Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 27 (7.7.1869)
- Date
- 1869-07-07
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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837 fort Glaubensgenossen besucht werde, und daß nicht, wie bisher, die meisten Juden daselbst nach Beendigung des Sabbatgottesdienstes durch Oeffnung ihre Geschäfte den Sabbat entweihen. — Italien. Florenz. Herr Luigi Luzzatti, der schon in seinem 26. Jahre als Professor an der Akademie zu Mailand und zwei Jahre später als Professor an der Universität zu Padua angestellt worden war, ist am 29. Mai zum General-Secretär im Handelsministerium ernannt worden. Spanien. Madrid. Frau Alice Rachel Salzedo von Bayonne wurde von der Gemahlin des französischen Gesandten zu Madrid zum Mitglied des Comitös der Wohlthatigkeitsgesellschaft dieser Stadt bestimmt. England. Southampton. Der Mayor hiesiger Stadt hat an einem Freitag Abend einen großen Ball, bei welchem 700 Gäste anwesend waren, gegeben. Mit Vergnügen können wir mittheilen, daß, obgleich viele und angesehene Juden hiesiger Stadt hierzu geladen waren, auch nicht ein Einziger von ihnen wegen des Sabbats den Ball besuchte. Birmingham. Herr Greenberg von Birmingham, von dem wir in einer der jüngsten Nummern eine amüsante Anecdote berichtet haben, ist, wie „Hamagid" schreibt, aus Rußland gebürtig. Derselbe hat sich in England ein bedeutendes Vermögen erworben, das er auf die beste Art anzuwenden versteht. Er sendet jährlich große Summen an seine Bekannten in seiner alten Heimath und hat besonders in diesem Jahre schon viel zur Linderung der Noth in Rußland beigetragen. ^eaiüeton. Km Uade-Aöerrteuer. Von Adolph Oster. Mit dem Ordnen meiner Briefe und Papiere belästigt, erinnere ich mich beim Anblick eines derselben eines, verflossenen Sommer während meines Aufenthalt tes in dem Badeorte Scheweningen, erlebten Abenteuers, welches, weil von jüdischem Interesse, ich mir erlaube den Lesern dieser geschätzten Blätter hiermit zu erzählen. Es war an einem heißen Augusttage, als ich meinen gewöhnlichen Spaziergang am Strande machte. Obschon noch früh, stand die Sonne bereits ziemlich hoch und vergoldete mit ihren feurigen Strahlen die ruhige, stille See. Es war ein herrlicher Anblick, und um denselben besser genießen zu können, blieb ich einen Augenblick stehen. Ich dachte, wie ist doch diese Ruhe und Glätte der See nur eine Larve, hinter welcher Erregtheit und Wuth sich verbergen, denn wie lange noch und sie erwacht aus diesem Schlummer und schleudert erbost ihre Wellen an's User, hebt das leichte Schiff thurnchoch. um es gleich daraus iu bodenlose Tiefe hmabzuziehen. Indem ich so in Gedanken versunken dastand, hatte sich mir eine Dame genähert, deren ruhige, freundliche Züge auch nickt, wie ich später merkte, der Ausdruck ihres wahren Charakters, sondern nur zum Scheine so waren, Andere damit zu täuschen. Sie grüßte mich sreuirdlich und, indem wir zusammen den Strand weiter hinausgingen, knüpfte ich, durch ihr freundliches Benehmen angezogen, eine leichte Unterhaltung mit ihr an. Bald wußten wir gegenseitig unsere Heimath, den Grund unseres Hierseins u. dgl., als mit einem Male Lurch eine Frage seitens der Dame unsere Unterhaltung eine andere Wendung nahm. „Gehen Sie des Samstags auch in die neue katholische Kirche im Haag?" trug sie mich und erwartete, mich aufmerksam betrachtend/ meine Antwort. „Nein." antwortete ich, „ich bin Israelit und gehe nur in die Synagoge." „So." sagte sie. wie es schien überrascht, „also sind Sie Jude, nein, das hätte ich Ihnen nicht angesehen. nun dann sind Sic auch ein guter Jude." „Was man ist, muß man recht sein," erwiderte ick, „Sie sind gewiß auch eine gute Christin." Meine Antwort überhörend, fuhr sie fort, „dann glauben Sie auch wohl nicht, daß der Messias und zwar in der Person des Stifters unserer Religion schon gekommen 4" „Nein, durchaus nicht," antwortete ich bestimmt, „und kann es nicht glauben, weil die in den heiligen Schriften angegebenen Zeichen, die mit dem Eintreffen des Messias Zusammenhängen, noch gar nicht eingetroffen find." „So," entgegnete sic, „es steht doch so deutlich in Ihrer Bibel, daß das jüdische Reich aufhören wird, die Israeliten in der ganzen Welt zerstreut werden, bafc dann ein Mann geboren wird, der einen andern Glauben stiften, zu dem sich alle Völker bekennen werden, und dann." fuhr sie fort, und dabei blickte sie so andächtig in ihren himmelblauen Sonnenschirm hinein.