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Der Israelit · 1869-07-14 · Heft 28 (14.7.1869) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 28 (14.7.1869)
Date
1869-07-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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548 ihrer Brust entwinden wollte und der fie unfehlbar verrathen hätte. „Gott, gib mir Kraft!" betete sie in ihrem Herzen. „So sind wir denn am Ziele, Geliebter!" sprach Melitta zärtlich. "„Ja, wir sind am Ziele,"" entgegnete der Ritter sie umarmend, „,,o, Du bist ein Prachtweib! Du hättest sehen sollen, was der Jude für Augen machte, als er hörte, daß uns sein Geheimniß bekannt geworden und daß wir den Thron gewogen haben. Er war wie vernichtet und konnte kaum noch sprechen!"" „Wann wird er sterben?" „ „Ja, das dauert noch eine Zeitlang. Der Kaiser hat dem Schufte die unverdient Gnade erwiesen, daß er wie ein Staatsverbrecher in den Hungerthurm gesperrt werden soll."" „So wird es wohl noch einige Wochen währen müsien bis zu unserer Vermählung?" „„Bis zu unserer Vermählung? Ja, liebes Kind, ich fürchte, das wird so schnell nicht gehen. Ich muß morgen schon in den Krieg ziehen."" „So werde ich Dich begleiten!" „„Du wolltest Dich den Gefahren des KriegölebenS aussetzen?"" „Ich werde mich nicht mehr von Dir ttennen!" „„Höre, Melitta, es muß endlich klar werden zwischen uns. Mein Oheim, der Minister Johann, schickt Dir zum Lohne für die guten Dienste, die Du ihm geleistet, diese Börse; sie enthält 1000 goldene Dareiken. Aber in meine Vermählung mit Dir will er nicht willigen. Er hat große Pläne für meine Zukunft, die eine Heirath mit einer Jüdin vernichten würden."" „Und Du, was gedenkst Du zu thun?" „„Ich bin ganz von meinem Oheim abhängig und muß mich seinem Willen fügen."" „Michael, das könntest Du mir thun, Du könntest mich jetzt verlassen, nachdem ich Dir so große O)pfer gebracht, nachdem ich Deinethalben den besten Gatten dem Tode überliefert habe?" „„Es wird mir schwer, allein mein Oheim . . . „O, schweige, Du falscher Mann, von Deinem Oheim? Hast Du mir nicht gesagt, daß er in unsere Heirath willige?" „„Ja, aber jetzt hat er seine Ansicht geändert!"" „Ja, nachdem Ihr mich verleitet habt, Euren Zwecken zu dienen, meine Seele mit Verbrechen zu 'belasten! Michael, mein Geliebter, gedenke doch der vielen heiligen Schwüre, die Du mir geschworen!" „„Und wäre ich verpflichtet, einen Schwur Dir zu halten, die Du den eigenen Gatten verrathen hast?"" „Und daraus machst Du mir einen Vorwurf, um dessentwillen ich es einzig gethan?" „„Wohl, ich brauchte Dich, um diesen elenden Juden zu vernichten und deßhalb log ich Dir Liebe und schwur Dir Treue. Ja, vor zwei Jahren, als Du noch Jungfrau warst, da liebte ich Dich wirklich und verließ Dich nur auf den Befehl meines OheimS. Jetzt jedoch, nachdem ich Dein falsches Herz erkannt habe, da ich sah, wie bereit Du warst, Deinen Gatten zu opfern, ihn mit Lug und Trug zu bestricken, ihm Liebe zu heucheln, die Du nicht empsaudest, bloß um ihm sein Geheimniß zu entlocken, setzr liebe auch ich Dich nicht mehr. Du würdest Michael verrathen wie Du Gerschom verrathen hast!"" „Elender!" rief Melitta wüthend, „und das Alles sagst Du mir, um dessentwillen ich gesündigt habe! Wisse, Gottes Fluch wird Dich treffen, Deine falschen, tückischen Augen werden Dir ausgestochen werden und Du wirst dereinst als mit Schmach beladener Bettler Deine Schandthaten bereuen." „„Mich ängstigt Dein Auch nicht,"" entgegnete hohnlachend der Ritter, „„Deine Thaten sind schlimmer denn die meinen; und sollte ich des Augenlichtes beraubt werden, so müßtest Du den Tod des Verbrechers sterben. Hier nimm Dein Geld; Du bist reichlich damit bezahlt. Aber wisse, von heute an kenne ich Dich nicht mehr, wo Du mir auch begegnen magst." Bei diesen Worten warf er ihr die Börse in dm Schooß; Melitta nahm sie und warf sie nach ihm, ohne ihn zu tteffen; die Börse zerplatzte und die Goldstücke rollten in das Zimmer. „„Lies das Gold nur auf, mein Püppchen,"" rief Michael hohnlachend; „/es ist Alles, was Dir bleibt. Sonst kannst Du auch noch betteln gehen."" Nachdem er so gesprochen, entfernte er sich eilig. „Er hat Recht," sprach ttübe Melitta, „o, was habe ich gethan! Den edelsten Mann, der mich zärtlich liebte, habe ich in'e Verderben gestürzt und mein Herz an einen Schurken gehängt, der mich nunmehr verläßt. Und doch reut es mich nicht, daß ich den Rabbi los bin; es war so langweilig in seinem Hause! Ich werde das Gold nehmen, das mir die Mittel zu einem fröhlichen Leben verschaffen wird." Sie bückte sich dann, um die Goldstücke sorgfältig auszulesen. Deborah, die Alles gehört hatte, schauderte; sie konnte nicht begreifen, wie Jemand so schlecht, so herzlos wie Melitta sein konnte. Zu dem Haffe, den Deborah gegen daS verrätherische Weib empfunden, gesellte sich die tiefste Verachtung (Forts, f.) Hierzu eine Beilage. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hosbuchhandlung. — Dampf-Schnellprcfiendruck von I. Bottsleben In Mainz.

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