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Der Israelit · 1869-06-30 · Heft 26 (30.6.1869) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 26 (30.6.1869)
Date
1869-06-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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X Jahrgang. Beilage z« Nr. 26 des Israelit. Leitender Artikel. Die jüdische Ehe nach biblischen und talmudischm Grundsätzen. Von Dr. Aron HirSehfeld. (Fortsetzung.) 3. Zieht man hiebei noch in Erwägung, der Israelit, nach den so vielen, gleichfalls von unseren Rabbinen gegebenen Winken und Lehren, bei der Wahl seiner Lebensgefährtin sich nicht von Schönheit und äußeren Sinnenreiz blenden lassen darf, sondern vielmehr, um eine glückliche Ehe zu erzielen, von dem Streben geleitet werden muß, auf biedern Character, auf Gottesfurcht, Tugendsinn, auf Sittenreinheit zu sehen: so gibt dies uns den klarsten Beweis, daß unsere Weisen dabei nichts anders im Auge hatten, als ein Eheleben herbeizuführen, in welchem nicht nur vollkommene Gleichstellung, gegenseitige und gleichmäßige Abwechselung in der Ertragung der häuslichen Pflichten, wie in dem zu erstrebenden Lebensgenuß, sondern vielmehr die möglichst zu erringende Einheit und Harmonie, die unauflösbarste Vereinigung und geistige Verschmelzung obwalten muß. Doch vor Allem suchen ste bei der Wahl einer Gattin uns vor einer solchen Gattin zu warnen, die unserer weltlichen, wie socialen Stellung unwürdig ist. Denn eine solche Verbindung rann weder äußern Werth, noch innere Würde, weder äußere Achtung noch innere Zufriedenheit Hervorrufen. Ganz vorzüglich streuen unsere um die Verpflanzung des echten Judenthums so besorgten Weisen ihre ernsten Ermahnungen und eindringlichen Warnungen, wie schneidende Schwerter umher, um uns vor der Verbindung mit einer Frau abzuhalten, die voraussichtlich dem Bekenntnisse unserer Offenbarungslehre wie der Ausübung der Neligionspflichten durch ihre freisinnige, abtrünnige und hetervdoxe Anschauung und Denkweise hemmend und störend entgegenzutreten sich bemühen wird. So steht hierüber (Kid. 70.) •»nm ifjo n"y"a )b mun ruw nw« fiwun nte ly-nn '<bo „Wer eine Frau zur Ehe nimmt, die seiner unwürdig ist, handelt so, als wenn er die ganze Welt beackern und mit Salz besäen würde." — Salz sckeint mir ein Sinnbild des Sündentriebcs zu sein. Darum heißt es n*>o snpn *p:np bD ty. Bei jedem Deiner Opfer sollst Du Salz darbringen. (3. B. M. 2) Denn dem Opfer lag die Sünde zu Grunde, tu deren Sühne dieses eben dargebracht wurde. Der Dvfrrnde soll durch daö Darbringen des Salzes mit dem Opfer an zwiefaches gemahnt werden; zunächst durch das Salz cn se'ne begangene Sünde und dann durch das Opfer selbst an deren Sühne und Vergebung. Denn bei der Freisprechung von seinem Verbrechen muß der Ankläger (das Salz) mit vor dem Richter erscheinen. — Damit wir jedoch der Sünde stets eingedenk bleiben und vorzüglich an den Sündenfall des ersten Menschenpaares erinnert werden, hat die Weisheit des Herrn jede salzlose Speise ungenießbar gemacht. (Hiob 0, 6.) Denn durch das Hinzulhun deö Salzes zu der Speise soll uns erstens unser größte Feind, die Sünde, stets vergegenwärtigt und uns fühlbar gemacht werden, um dadurch desto mehr angefeuert zu werden, uns gegen ihn zu waffnen und kampfgrrüftet zu erscheinen. Da wir aber bei jedem Spei'segenusse an dm göttlichen, dem Adam gewordenen Fluch cn1? boan njms. „Im Schweiße Deines Angesichtes sollst Du Brod essen" (1, B. M. 13, 19,) erinnert werden sollen, die Speise aber erst nur durch das Salz als eine solche genießbar gemacht werden kann: so soll unH^dkseö zugleich auch an die erste Sünde, an die Quelle Find an den Ursprung alles Bösen zurückführen, um diesem desto kräftiger und nachhaltiger die Spitze bitten zu können. So wie aber ein wenig Salz die^Speise nicht nur genießbar, sondern sogar schmackhaft macht, eine Uebersüllung sie fo'Mch verdirbt: so soll auch gerade der Süudentrieb, wenn er innerhalb der von der Natur ihm angewiesenen Grenzen bewacht und gezügelt wird', mithelfen, das Gute zu befördern und die Tugend zu vermitteln. 1) Darum sagen unsere Weisen zu den Worten der Schöpfungsgeschichte “nb 2 b n:,T. „Siehe die ganze Schöpfung war sehr gut:" jnn n: „daß darunter nichts anders als der Sündentrieb zu verstehen sei." Denn, fügen sie weislich hinzu: bö jr.n 'dch'XL, -p^n ndi naw «au nVi rvs mst run wäre der Sündentrieb nicht, dann würde kein Mensch ein Haus bauen, noch eine Frau heirathen, noch Kinder zeugen, noch dem Handel und der weltlichen Beschäftigung sich hingcbm, (Midr. Breschith N. Cap. 9.) So wie also das Salz in gehörigen Portionen die Speisen zu einer angenehmen wohlgedeihlichen Kost bereitet: eben so treibt der Sündentrieb in seinem gehörigen Maaße das Rad der großen und mächtigen Weltbegebenheiten zur beglückenden Fortentwickelung. Da nun der Israelit ununterbrochen an seiner Besserung und Veredlung arbeiten muß, wir aber jetzt in unserer tempellosen Zerstreuung der Opfer und eo ipso des i) Vergl. hierüber ausführlich meines Schwiegervaters Festreden S. 50 die tief und '.vohibegründete Rede „d.w Gute im Böwn?

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