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Der Israelit · 1869-07-21 · Heft 29 (21.7.1869) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 29 (21.7.1869)
Date
1869-07-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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er müßte seine ganze bisherige ruhmreiche Thätigkeit verleugnen, so er nickt alle seine Kräfte aufbieten würde, um das Jnslebentreten der mehrerwähnten Beschlüsse zu verhindern. Kann ein Rabbi Jeremia Löw dazu schweigen, daß der Schulchan-aruch perhorrescirt wurde?*) Hat er doch stets so sehr geeifert gegen jede Abweichung von Schl. A.. selbst nach Re ch ts. Kann ein Rabbi Jeremia Löw damit zufrieden sein, daß «in L andes-Rabbinerseminar vom Schulfonde errichtet werde? War er doch einer derjenigen, die sich anno 61 „bis an die Stufen des Thrones wagten", um die Reali'irung des damaligen Seminarprojectes zu vereiteln. Und kann ein Rabbi Jeremia Löw damit einverstanden sein, daß dem durch mehrtausendjährige Erfahrung bestätigten Grundsatz: wro oy mx px Tinx hd’233 zuwider — das orthodoxe Juaenthum in Bezug auf Gemeinde und Schule mit den ihm widerstreitendsten Elementen 'zusammengeklammrt werde, um es in seinen Grundbestandiheilen zu zersetzen? Wer da glaubt, daß nur die Chassidim und die Culturfeinde Ursache haben, sich gegen die Congreßbescklüsse zu sträuben, der kennt die jüd. Verhältnisse in Ungarn nicht. Diese Beschlüsse werden der eigentlichen Cultur wenig nützen, und dem Chassidismus (wie ihn Herr M. H. aufsaßt) wenig schaden; der p"mn und dem Sch. A -Judenthum sind sie gefahrbringend, und darum haben sich 230 Rabbinen und über 700 Gemeinden vereinigt, um die drohende Gefahr abzuwenden. Sollten dennoch wider Erwarten, dieses verhäugnißvoll'e Congreßbeschlüsse, Gesetzeskraft erlangen und uns gewaltsam aufgezwungen werden, so werden wir einerseits in dem Bewußtsein, das Uusrige gethan zu haben, Beruhigung finden, andererseits aber werden wir, diese Beschlüsse, da aufgedrungen, als rmj betrachtend, der Hoffnung Raum geben können: m’n. — K. L. Feuilleton. Aas Licht der Diaspora. XIV. Stark wie der Tod ist die Liebe. Deborah vermied es nach wie vor, mit Melitta zu sprechen; ihr ganzes Sinnen war darauf gerichtet, ihren unglücklichen Gatten zu befreien. Sie ging in den kaiserlichen Palast, um sich Audienz bei der Prin- *) Der sonst so vorsichtige Präses des Congresses, Herr Dr. Hirschler, vergaß sich einmal in einem schwachen Augenblicke und äußerte sich vor einem orthodoxen Deputirten, daß der Sumlchan-Aruch für Polen wohl noch einige Geltung haben «rag, in Ungarn jedoch muß er außer Kraft treten!'.'. — Dies diene als Commentar zu den von seinen minder vorsichtigen Parteigenossen in den öffentlichen Sitzungen gefallenen Phrasen: .Der alte Schutt muß weggeräumt werden!" „Weg mit dem alten Plündert" rc. 868 zessin Theodora zu verschaffen; alle!'- die Wache» wiesen sie zurück. Sie eilte zu Roman k'r-gyropoluS; doch der wagte nicht, sich in diese Angelegenheit zu mischen und so dem mächtigen Eunuchen Johann entgegeuzutreien. Deborah suchte wiederum die Vorsteher der jüdischen Gemeinde auf. „Bedenket," sprach sie zu ihnen, „was mein Gatte für Euch gethan, wie er deS Kaisers große Belohnung zurückgewiesen, um Euch vor der Verbannung zu schützen! Jetzt ist er selbst in Gefahr, o rettet ihn." „„Wir Alle,"" entgegnete der Vorsteher, ein ehrwürdiger Greis, „„wükden gern unser Leben opfern, um das des edlen Rabbi Gerschom zu retten; doch was sollen wir thun?"" „Verschafft mir wenigstens Audienz bei der Prinzessin Theodora!" Die Vorsteher gaben sich alle Mühe, sie boten alle Mittel auf — es war Alles vergeblich. Selbst die Diener und Dieneriimen der Prinzessin konnten nicht erkauft werden. Sie Alle fürchteten den Zorn des Eunuchen Johann. Deborah stellte sich an den Eingang des Palastes, um abzuwarten, ob die Prinzessin das Haus verlassen würde und sich ihr dann zu Füßen zu werfen. Die Prinzessin aber verließ an diesem Tage den Palast nicht. Am folgenden Tage stand Deborah wieder auf ihrem Posterl; sie war diesmal glücklicher; die Prinzessin fuhr mit ihrer Mutter spazieren. Wohl rief Deborah in den Wagen hinein; doch dieser sauste an ihr vorüber; ihre Stimme verhallte ungehört. Ruhig wartete Deborah die Rückkehr der Prinzessin ab; sie hatte einen verzweifelten Entschluß gefaßt. Als der Wagen nach einer stunde zurückkehrte» warf sie sich vor die dahergaloppirenoen Pferde. Schon berührten sie fast die Husen der feurigen Rosse, als cs dem Kutscher gelang, dieselben zum Stehen zu bringen. Die Prinzessin beugte sich zum Wagen heraus. „Prinzessin," rief Deborah laut, „ ich bin das des Rabbi Ge'schom, Eures Lebensretters. Um Gotteswillen gebt mir Gehör! Das Leben meines Mannes ist in Gefahr." „Erhebt Euch, gute Frau," sprach buldvoll di« Prinzessin, „und kommet zu mir in den Palast!" „„Man läßt mich nicht vor Euch kommen, gnädigste Prinzessin!"" „ So steigt zu mir in den Wagen!" a)- Im Palaste angekommen, erzählte Deb)'^ Prinzessin Alles, was sich ereignet hatte; sie berichtete ihr von dem Berrathe Melittas und von den Ränken des Eunuchen Johann, was sie wußte. Ueber den Ring des Kaisers jedoch konnte sie keine Ans- . tunst geben.

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