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Der Israelit · 1869-07-07 · Heft 27 (7.7.1869) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 27 (7.7.1869)
Date
1869-07-07
Page
– (sequence 14)
Language
German
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5sa '„wie könnten wir sündigen, lasterhaften Menschen einst vor Gottes Thron hintreten und zur ewigen Seligkeit emgchen, wenn nicht Einer für uns gestorben wäre, der durch seinen Tod alle unsere Schuld und Vergehen auf sich genommen." Hierauf citirte sie mit genauer Angabe der Kapitel und Verse eine Masse jener aus dem Zusammenhang herausgerissenen v'pDv, die gewöhnlich von den Christels zum Beweis und zur Kräftigung ihres Glaubens angeführt werden. Ich hatte nur zufällig vor einiger Zeit das vortreffliche tuidk snn 'd, in der von Herrn Rav. Deutsch in Sohra:: mit.deutscher Uebersetzung besorgten Allsgabe angeschafft und mir so ziemlich die Entgegnungen jener Beweise zu eigen gemacht, was mir jetzt sehr zu Statten kann Ich antwortete der Dame, „daß allerdings ein Messias konimen wird, daß aber alsdann Friede zwischen allen Vollem und kein Krieg mehr will wird, und die Bewohner der ganzen Erde nur ein eil Gott anerkennen werden. — Dies sei aber Alles noch nicht eingetrofsen und," sagte ich, „sollten denn vor bcm Tode des Stifters Ihrer Religion keine Menschen, weder die Patriarchen, noch unsere großen Propheten, zur ewigen Seligkeit eingegangen, sein d" Unter ähnlichem Gespräche waren wir bis an's Kurhaus gekommen Ulld da meine Begleiterin sah, daß ihre Beweise mich heute noch nicht überzeugen wollten, frug sie: „Kommen Sie wieder an den Strand f‘ Ich erwiderte, daß sie mich jeden Morgen am Strande treffen könne. „Gut," sagte sie. „dann werde ich Ihnen morgen ein Buch milbringen und ich bin überzeugt, daß Sie, wenn Sie dasselbe durchgelesen, von unserem Glauben und seinem Stifter anderer Ansicht werden." Darauf reichte sie mir ihre Hand zum Abschied lind war eilig unter den übrigen Fremden verschwunden. Wenil auch die Dame mit ihrem ruhigen, freundlichen Wesen mich wenig interessirte, so fing doch die Sache an, für mich Reiz zu bekommen, und schon früh am anderen Morgen war ich am Strande, um meine Bekannte zu erwarten. Als ich mich der Stelle näherte, wo wir uns gestern getroffen, sah ich schon den blauen Sonnenschirm, den mir die Dame als ein Zeichen ihrer Anwesenheit entgegenhielt. Ich ging zu ihr hin, wünschte ihr einen guten Morgen und sagte, daß ich mich freue, sie wieder hier zu sehen. Mit einer feierlichen Ansprache und himnielwärts gerichteterr Augen übergab sie mir alsdalln einen Bogen Papier, auf den sie mit höchsteigener Hand solch liberzeugende Beweise für ihren Glauben geschrieben habe, daß, wenn ich solche aufmerksam durchgetesen, sicher anderer Meinung werden müsse. Ich nahm das Blatt und dankte ihr für ihre, wenn auch vergebliche Mühe, da ich alle diese Beweise widerleger: wollte. „Das wollen wir sehen," sagte sie, und begann urir von den ausgeschriebenen Stellen aus Jesaias und den Psalmen einige borzulesen. „Was könr:en Sie hierauf erwidernd" Nachdem ich diese Verse, als sich gar rächt auf einen Messias beziehend, erklärt hatte, schier: die Dame nicht mehr Lust gehabt zu haben, dies Examen fortzusetzeu und sagte, indem sie sich entschuldigte , die für sie so angenehme Unterhaltung für jetzt abbrechen zu müssen, „lesen Sie die hier ausgeschriebener: Steller: oft und aufmerksam durch, und ich bin fest überzeugt, Sie werden am Ende doch eines Besseren belehrt werden." Noch ein freundlicher Gruß und die Danre war verschwunden. Ja, oft habe ich dies Blatt Papier durchgetesen und Nlich immer mehr überzeugt, wie unhaltbar die darin angeführten Behauptnrrger: sind. Wie originell aber eirüge dieser Stellen sind, in Bezug auf das, was sie beweisen sollen, davon möge sich der freundliche Leser auch überzeugen. Zum Beweise dafür, daß Gott den Stifter der christlicher: Religion drei Tage nach seinem Tode habe auflebeu lassen, wird angeführt: Jona 2, 11. Und der Ewige sprach zurr: Fisch und er spie der: Jonas auf das Trockene. Zun: Beweise dafür, daß seine Gebeine nie profanirt werder: dürfen, wird angeführt Exodus 12, 46: In einen: Hause soll es gegessen werden, du sollst nichts von den: Fleische aus den: Hause bringen auf die Straße und kein Knochen daran zerbrechen. Meine Bekehrerin aber habe ich nicht wiedergesehen und nur noch gehört, daß sie die Frau eines protestantischer: Geistlichen und während der Bade-Saison zugleich Missionärin sei. — ANZEIGEN. te Lehrer- und Cantorstelle ist pro 1. September bei der israelischen Gemeinde zu Euskirchen vacant. Bewerber (unverheirathet) wollen sich unter Beifügung ihrer Zeugnisse franco an den Vorstand wenden. ie hiesige Religionslehrerstelle, verbunden mit einem jährlichen Fixum von 300 Thlr., wird zum 1. October c. vacant. Geeignete Bewerber wollen, unter Einreichung ihrer etwaigen Zeugnisse, ihre Anmeldungen dem Unterzeichneten Vorstand einsenden. Neustettin, im Juni 1869. Der Vorstand W. Löw.

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