Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1869)
- Date
- 1869-07-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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559 keilen schlr cht gewählt, da in Leipzig eine Versammlung getagt hat, die, blendend durch Intelligenz und Mittel, eS sich zur Aufgabe gestellt bat, die Re'ig'o» der Väter zu zerstören. Solche Vorgänge mahnen mehr als alleö Andere zur Einigkeit und zur gemeinsamen Bekämpfung des gemeinsamen Feindes. Wir befinden unö gegenwärtig in den ersten Tagen des Monats Ab, in den Trauertagen um die Zerstörung des Heiligthums unseres Gottes, namentlich des zweiten Tempels. Soll die Hauptursache jenes großen National-Unglücks, soll c:ri k^rr,, grundloser Haß unter Brüdern, unter Bekennern desselben Glaubens, unter Männern derselben Richtung und Anschauung wieder um sich greisen und seine vernichtende Wirkung üben? Da sei Gott vor! London, seine Israel. Gemeinde und deren Institutionen. ii. London, 2. Zuli. Eine der merkwürdigsten Institutionen, wie sie ähnlich wohl nicht in der ganzen Welt gefunden wird, ist die jüdische Freischnle, Jews’ Free School. Dieselbe wird von 2550 Kindern, sage zweitausendsünfhnndkrtundfünfzig jüdischen Kindern und zwar von 45CO Knaben und 1050 Mädchen besucht; sie hat sieben Knaben - Klassen in 30 Abtheilungen und sieben Mädchen-Klassen in 22 Abtheilungen. Außer dem Directcr, Nr. Angel, der mit rühmen swerther Energie und Umsicht das Ganze leitet, unterrichten 30 Lehrer und 22 Lehrerinnen an der Anstalt. Die Kinder erhalten hier Unterricht, Schreibmaterialien, Bücher, Kleidung und die Aermsten auch Speise und Trank unentgeltlich. Man kann sich eine Vorstellung von der hier herrschenden Armuth machen, wenn man bedenkt, daß alle diese Kinder D”J>; Kinder der Armen sind; wenn man aber durch die! Dstticote-Dsne in der City geht, erblickt man ein jüdisches Proletariat, von dem man in Deutschland keine Ahnung hat; die Seelen-Zahl der jüdischen Arnu'n soll sich auf 10,000 belaufen. Zum größten Theile sind diese aus Polen und Holland hier eingewandert. Die K'nder dieser Unglücklichen nun koutiijcu zerlumpt, roh und schmutzig in die Freischnle; hier werden sie gewaschen, gekämmt und gekleidet; u»ck)iedestewcniger gewähren die unteren Klassen einen Ocun'gkn Anblick, allmäblick aber verschwindet die Nobbeil; der Unterricht und die Erziehung verfeinern die Citren, bis mau in den oberen Klassen junge kdontclmen und ladies findet, denen man eS nicht wehr ansteht, daß sie noch vor wenigen Zähren zerlumpte, schmutzige Kinder gewesen. Was diese Schule in den 52 Zähren ihres Bestehens Gutes und Großes geleistet hat, ist nicht mit Worten wiederzugeben. Tausende jüdischer Familien in London, England und den Colonien verdanken ihr Glück und Wohlstand. Die Schule wurde im Zahre 1817 gegründet und verdankt ihre Blüthe der Sorgfalt und Opferfreudigkeit des Barons Cohn, des Schwiegervaters von Sir Moses Montefiore und Baron Natan von Rothschild; auch diese beiden edlen Männer haben sich der Schule angenommen. Präsident ist gegenwärtig Baron Anthony v. Rothschild, Cassierer Mr. Alfred Davis, welcher sämmtliche Bücher für den Schulbedarf und für die Bibliothek aus eigenen Mitteln anschafft und der Anstalt schenkt- Für die Verwaltung der Anstalt sorgt eine ganze Reihe von Cemite's: ein allgemeines Comite, ein Bau-Comite, ein Erziehungs-Comits, ein Aufsichts-Comite, ein Damen-Comite, ein Prüfimgs- Comite u. s. w. Unter den Mitgliedern dieser verschiedenen Cvmite's findet man die Namen der Könige des Handels und der Fürsten der Börse, Rothschild, Montefiore, Bischofsheim, Worms, Baron Cohen, Baron Goldschmidt, Baron Stern re. und deren Frauen und Töchter. — Die Schul; kostet jährlich an baarem Gelde mehr als 60,000 st., und diese ganze Summe wird durch freiwillige Beiträge aufgebracht. Die Minderbefähigten werden in ihrem fünfzehnten Zahre entlassen, treten in ein Geschäft oder erlernen ein' Handwerk; die Befähigten werden bis zur Un'versilät vorbereitet, lernen dann Griechisch und Lateinisch, sowie die höheren jüdischen Wissenschaften privatim, wofür besondere Stipendien und Preise von der Anstalt vertheilt werden. Zu den ersten Lehrern der Schule gehören, Nr. Davis und Mr. Abrahams, Redacteur des Jewish Kecors. Mr. Davis nahm in unferm Beisein eine Prüfung in vor; die circa dreizehnjährigen Knaben übersetzten recht geläufig und kannten die hebräische Grammatik recht gründlich; auch in der jüdischen Geschichte wußten sie gut Bescheid. \ Zn der Anstalt selbst lernen die Knaben Pentateuch mit Mendelsohn's ->in\3 und d’jh aus dem "N. Die S chule gewinnt täglich an Ausdehnung; auö kleinen Anfängen ist sie so groß geworden; die Aufnahme in die Schule ist an keinerlei Bedingung geknüpft; seit ihrem Bestehen haben 12,300 Knaben und 6,700 Mädchen also im Ganzen 19,000 jüdische Kinder hier Unterricht und Erziehung genessen. Das Vermögen der Anstalt beläuft sich, die großartigen Gebäude derselben nicht eingeschlessen, auf circa 50,000 Pfund Sterling (600,000 Gulden!, die eine jährliche Rente von circa 1500 l. St. (18,000 fl ) abweifen. Der obenerwähnte Alfred Davis hat außerdem im verflossenen Zahre 6,0001 St. (72,000 st.)