Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1869-07-21 · Heft 29 (21.7.1869) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 29 (21.7.1869)
Date
1869-07-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2447395-2447424--07417-2463017
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die H^^zessm war tief erschüttert von der Kunde, -aß ihr LMensretter den Tod des Verbrechers sterben sollte. Sie eilte zum Kaiser, der sie jedoch nicht vor sich ließ. Betrübt kehrte sie zu Deborah zurück. ' „Mein Oheim will mich nicht vor sich lassen," sagte sie; „er muß mächtige Beweggründe haben, den Tod des Rabbi zu wünschen. Was kann ich jetzt noch thun?" „Prinzessin," entgegnete Deborah, „erinnert Ihr Euch, wie mein unglücklicher Gatte an Eurem Bette gesessen Tag und Nacht und jeden Eurer Athemzüge belauscht hat, wie er Euch selbst die Arzeneien bereitet, ja, daß er sein Leben wagte, um das Eure zu retten? War er doch dem Tode geweihet, wenn Ihr nicht genesen wäret! Eine Belohnung hat er nicht erhalten, jetzt soll er sterben, wiewohl seine Hand kein Unrecht gethan, sein Herz nichts Böses gedacht hat." „Nun denn," sprach die Prinzessin, „so will auch ich für ihn mein Leben wagen und will gegen den Willen Basils zu ihm dringen." Wiederum wurde die Prinzessin von den Dienern des Kaisers zurückgewiesen. Sie aber hörte nicht auf das abweisende Wort, drängte die Diener bei Seite und trat in das Gemach des Kaisers. „Was wagst Du, Theodore?" herrschte sie dieser ' an. „ Hast Du nicht vernommen, daß ich ungestört bleiben will?" „„Doch, mein gnädigster Oheim! Allein ich wollte mit Euch reden — Ihr wart immer so gnädig gegen Eure Theodora, Ihr werdet mir auch heute nicht zürnen!"" „Und was hast Du so Wichtiges mir mitzutheilen?" „„Der Meister Gerschom, mein Lebensretter, ist zum Tode verurtheilt?"" „Und das mit Fug und Recht!" „„Nein, Herr, in Sünde und Ungerechtigkeit. Hat er das um mich, um Euch verdient?"" Das kümmert mich nicht! Er ist vor Gericht und verurtheilt worden." Und warum habt Ihr ihn nicht begnadigt?"" jjjP;. nv yat mir den Ring nicht gesandt, der ihm incuie Gnade sicherte." . „„Und wenn nun dieser Ring ist unterschlagen worden?"" „Höre, Theodora! Dieser Jude hat mir einen gebaut, dessen größter Wertb darin besteht, das einzige Kunstwerk dieser Art ist. Solange ^D^rcht mich plagt, daß der Künstler ein ähnliches Werk für einen andern Fürsten Herstellen kann, solange kann ich mich meines Besitzes nicht freuen. Hat man doch schon früher solche geschickte Künstler geblendet, um sie zu verhindern, noch einmal dasselbe zu schaffen! Ich freue mich deßhalb, daß ich ohne mein Zuthun dieser Furcht überhoben bin. Wir wollen daher dem Geschicke des Meisters seinen Lauf lassen.!" „„O, mein gnädigster Oheim, und deßhalb soll der Unglückliche sterben? Ihr könntet ihn ja binden mit heiligen Eiden!"" „Und wenn er diese Eide bricht?" „Er wird sie nicht brechen! Er ist ein frommer, edler Mann. Bedenkt doch, wie er an mir gehandelt, mir Leben und Gesundheit gerettet hat!"" „Hat er das etwa Deinetwegen gethan? Lediglich deßhalb, um seine Glaubensgenossen vor Verbannung zu schützen!" „„Und wenn er es deßhalb gethan, hat er nicht gerade dadurch seinen Edelmuth bewiesen? hat er nicht das viele Gold zurückgewiesen, das Ihr ihm angeboten hattet? Und dieser edle Mann soll Euch Silber entwendet haben? O, geht, theurer Oheim, das glaubt Ihr selber nicht!"" „Mein Glaube thut hierbei nichts zur Sache; er ist von seinen Richtern verurtheilt worden!" »»Ja, von den Creaturen seines Feindes, des Eunuchen Johann! Mein gnädiger Kaiser, habt Erbarmen mit dem Aermsten, habt Erbarmen mit mir, die nie mehr froh werden könnte, wenn der Gedanke an meinen gemordeten Lebensretter meine Seele belasten würde."" Der Kaiser ging in großer Aufregung im Zimmer auf und ab; endlich blieb er stehen und sprach: „Ich will Gnade üben, Dir zu Liebe. Wenn er noch im Gefängnisse ist, so mag er frei ausgehen. Befindet er sich aber schon im Hungerthurme, so ist er meiner Macht entrückt. Aus diesem kann ich ihn nicht befreien; so verlangen es die Gesetze meines Reiches." Sofort wurden Boten nach dem Kerker entsandt. Ach, es war schon zu spät; bereits in der Nacht zuvor war der Rabbi in den Thurm abgeführt worden. Die Prinzessin weinte still vor sich hin. Deborah aber zerraufte ihr Haar, zerfleischte mit den Nägeln ihr Antlitz und weinte laut und bitterlich. Wie wahnsinnig verließ sie den Palast. Was nun beginnen^ was nun beginnen? Deborah beschloß mit ihrem Gatten zu sterben. Dieselbe Todesart wollte auch sie erwählen. Sie wollte am Fuße des Hungerthurms zu Tode hungern. Sie ging hinaus vor das Thor der Stadt. In einer schrecklichen Einöde lag der furchtbare Thurm. Am Fuße desselben warf sie sich nieder und rief den Namen des geliebten Gatten. (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Zur Ruhn feine mes E du < mite z zur Ai Nothll lands Große, wie Hi T ehrtes zu Fri zu L o Wohlt daß sie Folge! Stettin nischen ohne di zu verk unausfr zu müss litt Verhält fachen l Solche denn we letzten < werböur Theils i rärer Ni die er bessere sollen. Mi Aufhebu Jude eii Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlaq der Le Ronx'schcn Hofbuchhandlung. — Dampf - Schnellpressendruck von I. Gottsleben in Mainz.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.