Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1869)
- Date
- 1869-07-21
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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569 s«ß- ist eben lustellt un$ bea, iu- )err von die eren ) ttaudes nei- 8 ein Nasser nant Man Dia- »lität lmme d je- ... r. einem lachte iwanst M .Je«. fehllshalt dwerk uns Ischen i, da sind. batbeschlos- -n geensge- Herrn in Syentlich tacific* Eisenbahn, welche an einem Sabbat stattfand, bei und fuhr beim Aufzuge in einer Droschke. Afrika. Algier. Der Gesundheitszuftand unserer Glaubensgenossen in Algier ist nicht sehr befriedigend. Vom 31. Mai bis zum 6. Juni starben 10 Personen und nur 2 Kinder wurden geboren. Feuilleton. Aus dem Leöen des Erzherzogs Kart. Im Sommer 1797, als Erzherzog Karl von Oesterreich die Franzosen bei Stockrch auf das Haupt schlug und sie über den Rhein zurückwarf, ging die kaiserliche Armee über den Rhein und drang in die Schweiz vor bis an die Aar. Bei dieser Gelegenheit kam das Hauptquartier nach Endin gen, einem der zwei schweizer Orte, wo allein damals Inden wohnen dursten. Der Ort liegt in einer Thalschlucht, hat weder Kirche noch Pfarrhaus. Die meisten Einwohner bewohnten niedere Hütten mit Stroh gedeckt; nur einige jüdische Familien besaßen massive, mehrstöckige Häuser mit geräumigen Zimmern. Unter diesen ragten vorzüglich die Häuser des Vorstehers Michael Trius-Dreifuß und jenes seines Sohnes Wolf hervor. Es war also ganz natürlich, daß diese Gebäude von den höchsten Osficieren in Besitz genommen wurden; und so kam es, daß Erzherzog Ferdinand in dem Hause des Wolf Dreifuß und Erzherzog Karl in jenem des Michael Dreifuß ihr Quartier nahmen. Dies geschah an einem Donnerstag Nachmittage. Michael Dreifuß war eine ehrwürdige Gestalt, hochgewachsen und ungeachtet seiner etlichen stebenzig Jahre noch gerader, aufrechter Haltung, mit weißen Haaren, bis auf die Brust wallendem weißen Barte, lebhaften Augen, mit einer echten semitischen Nase, rosenrothen Wangen und Lippen, mit freundlichem Munde. Er war auch echt jüdischen Charakters nach altem Schlage. Sein Sohn Wolf, ein Mann in den Vierzigen, dem Vater ähnlich, hatte sich durch Umgang mit den höhern Ständen in Zürich und den adeligen Gutsbes sitzern der Umgegend eine feinere Bildung angeeignet, so daß seine freie körperliche Bewegung, der präzise Ausdruck im Sprechen, überhaupt seine Haltung und seine Physiognomie Achtung einflößten. Dieser Mann fand erst Freitag-Mittag Muße, seinen Vater zu sprechen. „Ette! (Vater) wer, meinst Du wohl, daß bei mir logirt?" „Ein hoher Offizier eppis." „ Ja ein hoher Offizier l deS Kaisers Bruder, Erzherzog Ferdinand." „Ei, so! und wer bei mir?" „Der Erzherzog Karl, Oberst-Feldmarschall. Ich habe meine Aufwartung schon bei ihm gemacht. Du mußt deine Aufwartung auch bei Deinem Gast machen. „Ziehe Dich an, um drei Uhr wollen wir hinauf gehen." „Aber ich weiß mit solchen hohen Herren nicht zu sprechen." „Je freier und ungezwungen man mit hohen Herren spricht, desto bessern Eindruck macht es. Benimm dich nur so, wie beim Landvogt. Ich gehe jetzt nach Hause und werde Nachmittags wieder kommen." Zur bestimmten Stunde war Michael festtäglich angekleidet. Haupthaare und Bart glatt geschlichtet, um den Hals ein weißer mousseliner Shwal, der bis auf die Brust herabhing, unten mit Spitzen besetzt; weiße brodirte Atlasweste; schwarze Sammethosen, deren Kniebänder mit silbernen Schnallen befestigt; seine, weiße baumwollene Strümpfe; Schuhe mit silbernen Schnallen und schwarzer Sammetrock. Eine imposante Gestalt. — Wolf war nach jener Zeit modern gekleidet. So stiegen sie die Treppe hinauf, ließen sich durch den Diener, der vor der Thüre stand, melden: Der Hauswirth bitte um die Gnade, Sr. kaiserl. Hoheit seine Ehrfurcht zu bezeigen u. s. w. — Bald nach dieser Meldung öffnete sich die Thüre und der Adjutant trat hervor mit den Worten: Treten Sie ein? Der Erzherzog war ohne Uniform leicht gekleidet, ein ganz junger Mann; sein Porträt braucht keine Beschreibung, weil es allbekannt ist. Er erhob sich, und sah ihnen huldvoll entgegen. Da trat Wolf etwas näher mit einer tiefen Verbeugung. „Ew. Kaiserl. Hoheit wollen gnädigst meinem Vater, Michael Dreifuß, Hauswirth und Vorst, der hies. israel. Gemeinde erlauben, seine Ehrfurcht zu bezeigen und Ew. Kais. Hoheit zu danken für die Ehre, daß Wohldieselben in seinem Hanse Quartier genommen haben; und zugleich eine religiöse Pflicht zu vollziehen, die ihm noch nie zu Händen gekommen ist." Der Erzherzog entgeznete nach einer leichten Handbewegung: „Freut mich, in dem Hause eines so würdigen Mannes zu wohnen. Doch bin ich neugierig, welche religiöse Pflicht damit verbunden ist!" — Michael: „Es ist geboten bei dem Anblick gekrönter Häupter und deren Söhne einen besondern Segen zu sprechen." „Das ist schön! Wie lautet dieser Segensprnch? Wollen sie ihn laut sprechen!" Michael griff verlegen an seinen drei spitzigen Hut. — „Prinz," nahm derAdjutant das Wort, „ich weiß von Prag aus, daß es den Juden verboten ist, eine religiöse Uebung mit entblößtem Haupte auszuführen."