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Der Israelit · 1869-06-23 · Heft 25 (23.6.1869) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 25 (23.6.1869)
Date
1869-06-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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494 Talmudisten, aber keine arbeits-sähige und -willige Männer zu Gesichte gekommen seien. BiS dies Schreiben gedruckt ist, ist er vielleicht schon eines Andern belehrt. Auch wir haben früher mit Leuten jener Art „unsere liebe Noch" gehabt und blicken doch heut schier mit Wehmuth auf die Zeit zurück. Da kam der polnische sagte sein Stückchen mm, sein Wörtchen, gleich oder ungleich, erhielt seine nun — — trotz aHefcem war nie np rm. Von mjmit' bis heute sind ca. 160 Personen*) hierdurchgewandert und nach Berlin oder Homburg von uns weiter geschickt worden, Männer, Jünglinge, Frauen und kleine Kinder; sie wollten, angeblich, fast sämmtlich nach Amerika. Unter den Männern waren nur 3—4 „Talmudistcn", die Andern waren Handwerker u. dergl., Leute mit hartschwieligen Händen; man konnte es ihnen schon glauben, daß sie arbeiten wollten. Sie werden nicht alle direct nach Hamburg kemmcn, viele werden sich in Deutschland zerstreuen, auch an Frankfurt nickt Vorbeigehen, bis dorthin werden sie freilich das Vetteln gründlich gelernt haben. Ihre Schuld?! Ein Theil wird auch wahrscheinlich wieder zurückkonnnen, eine Gcmeinde wirst sie der andern zu; "ist msc oder -cp von solcher rrxNL (?) zu erwarten?! Also was sollen sie in Amerika machen? Wir haben gesagt, das müßten die dortigen Juden besser wissen, als wir; dabei bleiben wir auch beschcidentlich; geben jedoch nunmehr einige Andeutungen. Die polnischen Handwerker sind den amerikanischen nicht gewaä sen, aber sie sind anstellig und gelehrig, wir haben von Manchem gehört, der seine Carri^re doch drüben gemacht hat. Die Masse aber müßte wohl dem Landbau zugeführt und im Westen colvnisirt werden, die Amerikaner müßten dazu Land und Lehrmeister deö Ackerbaues beschaffen. Es ist so mancher Deutsche ein tüchtiger Farmer geworden, der hier höchstens aus Dirgil'S Georgica etwas vom Ackerbau gehört hatte. Diese Polen aber besitzen auch „Intelligenz", Fassungskraft, dabei Anspruchelofigkeit bis zum Extrem, Nüchternheit und Fleiß. **) Sie werden neben dem irischen Trunkenbold bestehen können. Herr E. rede doch nicht von „arbeitsscheuem Drohnenschwarme", er begehe nicht dieselbe Sünde, über die wir so oft unö beschwert haben, wenn man die Fehler Einzelner uns, den Juden, ausbürdete, er beurthe.le nicht die polnischen Juden nach den bei uns durchreisenden „Schnorrern" (warum nicht ebenso die Italiener nach den wandernden Drehorgelspielern?), er lasse sich von Männern, *) Die Zahl würde noch größer sein, wenn nicht unsere Vorposten in Königsberg „die Brücke aufgezogen und bekannt gen acht tätten", daß sie herüberkommende gesunde Männer po<- lizeilich zurücktransportiren lassen würden. Eine Woche lang haben wir die Nachwirkung dieser Maßregel gefühlt. **) Sie werden auch bei Eisenbahn-Arbeiten u. dergl. als bloße „Hände" Beschäftigung finden können, sie haben das zu Hause auch gethan. die an Ort und Stelle gewesen, erzählen, wie die Männer, ja die Schulkinder dort arbeiten. Und wie kann überhaupt Jemand den Gedanken fassen, daß eine Bevölkerung onso bisher ohne harte Arbeit gelebt habe! — Von hochverehrter Seite ist uns entgegen gehalten worden, daß die amerikanische Regierung der Einwanderung Unbemittelter entgegentrete — aber wenn die dortigen Juden den Einwanderern hilfreich entgegenkommen, so ist das nicht zu fürchten. Ohne dieses Entgegenkommen ist nichts zu beginnen. Es werden sodann andere Vorschläge dem unserigen entgegen gestellt. Entgegen?! Als ob Allen auf einerlei Weise zu helfen sein könnte! \vn 'd'.m, darum wollen wir gleich noch einen Vorschlag hinzufügen, der uns von einem Herrn C. hier mitgetheilt wurde. Man gründe hier und da bei uns Anstalten, um verlassene oder verwaiste polnische Kinder auszunehmen, in Gemeinschaft zu erziehen oder bei Familien unterzubringen. Wir sagen darüber nichts; daß cö auch eine gute und schöne Sache, nm mso, wäre, sieht jeder Leser. Daß einzelne Handwerker hier in Deutschland Arbeit finden könnten, ist nicht nur möglich, sondern es ist seit Jahren in hiesiger Gegend verwirklicht, in seltenen Fällen natürlich; mehr wird auch jetzt nicht geschehenkönmn, denn wir haben keinen Mangel an Arbeitskräften. Comits'S u. dergl. sind dazu nicht nöthig. WaS endlich die Wanderung nach dem Inneren Rußlands betrifft, so liegt diese Idee sehr nahe, wir denken nicht daran, sie zu bekämpfen. Wir hoffen, die ruff. Regierung wird daS Ihrige thnn, ihre Unterthanen im Lande zu behalten; erhalten auch soeben die betreffende „Vorläufige Anzeige" von Herrn vr. Rülf. Gott verhüte, daß wir irgend ein gutes Werk widerrathen, oder gute Absichten durchkreuzen sollten. Wir zweifeln nur, daß die deutschen Juden ihre Hilfe gern dazu leisten werden. Wir haben unsere Gründe kurz angedeutet, und der Herr Redacteur hat noch gekürzt (wir können seine Gründe nicht mißbilligen), aber npd-o Nomn1? — wo die drnrnn gebraucht wird, weiß man ia! Von den schon seit längerer Zeit im Inneren Rußlands angesiedelten Juden hat man wenig gehört, am wenigsten erreicht uns von dort ein Schmerzensschrei, wie von der G r e n z e. T. Amerika. Aus San Francisco gehen uns verschiedene an die dortigen Glaubensgenossen gerichtete Aufrufe zu Gunsten unserer hartbedrängten Glaubensgenossen in Westrußland zu, aus denen wir entnehmen, daß namentlich Herr Ihr. Eckmann, Redacteur des „Hebrew Observer", sich große Mühe um dieses Werk der Barmherzigkeit gibt. Wir haben bereits gemeldet, daß diese Bemühungen den besten Erfolg hatten. _

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