Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1869)
- Date
- 1869-07-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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560 zu einem Baufond geschenkt; derselbe gibt außer all dem Erwähnten einen jährlichen Beitrag von 500 l. St. (6000 Gulden.) Zu unserm Bedauern bemerkten wir, daß die hebr. Bibeln rc> in der Anstalt sämmtlich der Misstonsgesellschaft entnommen waren; wir haben dafür Sorge getragen, daß die orthodoxe isr. Bibelanstalt von nun an mit der Lieferung dieser Bücher betraut wird werden. Diese Anstalt ist ein wahrer Segen für die Juden Londons und ein Ruhmes-Denkmal für alle ihre Begründer, Wohlthäter und Leiter, namentlich aber für den ehrwürdigen Oberrabbiner, der durch seinen geistlichen Einfluß diese Anstalt auf ihre gegenwärtige Höhe gebracht hat und fortentwickelt; möge Gott seine Tage und Jahre in Kraft, Gesundheit und segensreicher Wirksamkeit verlängern man y^n’ o ny. — ZeitungsnaehrLchterr und Correspon denzen. Deutschland. Mainz, den 12. Juli. In Nr. 24 dieser Blätter haben wir dem Herrn Rabbiner vr. Cassel zu Schwerin a. d. W. einen Vorwurf daraus gemacht, daß er im vorigen Jahre Mitglied der Casseler Rabbiner-Versammlung gewesen und haben daraus Schlüsse auf dessen religiöse Richtung gezogen. Es freut uns heute unendlich, mittheilen zu können, daß diese Schlüsse unberechtigt waren. Herr Dr. C. hat zwar an den Berathungen jener Versammlung Theil genommen, hat aber gegen die Resultate derselben den hier folgenden Protest erlassen: „Meine Herren Collegen! „Als ich mich entschlossen, an der in Aussicht gestellten Rabbiner-Versammlung Theil zu nehmen, setzte ich mit Bestimmtheit voraus, daß die versammelten Rabbiner es sich zur Hauptaufgabe machen werden, mit vereinten Kräften dahin zu streben, den größten und gefährlichsten Feind des Judenthums, den religiösen Jndifferentismus, zu bekämpfen und vor Allem sich bemühen werden, Mittel und Wege aufzufinden, wodurch dieses große und heilige Ziel zu erreichen sei. „Es schmerzt mich, eS aussprechen zu müssen, daß ich mich in meiner Voraussetzung getäuscht sehe. Viele von den Anträgen, welche hier eingebracht worden sind, werden, wenn sie von der Versammlung durch Beschlüsse sanctionirt werden, nicht zur Bekämpfung des Jndifferentismus dienen, nicht die Begeisterung für die väterliche Religion Hervorrufen, sondern, ohne daß Sie es beabsichtigen, dem Unglauben Vorschub leisten. „Ich will nicht reden von den Aergernissen, die schon die gestellten Anträge einem großen Theile unserer Glaubens gemeinden bereiten werden. Ich will nicht reden von den Spaltungen, die Sie durch solche Beschlüsse in den Gemeinden Hervorrufen würden. Ich will nur das Eine, was mir das Wesentlichste zu sein scheint, hervorheben. Ich meine — unsere Berechtigung zu solchen Reformen. Nach meiner innersten Ueberzeugung muß ich von vornherein der Versammlung diese Berechtigung absprechen. „Was wollen Sie, wenn Sie heimkehren, Ihren Gemeinden antworten, wenn die Frage an Sie gerichtet wird: „Mit welchem Rechte dürfen Rabbiner, mm ’ja ,v'avn n’D^n Hand anlegen an Institutionen, die ausdrücklich in der hl. S. geboten sind? („Ohol") Ja, m. H., ich frage Sie, womit wollen Sie Ihre Berechtigung documentiren, nnm mr>vr<a .adi'd ,nsw ns’Vn in Frage stellen zu dürfen? Wie, weil es Viele unter unfern Glaubensgenossen gibt, die diese religiösen Satzungen als bindend für sich nicht anerkennen, daraus soll für Sie, die Wächter und Schirmer des Gesetzes, ein Grund entstehen, Gesetze zu beseitigen, oder willkürlich zu modificiren?" „M. H.! Denken Sie an das Schicksal der Rabbiner-Versammlungen in den vierziger Jahren. Warum scheiterten die Hoffnungen, die man aus sie gesetzt? Warum blieben ihre Bestrebungen ohne Resultat? Weil sie das Vertrauen der Gemeinden verloren! Glauben Sie mir, Sie würden sich ein gleiches Schicksal bereiten, wenn Sie in die Fußtapfen jener Versammlungen treten wollten. „M. H.! Ich möchte Ihnen das Wort eines Mannes in Erinnerung bringen, dessen Namen gewiß bei Ihnen Allen einen guten Klang hat. In dem Werke „die gottesdienstlichen Vorträge der Juden" Seite 475 sagt Zunz: „Nicht in Aeußerlichkeiten besteht die Reform (?), sondern in dem göttlichen Geiste der Frömmigkeit und der Erkenntniß. in dem Worte des Lehrers und Rabbiners, das voll ist dieses Geistes." „M. H.! Ich rufe Ihnen die Mahnung unserer Weisen zu Herzen: J mmiD nmn D’ddh Der Antrag, den Herr Dr. Cassel an die Versammlung stellte, lautete: „Die Rabbiner-Versammlung wolle beschließen in Gemeinschaft mit den Vorständen der Gemeinden bei der Kvmgl. Preuß. Regierung vorstellig zu werden, daß die Wochenmarkttage von Sonnabend aus einen Wochentag verlegt werden, wie dies in der Provinz Posen und vielen Städten der andern alten Provinzen der Fall ist." Auf diesen Antrag ist die Versammlung nicht eingegangen, weil sie der Meinung war, daß die zu thuenden Schritte vergeblich sein würden.