Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 26 (30.6.1869)
- Date
- 1869-06-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447395-2447421--07364-2462961- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
514 V Vorstadt Smichow zur Erde bestattet; der Knabe, Lessen Mutter mit Heller verehelicht und seit einigen Zähren auf dem kathol. Friedhofe ruhend, wird auf Kosten der Smichower Gemeinde erzogen. (Ggt.) Prag. Herr J. Dr. Friedrich Wiener wurde zum Mitglied des LandeSschulratheS in Böhmen ernannt. Er vertritt in demselben die jüdische Consession. (Ggt.) Donausürstenthümer. Bukarest. D.-:S „Echo Dan." schreibt: Die Austreibung dl-r Juden aus den Dorfgemeinden wird fortwährend uul schrecklicher Strenge ausgeführt. Jeden ST.vj erhalten wir zahlreiche Klagen von Seiten de- Opfer dieser ungesetzlichen Maßregel. Damit sich Jeder von der Art und Weise der Austreibung eine Idee machen kann, wollen wir nachstehend eine von einem vertriebenen Juden an den Procurator des Tribunals zu Roman gerichtete Klage wiedergeben. Sie lautet: „Der Unterzeichnete, Samuel Moses Dascal, Wirth, gegenwärtig wohnhaft in der Gemeinde Poneschti, District Roman, tritt bei Ihnen als Kläger gegen Karl Ghidiunesco, Bürgermeister dieser Gemeinde, auf. „Dieser Letztere ist Eigenthümer einer Schenke, welche er mir auf ein Jahr vom 23. April 1869 an vermiethet hat um den Preis von 274 Piaster, eine Summe, welche ich ihm sofort, nachdem der Contract unterzeichnet war, bezahlt habe. Es scheint, daß der Bürgermeister später die Ordre erhalten hat, keine Juden mehr auf dem Lande zu dulden; er kam zu mir, begleitet von 4 Bauern dieses Dorfes, nahm meine Möbel und ließ sie auf zwei Wagen werfen. Einer seiner Begleiter schlug meine Frau derart. Laß sie noch heute krank ist. Meine Familie und meine Möbeln wurden aus dem Dorfe hinaus tranöportirt und sind hier allen Widerwärtigkeiten ausgesetzl. Mich selbst ließ der Bürgermeister in seine Wohnung führen, woselbst er mir gewaltsam den von ihm Unterzeichneten Vertrag wegnahm." Unter den vertriebenen Juden, die sich in den Straßen von Roman aufhalten, ist ein gewisser Aba Grumazesco, den man zum Dorfe hinausgejagt, ohne ihm zu erlauben, die Zeit abzuwarten, wo das Brod, LaS schon im Backofen war, gebacken sein werde. Ein anderer Jude wurde mit seiner Familie vertrieben, obgleich dessen Frau schon die Schmerzen ihrer bevorstehenden Niederkunft fühlte. Unglücklicherweise kümmert sich Niemand darum, die unbeschreiblichen Leiden dieser Opfer zu lindern. Alles schweigt. Bukarest. Die Nachrichten, die wir von Baco, Vaslui und Ajud erhalten, sind sehr trostlos. Die Austreibung der Juden aus den Dörfern wird mit unerhörter Grausamkeit ausgeführt. Die Vertriebenen werden auf eine barbarische Weife behandelt. Männer, Frauen, Kinder und Greise sind aus dem Wege, ohne daß man ihnen den Eintritt in die Städte erlauben will. (Echo Dan.) Rußland und Polen. j Die mittelalterliche Maßregel der gewaltsamen j Ausweisung der erst seit kürzerer Zeit ansässigen Israeliten aus den Grenzbezirken der russischen Provinz Bessarabien, wird nun doch ins Werk gesetzt. Zwar sind die Gehilfen der Rabbi, die zum Betriebe eiues concessionirten Gewerbes Gehörigen, die Handwerker, Holzhändler u. dgl. von dem harten Schicksale ausgenommen; doch trifft es noch eine große Anzahl solcher, die jetzt nicht wissen, wie sie ihre Familien versorgen, ihre geschäftlichen Verbindungen so schnell lösen sollen. Der Herr Generalgouverneur von Kischenew war dieser Tage in eigener Person auf einer Bereisung der Grenzbezirke begriffen, um sich von der strengen Durchführung der bezüglichen Verordnungen Gewißheit zu verschaffen. Schweden. Stockholm. Die Königin von Schweden, welche die Vorsitzende in dem Comite für die hiesige Taubstummenanstalt ist, hat unseren Glaubensgenossen I. W. Davidsohn zum Casstrer dieser Anstalt ernannt. (Hamagid.) Asien. Bagdad. Seit einiger Zeit erscheint dahiev unter dem Titel „vHo eine Zeitschrift m hebräischer Sprache. Feuilleton. Aas sLicht der Aiaspora. ix. Das Geheimniß. Der Eunuch Johann hatte zu früh triumphirt. Nach vielen vergeblichen Versuchen erklärte der Athenienser Basilikos, daß auch er nicht im Stande sei, die gewünschte Wage herzustellen. Johann gab es nunmehr auf, in dieser Weise das Gewicht des Thrones herausbringen zu wollen; er sann auf andere Mittel; er ließ seinen Neffen Michael rufen und halte eine lange Unterredung mit ihm. Gnes Abends spät saß Rabbi Gcrschom in seinem Studierzimmer. Deborah hatte sich, ermüdet von