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Der Israelit · 1869-07-07 · Heft 27 (7.7.1869) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 27 (7.7.1869)
Date
1869-07-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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528 als für die Vertreter des Positiven, hier deS positiven Judenthums. Um so freudiger begrüßen wir diese Schrift sowohl als eine echt gesinnungstüchtige, die der Partei große Ehre macht, als auch besonders deßwegen, weil durch jene das ganze Vorgehen eines Theideö der orthodoxen Partei, der 35er Fraktion vollftänlig durchsichtig und klar gelegt wird. Man sieht, diese im Congresse kleine aber moralisch starke Partei wußte, was sie wollte und weiß noch, was sie will. Es athmet das Ganze einen Geist, ein Faden zieht sich durch das Ganze und dieser heißt treues Festhalten an den traditionellen Lehren und Gerechtwerden dem Geiste der Civilisation, ja wo möglich hierin den sogenannten Fortschrittsmännern um mehr als einen Schritt voraus zu sein. Es versteht sich von selbst, daß sich die Partei um einige Führer gruppirte, es sind dieselben, denen der größte Theil der in dem Berichte abgedruckten Reden angehört. In erster Linie steht da der Herausgeber der Broschüre, Herr Dr. Hildesheimer, alsdann der zur tiefen Bekümmerniß aller Gesetzestreuen so früh verblichene, Herr C. Pappenheim aus Preßburg. Sonstige bedeutende oratorische Kräfte waren noch Herr Rabbiner Fischmann, R. Weiße, Samuel Horowitz und Albert Friedlicher, sowie in seiner Weise, Emanuel Eisler, der zwar zuweilen etwas zu schroff schien, aber für seinen Muth gegenüber dem wüsten Treiben der Majorität alle Anerkennung verdient. Es ist besonders erhebend für den Leser, daß eS gerade die hervorragenden geistigen Leiter der Gemeinden, die Rabbinen Hildesheimer, Fischmann, Weiße waren, die stets in vorderster Reihe gekämpft haben, und durch eine Suada, wie sie in viel größeren gegnerischen Lager nicht mehr, kaum in dem Maaße angetroffen wird, die Partei zu sich heraufzogen und den Gegnern Achtung, ja zuweilen, wenn auch nur sehr selten, Resultate abrangen. Die Rabbin e, kämpften immer an der Spitze für Religion und Cultur. Dies ist es wesentlich, was den Leser der Broschüre beim ersten Blicke fesseln muß. Mehr jedoch als dies liest der aufmerksame Beobachter zwischen den Zeilen, es ist der ganze große Kampf einmal gegen die Majorität und dann der viel intensivere nach der Seite derer, die im Allgemeinen die eigenen Bundesgenossen sind, von denen sich jedoch die genannte F'action wenigstens factisch trennen mußte. Dieser Sturm und Drang bildet den Hintergrund des Ganzen und illustrirt die tragische Stellung der Koryphäen dieser Partei. Mit Freude und Genugthuung muß es alle Glieder der orthodoxen Indenheit erfüllen, daß gerade diese Partei sich als Ganzes consolidirt hat und die Beweise ihrer Thätigkeit der Oefsentlichkeit übergibt, während aus allen übrigen The len des CongresseS nur sporadische Einzelheiten zu unserer Kenntniß gelangt sind, jedoch keine gemeinsame Kundgebung geschehen ist. Wie beschönigend auch immer unser Urtheil über den Congreß traurigen Andenkens lauten mag, ist er doch ein ^unglückliches Ereigniß für das ungarische Judenthum und seine Resultate sind noch immer unheildrohend wenigstens für die Interessen des wahren traditionellen JudenthumS. Eines jedoch erfahren wir aus dem vorliegenden Berichte, was im Stande ist manches von dem Betrübenden und Gefahrdrohenden zu paralystren,'daß nämlich diese Partei, die einzige, die eine Zukunft in Ungarn haben wird, durch den Congreß Gelegenheit hatte, sich zu constituiren. Mit diesem kurzen Resümö wollen wir diese so hochwichtige Broschüre dem Leser angelegentlichst empfohlen haben. Wir sind gespannt auf den zweiten Theil, um so mehr als diesem so viel des Interessanten res servirt scheint, da die hervorragenden Mitglieder dieser Partei in der Schulcommission mittagten, welche bei der Windeseile, mit der man die wichtigen Vorlagen der Schulfrage durchjagte, der einzige Maaßstab zur Beurtheilung dieser großen Fragen sind. Jedenfalls sind wir dem Herausgeber dieser Schrift zu großem Danke verpflichtet. Was derselbe uns hier mittheilt, ist wahrlich keine ephemäre Leistung, nur dem Augenblicke und seinen Erfordernissen entsprechend. Es ist ein bedeutungsvolles und gewichtiges Blatt der Geschichte unserer Tage, das uns hier gezeigt ist. AeiturrgSrrachrLchten und Correspoudenzen. Deutschland. □ Augsburg, 15. Juni. Der König von Bayern hat dem Oberst und Commandanten der Bürgerwehr, Herrn Carl Obermayer in Augsburg, die Bewilligung ertheilt zur Annahme und zum Tragen des vom Großherzoge von Baden ihm verliehenen Ritterordens I. Claffe mit Eichenlaub vom Zähringer Löwen. Stuttgart, 20. Juni. Nachdem bei der ersten Wahl eines Delegirten tue den RaöbinatSbezirk Stuttgart, behufs der Berathung eiueö VerfassuagSstatutS für die Israeliten, sich die Kirchenvorsteher von L udwigSburg und Eßlingen, obgleich hier anwesend, fern hielten und solche nicht zu Stande kam, war auf heute wiederholt eine Wahl anberaumt, bei welcher sich alle dazu Gehörigen betheiligten. Gewählt wurde mit 9 Stimmen Procurator Hetz von Ulm. Der nächstfolgende war Kaufmann Perlen von Eßlingen, der i Stimmen erhielt. „Der RabbinatSsprerrgel ist einig, bewaffnete Macht war überflüssig," bemerkt die ,Schw. Dztg." hierzu.

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