Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1869-07-14 · Heft 28 (14.7.1869) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 28 (14.7.1869)
Date
1869-07-14
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447395-2447423--07404-2463003
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

552 tragen, weil vr. Lißner inzwischen als KreiSphystkuS nach Wreschen versetzt sei, und deßhalb nicht mehr bestätigt werden kann, daß eine Neuwahl angeordnet werde. — Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien. Der Kaiser von Oesterreich hat dem Beamten des hiesigen Großhandlungshauses S. M. v. Rothschild, Gustav Adolph Schuster, in Anerkennung seiner ersprießlichen Dienste im öffentlichen Interesse den goldenen Verdienstorden mit der Krone allergnädigst zu verleihen geruht. Wien, 1. Juli. „Gnädige Frau! Sie haben Ihr Geld verloren," sagte gestern Vormittags im Gebäude der Crebitanstalt eine alte, ärmlich aussehende Israelitin zur Baronin D., welche eben die Anstalt verlassen wollte. Zugleich überreichte sie der Baronin ein Paquet mit Werthzeichen. „Ich habe glücklicherweise mein Geld nicht verloren," erwiderte die Baronin, „aber wir werden den Fund dem Kassier übergeben, damit er das Geld dem gewiß sich meldenden Verlustträger einhändigen könne." Die beiden Frauen begaben sich zum Kassier und kaum hatte die Baronin denselben von dem Vorfälle verständigt, als ein junger Mann tvdtenbleich emherftürzte und hastig nach seinem Gelde frug, das er soeben verloren hatte: — es waren zwölftausend Gulden! Der Kassier stellte dem Derlustträger die beiden Frauen vor, bei denen er sich zu bedanken habe. Ueberglücklich, die Summe wieder erhalten haben, schenkte der junge Mann der armen Jüdin eine Staatsnote zu 50 fl. — und diese stürzte in der Ueberraschung, plötzlich so viel Geld erhalten zu haben, der Baronin dankbar zu Füßen! Also zwei Glückliche. Prag, 1. Juli. Gestern wurde der bisherige Director der hiesigen Landesirrenanstalt in den Ruhestand versetzt. Bis zur definitiven neuen Besetzung dieser Stelle hat sich der rühmlichst bekannte Psychiatriker, Herr vr. Fischel bereit erklärt, die Leitung der Irrenanstalt zu übernehmen, mit dem ausdrücklichen Vorbehalte jedoch, daß er sich um die definitive Anstellung nicht bewerben werde. Der Landesausschuß hat dem Herrn vr. Fischel ein Honorar von 15 fl. per Tag für die Zeit seiner Substitution angewiesen. Bekanntlich machte diesem großen Spezialisten das Festhalten an seinem Glauben zur Zeit des Bach'- schen Regimes, die Erreichung der Directorstelle in der Landesirrenanstalt unmöglich. Herr Vr. Fischel ist ein gediegener Character und die verkörperte Bescheidenheit. (Ggt.) Die hiesige Gemeindevertretung hat am 12. v. M. der hiesigen mittellosen israelitischen Gemeinde ein Grundstück zur Erweiterung ihres Friedhofes geschenkt. (Ggt.) Böstng. Wie man der „Pr. Z." berichtet, wurde von der k. Freistadt Bösing der Med. vr. Adolph Fried!er (iSrael. Confesston) mit absoluter Majorität zum Mitglied des Schulraths für das Preßbnrger Comitat gewählt. Die bei dieser Wahl obgewalteten confessionellen Bedenken einer Fraktion wurden glücklich überwunden, so daß also Bösing zu den wenigen Städten Ungarns gehört, die mit lobenswerter Vorurteilslosigkeit zur factischen Ausführung der confesstonellen Gleichberechtigung schreiten. Frankreich. StraHbirrg. Herr Alfted Terquem wurde als Professor der Physik an der Facultät in Straßburg ernannt. Ntaney. An der hiesigen Universität befindet sich als Professor ein Israelit Herr Cahen, noch nicht 24 Jahre alt, zählt aber unter seinen Schülern einen Zögling in einem Alter von 40 Jahren, welcher den Handelstand verließ, um die Rechte zu studiren. (Ggt.) Belgien. Brieg, 29. Juni. Die „Volksztg." meldet von hier: „Der hiesige Bürgermeister erklärte bei Vertheilung von Freistellen im Bürgerhospital, in dessen Gründungsurkunde es ausdrücklich heißt: „ohne Unterschied der Confesston," daß Juden und Dissidenten keinen Anspruch auf solche Stellen haben können, weil unter Confesston nur die katholische und evangelische Religion gemeint, daß daher Juden, Freireligiöse u. s. w. zu keiner Confesston gehören." England. London. Herr Joseph Lilienthal aus Jerusalem, ein geborner Amerikaner, unternahm vor mehreren Monaten die Reise von Palästina nach Amerika, um für die Armen des heiligen Landes Geld zu sammeln. Bei der Ueberfahrt von Liverpool nach New-Aork scheiterte das Schiff, auf welchem er sich befand und er kehrte mit einem anderen Schiff nach London zurück. Daselbst fast nackt und blos angekommen, da er seine sämmtlichen Habseligkeiten beim Schiffbruche verloren, beschloß er, die Reise nach Amerika aufzugeben und zu seiner Familie nach Jerusalem zurückzukehren. Aber es fehlten ihm die Mittel zur Bestreitung der Ueberfahrtskosten. Unbekannt in London, sah er sich daselbst nach einigen Glaubensgenossen, die ihm forthelfen würden, um, als er von einem unbekannten Herrn, dem er durch seine türkische Kleider ausgefallen war, i gefragt wurde, nach wem er sich umsehe. Herrn Lilienthal war es ein Leichtes, dem Manne feine traurige

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.