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Der Israelit · 1869-07-21 · Heft 29 (21.7.1869) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 29 (21.7.1869)
Date
1869-07-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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561 □ Nürnberg, im Juni. Die königl. Regierung hat der Vorstandschaft der. hiesigen iSrael. Cultus gemeinde den Auftrag zugehen lassen, „daß gemäß den gesetzlichen Bestimmungen über die Einrichtungen von jüdischen Gemeindeanstalten und in Bezug auf die Gemeinden selbst ein vorschriftmäßiges Ritualhad herzustellen sei". Auf dieß hin, sagt man, ist der bisherige erste CultusVorstand, Advokat vr. Frankenburger, dermalen Landtagsabgeordneter, welcher sehr der neologen Richtung huldigt, von der Administration zurückgetreten. Oesterreichischer Kaiserstaat. Lofchitz, (in Mähren.) Soeben erhalte ich die Nachrichten der politischen Blätter, die über die Leipziger Reformsynode referiren. Banger und bitterer Schmerz übermannt mich! Was wird, was soll aus dem Judenthum werden, wenn seine eigenen Rabbiner den Geist des Abfalls von Gott und Seinem heiligen Worte erregen? Wohin werden diese Bestrebungen führen? — Zu gleicher Zeit lese ich aber auch im „Israelit" die Botschaft, daß von Tag zu Tag mehr Hoffnung vorhanden ist, Herrn vr. Hildesheimer für Berlin zu gewinnen. Und da drängt es mich offen und ehrlich, wie ich cs gewohnt bin, meine Meinug über diesen Gegenstand auszusprechen, und mitzutheilen, welche Gedanken das gleichzeitige Lesen dieser beiden so verschiedenartigen Berichte in mir hervorgebracht hat. Ich hoffe, Sie werden, Verehrtester Herr Redacteur, Ihrem alten Mitarbeiter auch ein bescheidenes Plätzchen gönnen, über unsere „Herzensangelegenheiten" zu discutiren! Herr Dr. Hildesheimer muß und wird kommen! — Das ist das Erste, was ich beim Lesen seiner Berufung dachte. Wer da weiß, welche Freude das in den Kreisen aller Gesetzestreuen hervorgebracht hat, als wir lasen, daß die orthodoxe Partei iy Berlin so energisch und thatkräftig vorging, Herrn vr. H. an ihre Spitze zu berufen, der wird mir gewiß beiftkmmen. Wenn Herr Vr. Hildesheimer wirklich der Mann von so großartigem Character und edlen Eigenschaften ist, — und daß er cs ist, wer wird daran zweiflen — so wird er diesem Rufe Folge leisten. All die kleinen Bedenklichkeiten, die bei der Veränderung eines Wirkungskreises mitspielen, fallen hier weg. Materielle Verhältnisse, günstige Lage der gegenwärtigen Gemeinde, kurz Alles, was jeden anderen Rabbinen bestimmen könnte, zu zaudern, — — bei Herrn Vr. Hildesheimer fallt dies weg. Und weil Herr vr. H. Jahrzehnte hindurch für die Heranbildung von Rabbinern in einer so kleinen Gemeinde und unter so beschränkten Ortsverhältuissen so überaus segensreich gewirkt hat, und weil gerade in diesem Momente die ^Befürchtung nahetritt, daß irr Ungarn ein neologes Seminar gegründet werde, und Andere die Früchte genießen werden, die ein Hildesheimer ausgesäet hat, gerade darum hoffe ich, ja lebe ich der festen Ueberzeugung, daß Herr Vr. Hildesheimer die Gelegenheit sich nicht entgehen lassen wird, an die Spitze der orthodoxen Bewegung in Berlin zu treten. Auch Frankfurt war nicht sofort eine große Gemeinde. Da haben elf und in Mainz 17 Mitglieder die orthodoxe Genossenschaft begründet und in welcher nie geahnten Blüthe stehen diese Gemeinden jetzt da? Eine fromme und gebildete min und fn« auf ihre Fahne schreibende Gemeinde, eine diese Ziele verfolgende Unterrichlsanstatt nach Muster der bereits in Frankfurt und Mainz gegründeten, ein Rabbinerseminar, das an den Brüsten der Thora großgezogene Rabbiner den Gemeinden geben wird, diese großartigen Aufgaben harren nur-des vr. Hildesheimer. Es ist eine wackere strebsame Partei, diese orthodoxe Partei in Berlin, hoffen wir, daß es ihr gelingen wird, ihrem frisch begonnenen Werke die Krone aufzusetzen. — Und nun noch ein Wort an Herrn Vr. Hildesheimer! Verzeihen Sie es, ehrwürdiger Herr, wenn ich so anmaßend bin, Sie gewissermaßen zu diesem Schritte zu drängen und Ihrem gewiß weisen Entschlüsse vorgreifen zu wollen. Es geschah dies nur in der besten Absicht, dem orthodoxen Judenthume in Deutschland eine herrliche, günstige Zukunft zu prognosticiren. Vr. Gustav Karpeles. Aus Oberungarir Ende Juni. Die ungarische Orthodoxie, seit Jahren von ihren dem väterlichen Glauben untreu gewordenen Brüdern angefeindet, hat sich an die Verfolgungen und Begeiferungen von Seiten ihrer Gegner schon so gewöhnt, daß sie auch die animvsesten Auslassungen der heterodoxen Parteischriften kaum mehr beachtet, kaum mehr einer Entgegnung würdigt. Doch grundlose Beschuldigung und falsche Beurtheilung von da ausgegangen, woher man sie am wenigsten erwartet hätte, von einem treuen Verbündeten und Gesinnungsgenossen, ja von einem muthigen Vorkämpfer derselben, der mehr denn einmal mit seinen geübten Waffen für sie in die Schranken getreten, vom „Israelit" nämlich, das muß das echtjüdische Herz mit Wehmuth erfüllen, das darf nicht unerwidert bleiben. Hai schon die von Pesth datirte Correspondenz in Nr. 20 b. B. einen recht unangenehmen Eindruck auf uns gemacht, so mußte uns die in Nr. 25 von demselben Correspondenten gegen die Vertretung der ung. Ortbodoxie geschleuderte Denunciation aufs Aeußerste empören. Der erwähnte Correspondent, Herr M. H., sucht nämlich mit rechenmeifterischer Genialität nachzuweisen, daß in Ungarn und Siebenbürgen kaum etwa vierthalbhundert israel.

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