Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1869)
- Date
- 1869-07-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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562 Gemeinden existiren; demnach müßte die Deputation, die bei unserem allergnädigsten König „im Namen von mehr als siebenhundert theils größern IheilS kleinern Gemeinden" um Verweigerung der allerhöchsten Sanctionirung der Congreß-Beschlüffe petitionirt hat, Se. Majestät mystistcirt haben, und müßte— die Hälfte der in ihren Händen befindlichen Vollmachten unecht sein. — Einer solchen vielleicht unabsichtlichen, aber darum nicht minder unerhörtenm’Do gegenüber kaltblütig zu schweigen, hieße alles jüdische, hieße alles Rechtsgefühl verleugnen. Wir suhlen uns daher zu einer, wenn auch nur kurzen Entgegnung verpflichtet, und hoffen, daß die löbl. Redaction d. Bl. die Aufnahme derselben nicht verweigern wird. Die Deduction des Herrn M. H. ist eine doppelte. Zum ersten geht er von der Voraussetzung aus. daß auf jeden Deputirten in der Provinz nicht mehr als ^zwei Gemeinden gerechnet werden können, wonach nach Abzug der auf die Greßgemeinden von zwei und darüber entfallenden Deputirten, das ganze Land unmöglich auch nur 400 jüdische Gemeinden zählen könne. Zum zweiten meint er, nachdem im Ganzen nur gegen 330 (orthodoxe?> Rabbinen da stnd, wie wäre es möglich, daß 370 Rabbinate im Vaterlande unbesetzt sein sollten. Nun was die zweite Annahme betrifft, so gestehen wir, daß darin wenigstens etwas — freilich hockst sonderbare — Logik liegt. Herr M. H. folgert nämlich, da in Einer Gemeinde in der Regel nur Ein Nabbinat ist, so kann ein Nabbinat sich auch nur auf das Gebiet einer einzigen Gemeinde erstrecken. Die erste Annahme aber ist eine rein willkürliche, nnd kann in keiner Weise gerechtfertigt werden. Doch wir wollen nicht recriminiren. Herr M. H. hat geirrt, und £rren ist menschlich. Da er aber erklärt hat, nur der reinen, unverfälschten Wahrheit zu dienen, woran wir um so weniger zu zweifeln Ursache haben, da dessen Wahrhaftigkeit von besonders „hervorragender Slite" der geehrten Redaction garantirt wurde, so hoffen wir, daß kr sich'ö zur Gcwisscnssache machen werde, über die faktische Zahl der isr. Gem. im Vaterlande genaue Daten zu sammeln, um dann bem ab) m x in diesen Blättern Rechnung tragend, der Wahrheit gerecht zu werden. Er wird sich dann überzeugen, wie viele Gemeinden auf ein Wanlodcr auf ein Rabbinatsbezirk zu rechnen sind. Der Rabbinatsbezirk tauch gewesener Wahlkreis), in welchem Schreiber dieser Zeilen seinen Wohnsitz hat, ist irn Verhä tniß zu seinen Nachbarbezirke,e von geringem Unffanae, nnd dennoch uiufaßt er außer einer bedeutenden Zahl sog. sünf, sage füns selbstständige von cinai.'der unabhängige Gemeinven, deren jede 'bre cultnellen und rituellen Einrichtungen (Synagoge, Mikwab, Echeebitah?c.) durch einen selbß gewählten Vorstand in autonomer Weise verwaltet, und deren jede ihre Chebra Kadischa hat. Der Umstand, daß sämmtliche Gemeinden eines Rabbinatssprengels von einer und derselben Person ihre religiösen Institutionen überwachen und die rabbinischen Functionen verrichten lassen, kann ihnen wrder ihre Existenzberechtigung noch ihre Selbstständigkeit streitig machen. Wir wiederholen es, wir erwarten es von der Wahrheitsliebe und Ehrenhaftigkeit des Herrn M. H., daß er sich inr Lande besser umsehen, und wie es einem Ehrenmanne ziemt, seinen Jrrthum berichtigen werde. Ferner behauptet Herr M. H.. daß der ehrw. Herr Rabbiner Jeremias Löw aus Ujhely mit seinem Vorgehen im Cougresse nicht den Eingebungen seines Gewissens gefolgt, sondern dem Einflüsse von Individuen zweifelhaften Characters sich gefügt, und zur Erhärtung dieser, den ehrw. Rabb. I. L. so kompromittirenden Behauptung, beruft er sich auf die Thatsache, daß derselbe neben den Verfassern des Peffak- Beth-Din, den er seinerzeit nicht unterschreiben w o llte, seinen Platz zu nehmen gezwungen war. — Wäre Herr M. H. mit der Situation, die zur Pessak Beth- Din-Zeit in Ostungarn geherrscht, nur einigermaßen vertraut, wäre ihm bekannt, welcher Energie, welcher Festigkeit es bedurfte, um den Anschluß an ren P.- B.-D. zu verweigern, rumal von Seiten eines Rabbi Iermia Löw, für dessen Unterschrift man fünfzig andere hingegeben hätte, er müßte selbst einsehen, wie lächerlich seine Behauptung ist, daß dieser charakterfeste Mann mit einem Male so alle Selbstständigkeit verloren, und sich gegen seine Ueberzeugungen von Andern bestimmen ließ. Wir geben eS zu, daß dieser ehrw Mann nicht aus bloßer Laune neben den Fhassidim, mit denen er nicht sympathisirt, seinen Platz im Congresse eingenommen, daß er also durch irgend einen Umstand genöthigt war, sich mit denselben zu vereinigen, aber dieser Umstand war kein anderer, konnte kein anderer sein, als die unabweisbare Nothwendigkeit, für den gemeinsamen Zweck gegen den gemeinsamen Gegner gemeinsam zu kämpfen; denn weichen auch die verschiedenen Richtungen innerhalb der Orthodoxie in mancken Specialiräten auseinander, in Bezug auf Erhaltung der sind alle cu-dnö 'J2 E'J'End eines Sinnes. Wir fragen aber, was denn den Herrn M. H' auch nur im Entferntesten zu der Vermuth' na veranlassen konnte, daß der Herr Oberrabb. I L. mit den Congreß-Bejch'nssen zufrieden sei,, da er so kühn behauptet, daß dieser H. Rabb. sich grundsätzlich von der Betheiligung an der Petition gegen diese Beschlüsse fern hielt? Wo findet er im ganzen Leben dieses ebrw. Rabb. auch nur einen einz'gen Schritt, der m t diesen Beschlüssen in Einklang gebracht werden körnte? Der «hrw. Herr I L. müßte vielmehr mit seiner ganzen Vergangen!eit brechen, wollte er sich den Congrcßkeschiüssen gegenüber passiv verhaltet-.