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Der Israelit · 1869-07-07 · Heft 27 (7.7.1869) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 27 (7.7.1869)
Date
1869-07-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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529 Larrpheim. Am 20. d. M. wurde von den Mitgliedern der Kirchenvorsteherämter der Israeliten in Laupheim und Ulm der Delegirte zur Berathung der neuen Kirchenverfassnng der Israeliten gewählt. AuS der Wahlurne ging hervor Herr Procurator H e ß in Ulm und als Stellvertreter Herr Nechtsanwalt Heumann. Da aber Herr Procurator Heß auch in Stuttgart gewählt wurde und dort annimmt, so ist Herr Heumann hier als gewählt zu betrachten. Von den 12 Delegirten sind 11 Wahlen bekannt. Dieselben fielen 4 auf Rabbiner, 4 auf Advocaten, 2 auf Lehrer und 1 aus einen Kaufmann. N. Z. Berlin, am 14. Tamus. Abermals müssen wir mit der Berichtigung eines Mißverständnisses beginnen. Wie ein gerötheter Himmelsstreifen dem in der Nähe sich Befindlichen als das erscheint, was er ist, als einfaches Phänomen, während der Beobachter eine Stadt in Flammen wähnt und vom aufsteigenden Feuer den Himmel sich geröthet denkt; so müssen, nach mündlichen Berichten, unsere Schilderungen im „Israelit" bei vielen Auswärtigen die Meinung hervorgerufen haben, als ob Berlin i"n eine nrnm *vy sei. So kam beispielsweise dieser Tage ein frommer vrmo zugereist, um, wenn es noch einige Fromme hier gäbe, für diese die noin» zu besorgen. Es lag uns Nichts ferner als der Gedanke, alle hiesigen Fleisch- Händler und deren D»ömay, von denen einige in dem besten Rufe als ganz ehrliche, fromme D'"irp stehen, für irreligiös und dem Iudenthume entfremdet zu erklären. Vielmehr wollten wir nur unserm Staunen und der Entrüstung Ausdruck verleihen, wie fromme oder fromm-scin-wollende Fleischhändler so inconsequent sein können, einem Manne wie Aub, der durch Wort und That die Göttlichkeit der Thora leugnet und sich dadurch außerhalb des Iudenthums stellt, ihre Schächter zur Prüfung und Aussicht zu unterstellen, und wie diese D'anw nicht so viel Muth und Gottvertrauen besitzen, ihren Auftraggebern zu erklären: wir können, und sei eö auch nur pro forma, die Aufsicht eines solchen Mannes uns nicht gefallen lassen, uno wir legen, wenn eS nicht anders sein kann, lieber unsere Stellen nieder. Aber das ist eS eben, was hier fehlt. Trotz der überwiegenden Reologie der Gemeinde, gibt es G. s. D. noch eine große Zahl aufrichtiger, ehrlicher Gesetzestreuen, aber fast keiner hat den Mulh, für feine Ueberzengnng, die er int Süllen, in seiner Häuslichkeit betbätigt, auch öffentlich aufzutreten und einzustehen, fast keiner den Willen für diese seine Ueberzeugung diejenigen Opfer zu bringen, die unsere Väter im größten Maßstabe zu allen Zeiten gebracht und die noch heute in vielen anderen Släoten die Orthodoxen zu bringen bereit sind. Und fand bisher wirklich ein Mat eine öffentlihe Kundgebung statt, geschahen Schritte für Erhatlung unseres Glaubens, dann standen mit an der Spitze Männer, die das gerade Gegentheil der eben geschilderten sind, die Ut ihrem Leben, in ihrer Häuslichkeit wenig bester find, als die von ihnen bekämpften und sich nur dadurch von jenen unterscheiden, daß sie für Andere daS Gute wollen, auf das sie für ihre Person verzichten. Wir sind abermals weit entfernt von dem Gedanken, daß diese Männer zurückzustoßen und fernzuhalten seien, aber constanren müsten wir, daß diese Halbheit, indem die Einen für die Gcsammtheit und nicht für sich besorgt sind und die Anderen nur für sich und nicht für die Gcsammtheit etwas leisten, daß der Mangel ganzer Männer den Zustand Berlins herbeigeführt hat, in dem es sich jetzt befindet und aus dem es durch vr. Hildesheimer hoffentlich herausgerissen wird. Unsere reformistische Gegenpartei mit dem Vorstande an der Spitze kennt diesen Zustand sehr wohl und wagt darum den Gesetzestreuen Dinge zu bieten, die in andern Gemeinden wahrhaften Sturm Hervorrufen würden. Man gibt vor, einen orthodoxen Rabbiner anstellen zu wollen, bcrnft aber Männer zur Probe predigt, die nicht als orthodox bekannt sind. Am vergangenen rat£/ predigte Dr. Levy aus Breslau. — Was wir schon im vorigen Artikel bemerkt, müssen wir hier wiederholen: Wir haben es nicht mit dem Candidaten zu thnn; es thnt uns vielmehr leid, einen unganz unbekannten Mmn, von dem wir nur soviel wissen, daß er sich nicht als Candidat der orthodoxen Partei geriren dürfe, angreifen zu müssm; wir haben es wiederum nur mit dem Vorstande zu thun, dev UNS folch.'S zu bieten wagt, mit den Orthodoxen, die sich solches bieten lasten und sich dieses Gaukelspiel des Vorstandes nicht ernstlich verbitten. — Astdie Predigt. Ja, diese Predigt war die schlechteste, die wir je gehört und die man gar nicht krilistren kann, da sie unter aller Kritik war. M an sollte kaum glauben, daß ein gebildeter, wie Einige behaupteten, sogar rechgelehrter Mann mit so trivialem, langweiligem Geschwä'z eine Gemeinde, der er so viel Schmeicheleien inS Gesicht sagt, nahezu eine Stunde lang zu ennuyiren vermag, ohne auch nur einen einzigen, neuen Gedanken zu sagen oder einen von den vielen, beigebrachten Versen un) Midraschim hübsch zu. erklären. Uud das noch vorgetragen mit einem Organe, das »ich zu Allem eher eignet als zum Predigen. Hätte der M um nicht so gar laut gesprochen, wahrlich es wäre Allen ergangen, wie es Einigen in der T'aat ernng die in süßen Schlaf versanken. Wir wissen nicht, ob der Herr ein Lehrer ist, aber den Eindruck hat die fade Moralrcde aus uns hervorgebracht, als »fr wir in einem schwülen Sch'llzimmer vor einem alten Magister sägen Uud sein Glaubensbekenntnis! Er hatte als Text dm 16. VerS des 6. Kap. in Ferem jahr „So spricht Gott, stellet euch auf die Wege un) sehet uno fraget nach deu Psaven ver Vorzeit, welcher Weg der gute fei, und gehet daraus uns findet, jo

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