Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 27 (7.7.1869)
- Date
- 1869-07-07
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447395-2447422--07387-2462985- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
536 zum Kampfe und zur Feindschaft zu reizen. — Das Judenthum hat zwar keine Ursache, vor dieser, mit hoher Posaune sich ankündigenden, die Rechtgläubigen erschüttern wollende, aber trotzdem sich doch nur kleinlich gebührende Synode sich zu fürchten. Oft schon haben Berge gekreist, und nur eine MauS ist geboren worden. Aber trotzdem können wir doch nicht ohne tiefes Schmerzgefühl über das Erscheinen dieser in unserer eigenen Dritte auftauchenden Versammlung bleiben, und zwar sowohl um derer willen, die ein so wohl berechnetes Netz auszubreiten sich Mühe geben, als auch derer, die, ohne baß sie es ahnen, in ihr eigenes, von ihnen selbst bereitetes Grab stürzen: D'J7^32 miMtDl D'J/nD Hin DJ/H ntfMO l'.l'l (Ies. 9, 15.) „Die Führer dieses Volkes werden ihre Verführer und die Geleiteten gehen zu Grunde." Und sollte daher nicht des wahren, für sein Volk und seinen Glauben erglühten Israeliten Herz bluten, wenn, was Gott verhüten möge, aber doch vom Propheten als eine unausbleibliche Folge geweissagt worden ist, der Nachsatz obigen Verses in Erfüllung gehen sollte? Es ist immer eine betrübende Erscheinung, irrende Menschen von ihrem Irrthum nicht heilen zu können, und sie voraussichtlich ihrem Unglücke entgegeneilen zu wisien, zumal Personen, die vermöge ihrer Kenntnisie, Stellung und ihres Einstusses viel des Guten und Ersprießlichen zu leisten im Stande waren, wenn ste nur weniger Anmaßung und Selbstüberschätzung besäßen und namentlich nicht so glaubensarm wären. Stiegen diese Herren Reformatoren nur einige Stufen von der Höhe ihrer eigenen Vernunftvergötterung herunter und würden sie mit mehr Liebe, Innigkeit und Pietät das Wort Gottes umarmen: wahrlich, sie würden es unter einer ganz andern Gestalt erblicken, als es sich jetzt ihnen durch die Brille ihrer Aufgeblasenheit und Scheinkritik darstellt. Hier heißt es (Hosea Schluß). „Wer weise ist, wird es einsehen, wer vernünftig, wird eS wissen, daß gerade sind die Wege Gottes, die Gerechten wandeln glücklich durch sie, aber die Frevler straucheln durch sie!" — Hamburg Eine neue Vorschußanstalt „Vertrauenscasse" ist von Herrn Jacob Meyer Hierselbst gegründet. Derselbe errichtete schon vor mehreren Jahren eine Pensionsstiftung für Lehrer, die er mit einem Capital von Bco.-M. 20,000 dotirte, und gibt nunmehr wiederum einen glänzenden Beweis seines WohlthätigkeitssinneS, indem er eine Summe von Bco.-M. 25,000 zur Gründung der „Vertrauenscaffe" bestimmt hat. Dieselbe ertheilt Vorschüsse im Betrage von 100 bis 500 Crt. M. und zwar ohne Bürgschaft oder Stellung sonstiger Sicherheit an solche Personen, welche sich der Verwaltung durch ein Zeugniß bekannter und achtbarer Persönlichkeiten als vertrauenswürdig auöweisen. Die Bestimmung, Vorschüsse ohne Sicherheit zu gewähren, weicht von den Principien aller hiesigen Vorschußanstalten ab, die bekanntlich Darlehen nur gegen Bürgschaft bewilligen. Die Rückzahlung der Vorschüsse geschieht innerhalb vier Jahre in sechs Terminen gegen 4 pCt. Zinsen jährlich, deren Ertrag die Kosten der Verwaltung zu decken bestimmt ist. Im Fall, daß sich durch Verlust des halben Grundkapitals das Institut nicht als lebensfähig erweisen würde, soll der Rest des Capitals an andere, in den Statuten bezeichnete Anstalten, welche Vorschüsse gegen Bürgschaft geben, ausgezahlt und die „Vertrauenscaffe" aufgelöst werden. Hoffentlich wird bei dem bewährten Sinn für Rechtlichkeit, der die hamburgische Bevölkerung durchdringt, dieser letztbezeichnete Fall nie eintreten. — Die Verwaltung besteht aus den Herren Ad. Alexander, vr. zur. I. Braband, Dr. Ferd. Gobert, Wilh. Lazarus, Louis S. Levy, Siegmund Meyer, H. N. Plambeck, H Salzkorn und Angelus Steinhardt. Die alljährlich zweimal vorzunehmende Austheilung von Vorschüssen wird schon mit dem 1. October d. I. beginnen. Hamburg. Der Bazar für die nothleidenden Juden in Polen und Rußland hat, laut veröffentlichter von den Herren Louis S. Levy und David Rüben Unterzeichneter Abrechnung, einen Reinertrag von Crt. M. 22,024. 11 Sch. ergeben. Diese Summe ist, wie das Damen-Comitö mittheilt, an die HilfS- Comitöö in Memel, Lyck und Königberg eingesandt, mit der Weisung, Nothleidende jedweder Confession zu berücksichtigen. — Eine hunderjährige Greisin, FrauGietel Cohn, verstarb unlängst im Allgemeinen Krankenhause. Die Verstorbene wohnte lange Zeit im Gumpel-Stift in der Schlachterstraße, wo sie ihren Nachbaren Geschichten aus alter Zeit erzählte. Kiel, 16. Juni. Die Erbauung einer jüdischen Synagoge ist von der hiesigen Iudengemeinde schon seit einem Jahre mit vielem Eifer angestrebt worden. Die Gemeinde ist klein (ca. 30 Familien) und arm. Sie hat sich daher an ihre Mitbürger und an auswärtige wohlthätige GlaubenSgnossen um Unterstützung gewandt und so viele Beiträge erhalten, um zum Neubau schreiten zu können, freilich immer noch nicht genug, um den Bau vollenden zu können. Das von der Gemeinde erworbene Grundstück liegt in der Haßstraße. Heute konnte der Grundstein gelegt werden. Zu dieser Weihe waren Magistrat und Stadtdeputirte vorgeladen, und mit ihnen die Gemeinde und viele andere Einwohner auf dem Bauplatze versammelt. Herr Lehrer Levi hielt eine Anrede und sprach das Gebet, der Bürgermeister antwortete. In dem Hause wird außer der Synagoge im zweiten Stock: ein Frauenbad, eine Schule und eine Lehrerwohnung eingerichtet werden. Um diesen Bau hat sich besonders Herr Lehrer Levy verdient gemacht. Wünschen wir nur, daß die neue Synagoge auch oft von