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Der Israelit · 1869-06-23 · Heft 25 (23.6.1869) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 25 (23.6.1869)
Date
1869-06-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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49T Ke « i He ton. Ass Licht der Diaspora. vm. Der Diebstahl. Neugierig harrte Prinzessin Theodora der Rückkehr des Kaisers aus dem StaatSrathe, um zu erfahren, in welcher Weise ihr Lebensretter belohnt werden sollte. Als der Kaiser in sein Gemach trat, umhüllten finstere Wolken seine Stirn, die noch trüber wurden, als er die Prinzessin Theodora erblickte. Diese war eine lebendige Mahnung an die hoben Verdienste Rabbi Gerschomö, die zum zweiten Male unbelohnt bleiben sollten. Den Kaiser reute doch sein rasches Wort; allein, da er eö vor dem versammelten StaatSratbe gesprochen, so durfte er es nicht zurücknebmen; Basil fürchtete nichts mehr, als vor den Großen seines Reiches schwach und wankelmüthig zu erscheinen. Die Geschichte seiner Vorgänger hatte ihn belehrt, daß schwache und wankelmüthige Kaiser Thron und Leben nur zu bald verloren hatten. Nur eine starke kräftige Hand, ein unerschütterlicher Wille konnte in Konstantinopel daS Scepter hoch halten. „Du bist gewiß begierig," redete Bastl seine Nichte an, „zu erfahren, wie ich den Meister Gerschom belohnen werde. Ich wollte ihn zum Mitregenteu erheben; allein der verstockte Jude weigerte sick, seine Jrrlhümer abzuschwören." „„Und welche sonstige Belohnung hat mein gnädigster Kaiser für ihn bestimmt?"" „Den Tod dem Schurken! Er hat genug des Silbers gestohlen; denn er weigert sich, uns zu sagen, wie man das Gewicht deö Thrones ermitteln kann." Als die Prinzessin so den Kaiser reden hörte, fing sie an zu weinen. „„Das also,"" rief sie schluchzend, „soll der Lohn des Mannes sein, dem ich mein Leben verdanke, der dem Kaiser Bastl das herrlichste, nicht mit allen Schätzen der Welt zu bezahlende Kunstwerk geschaffen! O. ich überlebe die Schmach nicht!"" „Sei ruhig, meine Tochter." entgegnete der Kaiser betreten, „so schlimm wirds nicht werden! Habe ich ihm doch meinen Ring gegeben, der ihn vor dem Aeußersten schützen wird." B astl erzählte dann der Prinzessin, wie Alles gekommen. Cr bat sie, ruhig zu sein; er würde, wenn auch nicht gleich, doch später, den Rabbi reich belohnen. Als Rabbi Gerschom aus der StaatSratbSntzung in sein Hau^ zu'.ückkehrte und seinen grauen die Vorgänge in derselben erzählte, war Deborah tief bekümmert. Mel tla aber verachtete ihren Galten in ihrem Herzen; zum zweiten Male hatte er sich die Gelegenheit entgehen lassen, reich, mächtig und angesehen zu werden und so seine ungetreue Gattin auf die Höhen des Lebens zu erheben; das konnte sie ihm nicht verzeihen. „An seiner Seite," dachte sie, „würde ich immer das niedere Iudenweib bleiben. Nein, ich will die Gattin Michaels werden und allen seinen Rathschlägen folgen." Nach vielen vergeblichen Versuchen, hatte der Eunuch Johann von einem geschickten Künstler zu Athen vernommen; er hatte ihn nach Konstantinopel kommen lassen. Basilikos, so hieß der Athenienser, machte sich anheischig, eine Wage für die Abwägung deö silbernen Thrones herzustellen. Johann triumphirte. „Doch," sprach er, „was kann es am Ende nützen, solange der Jude den Ring deö Kaisers besitzt, der ibm deS Kaisers Gnade — selbst im Falle einer Verurtheilung zum Tode — sichert?" Johann ließ seinen Neffen zu sich bescheiden. Dieser erzählte, wie es ihm gelungen, das Weib des Rabbi zu bethören. „Und weiß sie nichts," fragte der Eunuch, „von den Zauberkünsten des verruchten Juden?" „„Nein, Herr! Sie versichert im Gegentheit, daß er Zauberei verabscbeue, wie eö das Gesetz MosiS verschreibt."" „Gleichviel, ich werde ibn dennoch inS Verderben stürzen. Der Künstler Basilikos, der Athenienser, wird mir eine Wage bauen, aus der man den Thron wird wägen können, und dann ist der Jude verloren. Wenn er nur den Ring nickt hatte, der ihm in allen Fällen des Kaisers Gnade sichert." „„Ich werde Euch den Ring verschaffen!"" „Du könntest das?" „»Ick kann es, Herr! Melitta thut Alles, was ich von ihr verlange - sie wird ihn stehlen."" „O ged, mein Sohn, und thue, wie Du gesprochen! Du thust es ja namentlich für Dich; mein wird nur die Rache und dein wird einst der goldne Preis, die Herrscherkrone, sein!" Als am Abend desselben Tages, Michael seine gewöhnliche Zusammenkunft mit Melitta hatte, sprach er: „Herzensweib, wir weiden bald am Ziele unserer Wünsche sein! Der Künstler Basilikos wird eine Wage schaffen, den Thron zu wigen; dann wird derjenige verloren sein, der unserer Vermählung im Wege steht!" „Gersckom besitzt aber," entgegnete Melitta, „einen Ring, den ihm der Kaiser gab. Dwser Ring schützt ihn vor jeder Gefahr und sichert ihm die Gnade Baflls." „„Hast Du den Ring schon gesehen?"" „Sicherlich, ir trägt ihn an dem Finger seiner Hand." „„Wir müssen uns in den Besitz dieses Ringes setzen!""

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