Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 28 (14.7.1869)
- Date
- 1869-07-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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544 cherr weiblichen Vereine ist. Einer seiner Söhne, Herr vr. Hermann Adler, fungirt schon selbstständig als Prediger der Da/owater-Gemeinde. Dieser junge Mann hat sich bereits durch seine literarische Thätigkeit einen ruhmvollen Namen erworben. Die Hauptsynagoge, welche der chief rabbi besucht, ist diejenige auf dem Duke’s place, die DukeSplacer Synagoge genannt. Wir haben dieselbe Freitag Abend besucht. In dem Vorstands-Sitzungssaale hängen die Bilder sämmtlicher Londoner Rabbinen seit der Neubegründung der Gemeinde. Die Synagoge ist sehr groß und schön; der Almemmor steht in der Mitte und auf ihm hat der Vorsänger seinen Platz. Es wurde andachtsvoll und weihevoll gebetet; zahlreiche, gutgeschulte „Mesch or rer im" unterstützten den Vorsänger; irgendwelche Neuerungen haben wir nicht wahrgenommen. Am Sabbat-Morgen besuchten wir die Synagoge des Jewish-College- Dies ist eine Schule zur Heranbildung von Rabbinen, Predigern, Vorsängern und Lehrern. In vier Elasten werden die jungen Leute für das eigentliche College vorbereitet. Director desselben ist der sehr gelehrte Herr vr. Friedländer; den 8iQ)-Unterricht ertheilt Herr vr. Hermann Adler. Gegenwärtig machen vier Zöglinge des College das Examen des Baccalaureats, das ungefähr unserer Maturitäts-Prüfung entspricht; nach dessen Zurücklegung können sie ihre Studien an der hiesigen Universität fortsetzen. Es gibt hier eine große Menge von Synagogen. Die Hauptgemeinde bilden die drei großen Synagogen: Dukes-Placer, Neu- (New-) Synagoge und Hambro’- (Hamburger) Synagoge, die wiederum ihre Tochter- Synagogen haben. Die New-Synagoge, vor 29 Jahren erbaut, ist die schönste. An der Hamburger Synagoge fungirt Rev. Mr. Gollanz, ein wegen seiner Frömmigkeit, seines biederen Characters und seiner Wohlthätigkeit allgemein geachteter Mann. An der Portland-Synagoge im Westende der Stadt fungirt Rev. Mi\ Green als Prediger; derselbe hat nach dem cbiek rabbi die bedeutendste Stelle, steht in hoher Achtung und soll ein vorzüglicher Redner sein; er ist ein 'geborener Engländer, spricht ein wunderschönes, elastisches Englisch und ist überhaupt ein sehr unterrichteter Mann. Der „Verein zur Verbreitung religiöser Kenntniß" ist von ihm in's Leben gerufen worden. Am Lritigb öluseuin, dem berühmten Sammelhause aller merkwürdigen Gegenstände, ist der auch in Deutschland rühmlichst bekannte Herr Zedner als einer der ersten Bibliothekare angestellt. Herr Zedner hat die jüdische Bibliothek im Rritisb Museum auf eine seltene Höhe und Vollständigkeit gebracht; dieselbe enthält mehr als 10,000 Werke; ein Schrank ist dem Rambam gewidmet, ein anderer Raschi, ein dritter den Teschuboth, ein vierter der jüd. Philosophie, ein fünfter der Kabalah, ein sechster oen Deraschoth und so fort. Es wird wenige jüdische Bücher geben, die hier fehlen. Unter den hebräischen Handschriften ist das Machsor Vitri und das grammatische Werk von Rabbi Menschem ben Seruk, den Raschi so häufig anführt, hervorzuheben. — Auch Herr Ör. Emanuel Deutsch, der unlängst ein Werk über den Talmud geschrieben, ist am Lrit. Nuseurn angestellt. — Von großem Interesse waren für uns die in Niniweh ausgegrabenen Denkmäler, die mit Keilinschriften übersäet, schon so Manches bestätigt haben, was unsere heiligen Schriften in anderer Weise als die griechischen Geschichtschreiber berichten; dSj;1? mp' lau. — (Forts, folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Aus Württemberg. Die vielfachen Agitationen und Petitionen der Israeliten des Landes um eine zeitgemäße Reform in ihrer EultusVerwaltung, hat von Seiten des K. Cultusministeriums eine entgegenkommende Antwort dadurch erhalten, daß die israelitische Oberkirchenbehörde mit der Ausarbeitung eines betreffenden Statuts beauftragt wurde. Nachdem solches erschienen war, wurde die Wahl von Delegirten angeordnet, um diesen das Statut zurAeußerung zu unterbreiten. In so weit wurde das Verfahren des K. Cultusministeriums mit voller Anerkennung entgegengenommen. Entschiedene Mißbilligung fand jedoch zunächst die angeordnete Wahl der Delegirten. Dieselben wurden nicht durch allgemeines Stimmrecht, sondern durch die Kirchenvorsteher der Rabbinatsbezirke gewählt. Es sollte dies wohl eine Nachahmung der Wahl zur protestantischen .Synode durch die Pfarrgemeinderäthe sein. Dieses beschränkte Wahlverfahren fand mit Recht um so mehr Anstand, da die Herren Kirchenvorsteher nicht gerade immer die wirklichen Repräsentanten der Mehrheit sind und ihre Wahl oft gerade in den größten Gemeinden des Landes auf einem Minimum von Stimmen beruht. Insbesondere aber wurde von den Landgemeinden mit größtem Mißfallen entgegengenommen, daß den Kirchenvorsteherämtern das Recht der Cooptation aus der Zahl der Domieilanten eingeräumt wurde, aus der Zahl der an ihrem Orte wohnhaften auswärts bürgerlichen Mitglieder der Gemeinde. Dieses gab den Kirchenvorsteher-Aemtern der größeren Gemeinden vorweg die Gelegenheit, sich eine Zahl Stimmen zu sichern, so daß die Landgemeinden ihnen gegenüber die Minderzahl bilden mußten und es daher vorzogen, statt sich einem Terrorismus zu unterwerfen, sich au der Wahl lieber nicht zu betheiligen. Dies geschah