zugleich hat das hiesige Beth Hamidrafch die vorher vom Rabbiner Elchanan Rojcnsiem V'ü"i innegchabte Stelle als Rabbiner des genannten Irstituis Herrn Dr. H. übertragen; ferner sind großartige Summen zur Gründung einer RabbinerschuleF deren Direelorat Herr Dr H. übernehmen wird, ge-> zeichnet. Es herrscht hier gegenwärtig eine große Begeisterung, eine wahrhaft himmlische Freude unb 5Bcfclifiiirg j unter allen wabrba'tcn Jehudim ob der gewonnene», bedeutungsvollen Resultate, vcn denen man einen Umschwung zum Bessern erwartet. — Dr. L. Sternheim. Hier,» zwei Beilagen. BermNworNlche Kevuctwn: Ln. Lehmann. — Jtmiag tei Le Jkouviuw. ^.o^urhhanmuitg. von I. Gottsleben in Mainz. iLaiiqfif - Lchneüpresfcnbrurt