Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 27 (7.7.1869)
- Date
- 1869-07-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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630 Ruhe für eure Seele." Also sehen d. h. selbst prüfen, und fragen d. h. Belehrung annehmen von den Alten sollten wir, sollten als Kinder der vergangenen, als Väter der kommenden Geschlechter das Alte rnit dem Neuen verbinden rc. rc. Gewiß ein ganz Vegränztes und bestimmtes Glaubensbekenntniß! Ein solches kann jeder, der Ultrareformer wie der Hypervrthodoxe unterschreiben, da es nichtssagend ist und freilich auch nur deßhalb zur ganzen Predigt paßte. Am kommenden y'j/a"n na» soll wieder Einer predigen, wenn wir genau unterrichtet sind, ein gewisser Dr. Ungerländer aus Ravicz, dem die eigene Gemeinde vor nicht langer Zeit die n&nin entzogen haben soll und von dem ein Correspondent der allg. Z. des I. entschieden behauptet, daß er an der dortigen ausschließlich jüdischen Schule den Religionsunterricht ganz habe zerfallen lassen. Was wir zu einem solchen Treiben sagen sollen, wissen wir nicht. Aber unbegreiflich scheint es, wie die Vorstandsmitglieder, die in menschlicher und bürgerlicher Beziehung des besten Namens sich erfreuen, als „Neligionsoberhäupter" (wie sie Dr. Levy bezeichnet^) so wenig gewissenhaft handeln können. Berufet für euch, wen ihr wollet, suchet als euern Rabbiner den größten Gelehrten, Redner und Reformer heraus; aber lasset auch der anderen Partei aufrichtig ihr Recht widerfahren, gebet auch ihr einen Mann von bekanntem Rufe, wie er einer Gemeinde wie Berlin angemessen ist. Oder wollet ihr — und auch das wird euch Niemand verüblen, — nicht selbst einen Rabbiner anstellen, der euren Anschauungen geradezu entgegen steht, so überlasset den Gesetzestreuen selbst die Wahl und berufet dann, als deren gesetzliche Vertreter, den Mann ihrer Wünsche, und so handelt ihr, wie es Männern v^n Ehre geziemt. Und die orthodoxe Partei ist über ihren Candi- Daten schon einig; es ist Or. Hildesheimer. Wird er nicht von der Gesammtgemeinde berufen, so wird er doch kommen, es wird sich eine Extra-Gemeinde bilden, und wer dann die Trennung hervorgerufen, kann keine Frage mehr sein. Frankreich. Daris. Dieser Tage wurde in Paris an Rechtsgebühren für das in direkter Linie vererbte bewegliche und unbewegliche Vermögen im Seine-Departement des verstorbenen Baron Rothschild die Summe von 1,643,000 Fr. bezahlt. Palästina. Zu Jaffa soll jetzt an der Stelle, wo 1866 die Amerikaner eine Colonisirung versuchten, eine deutsche Ansiedlung begründet werden. Christoph Hofs mann» Gründer der Tempelgemeinde zu Kirschenhardthof \n Württemberg, ist zu diesem Zwecke vor einigen Monaten dort eingetroffen, und soll nun der Versuch einer Colonisation Palästina's überhaupt unter der einheitlichen Leitung des „Ausschusses der Aeltesten des Tempels" (!) betrieben werden. Die neue deutsche Colonie in Jaffa besteht vorerst aus 33 Köpfen und befindet sich bereits im Besitz von fünf Gebäuden. Zunächst auf Gewerbsthätigkeit angewiesen, soll sich später an diese Niederlassung eine Ackerbaucolonie in Haifa (ns'N), am Fuße des Carmel, anschließen. Amerika. Adew-Bork, 3. Juni. Ihr geschätztes Blatts welches mit vollem Ernste alle wahre jüdisch-religiöse Angelegenheiten zu verbreiten sucht, wird auch in unserem Talmud-Thora-Verein mit großem Vergnügen gelesen. Unser Talmud-Thora-Verein, der kaum vor einem Jahre durch das Bemühen des Herrn LazaruS Löb ins Leben gerufen wurde, hat es in der kurzen Zeit m. G. H. durch das Zusammenwirken seiner Mitglieder dahin gebracht, daß nicht nur jeden Morgen und Abend in dem dazu bestimmten Lokale (»mon n*a) Gottesdienst abgehalten und Thora gelernt wird, sondern auch daß nach Vorschrift n»npn uvnim koscheres Fleisch, was hier leider zu den Seltenheiten gehört, zu haben ist. Ebenso hat auch genannter Verein dahin gewirkt, daß am verflossenen Peßach das Mehl und die daraus gebackenen roso unter strenger Aufsicht verfertigt wurden. Am verflossenen nipa» hat genannter Verein ein neues iDn"m jarTa sowie die von einem Mitglieds gespendete rmn icd eingeweiht. Herr Lob hat in seiner Rede bei dieser Einweihung trefflich nachgewiesen, wie nothwendig es ist in unserer Zeit, wo die neologen Rabbinen dahin streben, alles" echt Jüdische zu vernichten, daß die dem Gesetze treu gebliebenen Israeliten um so mehr Zusammenwirken, p'innb n»npn uvron; dann wird dieser Tag ein wahrer;nv min (in dem Sinne von V?api iv'p.) Möge der Allmächtige Seinen Segen geben, daß genannter Verein noch größere Fortschritte in seinen heiligen Unternehmungen machen. Feuilleton. Aas «Licht der Araspora. XI. Das Todesurtheil. Drei Tage nach den erzählten Ereignissen wurde Rabbi Gerschom verhaftet und in den Kerker gewor-