Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 24 (16.6.1869)
- Date
- 1869-06-16
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2447395-2447419--07331-2462926- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
kleidet. Er selbst lag zwei Tage lang zur Schau auögesetzt in einem rothen polnischen mit Hermelin ausgeschlagenem Kleide. Seine Füße waren nach jüdi schem Gebrauche (?) mit einem carmosinrothen Bande zusammengebunden. Ehe der Leichenzug anging, ging Jeder zu ihm hin, berührte ebenfalls nach jüdischem Gebrauche seine Füße und bat ihn um Verzeihung, linder wurden von ihren Müttern dahingetragen, berührten die Füße, und die Mutter sprach die Verzeihungsbitte für sie aus. Den Leichenzug eröffnten die Weibspersonen und Kinder; alle trugen Wachskerzen in den Händen. Dann folgten die Männer in polnischen, armenianischen und türkischen reichen Trachten, Kinder mit Bogen und Pfeilen, die Hausoffiziere und dann die Leiche selbst. Der alte ehrwürdige Greis wurde auf dem Bette, auf dem er zur Schau ausgesetzt lag, ganz offen, so daß ihn Jedermann sehen konnte, von 18 Personen getragen.*) Zu beiden Seiten marschirte unter einer Trauermusik die Leibwache mit geschultertem Gewehr, die Offiziere mit blanken Säbeln. Zn seiner Rechten ging seine Tochter und seine zwei Söhne. Zur Linken Fürst Martin Luboniesky**) mit dem St. Annenorden bekleidet und andere Vornehme. Vor der Leiche unmittelbar ging ein alter Greis mit bloßem Haupte, und ihr folgte so ebenfalls ein anderer. So ging der Zug unter Lautung aller Glocken aus den gemeinschaftlichen Kirchhof. Hier stand ver mit weißem Atlas überzogene, inwendig mit goldenen Franzen und auswendig mit goldenen Borten besetzte Sarg. Auf dessen Deckel war ein rotheS mit goldenen Borten eingefaßtes Kreuz. Mit dem nämlichen Bette, aus dem die Leiche getragen wurde, wurde sie in den Sarg gelegt. Hier erhob sich ein Herz bewegendes Weinen und Schreien der Leichenbegleiter. Auf einen gegebenen Wink wurde Alles still, die beiden obgedacktten Greise, die seiner Leiche unmittelbar vor- und nachgingen, sprachen einige Worte als ein Gebet, und so wurde die Leiche unter abermaligem Weinen und Schreien in das Grab gesenkt. Alle Leichenbegleiter warfen nach jüdischem Brauch eine Handvoll Erde in das Grab, daö dann von einigen andern zugeicharrt wurde. Die Menge der Zuschauer aus Frankfurt und den umliegenden Gegenden war unbeschreiblich, und j Jeder mußte gestehen, daß seine Erwartung übertrof-; fen wurde.! *) Vielleicht kabbalistisch ’n? An manchen Orten besteht die fromme Brüderschaft der Juden statutengemäß nur aus 18 Personen. **) Im Frankfurter Staats-Ristretto vom 16. December 1791, Nr. 198, befindet sich ebenfalls eine ausführliche Beschreibung des Leichenbegängnisses, woselbst aber der init dem St. Annenorden bekleidete Fürst Lubomirsky genannt wird, wonach die oben angeführte Lesart zu berichtigen ist.. Auch scheint es richtiger statt 600 Personen 200 heißen zu müssen, wie im St.-R. Frank, oder mag sein wahrer Name sein welcher er wolle, muß einen vortrefflichen Character gehabt haben, denn so wie seine Leute um ihn weinten, so herzlich ist noch kein Fürst beweint worden." Bis so weit der Wortlaut des Frankfurter Berichterstatters. Hat Herr Sch.-R. denn diesen Bericht nicht gelesen, daß er alle jüdischen G brauche in Abrede stellt und die Gegenwart eines Fürsten Lubomirsky beim Leichenbetiängniß leugnet? Diele Zeilen sprechen doch zu laut, als daß eö noch weiterer Beweise für die Unzulänglichkeit der Sch.'schen Gegenschrift bedürfe. Herr Fr. mag gegen die Leute seiner Hofhaltung gut und liebevoll gewesen sein, in der Geschichte der Menschheit, feinen Stammesgenossen gegenüber, nahm und nimmt er keinen Ehrenplatz ein. Frankfurt am M., im April 1869. vr. A. Sulzbach. Der Mittelpunkt der Erde. 'ui non non1 inon pr< ynar 'n p->2 r~nniD na»r k’üp Tn» no» «npi no^ p-iniD it yn»! DT.y d» ni3'D3 Der Ausspruch des Talmud, daß Palästina pan sei, während dock eine Kugel, wie solche unser Planet ist, keinen Mittelpunkt, an der Oberfläche hat, gibt Anlaß zu lebhafter Kritik. Wir erlauben uns dagegen folgende Erwägung. Arago spricht eö aus, daß die durchschnittliche JahreSwärme vieler Länder seit Jahrtausenden sich vollkommen gleich geblieben ist. Er beruft sich auf die Nachricht in der Bibel, daß im „Gelobten Lande" vor ohngesähr 3000 Jahren die Palme einheimisch gewesen ist und daß Jericho *jrP"T, deßhalb Palmeustadt, oncnn genannt wurde. Ferner wäre in demselben Lande und zu gleicher Zeit die Weinrebe einheimisch. Die Palme ist ein Baum der heißen Tropenländer und gedeiht dort nicht im Freien, wo die durchschnittliche JahreSwärme unter 21£'jo R. sinkt. Die Rebe gedeiht hingegen nur in gemäßigt warmem Klima und wo die durchschnittliche JahreSwärme nickt 21£0/0 R. überste g t. Wenn also vor 3000 Jahren in Palästina Palme und Rebe zugleich einheimisch gewesen und öe^de dort eS noch jetzt sind, so beweiset dies dem Ntturforschcr, daß die durchschnittliche JahreSwärme deS Landes seit Jahrtausenden sich nicht im Mindesten verschoben habe. Arago bemerkt noch beiläufig, daß wir kein anderes Land auf der Erde kennen, welches klimatisch diese Bedingungen für daö Gedeihen von Rebe und Palme bietet. Es ist nun zu bedenken, daß Palme und Nebe als characteristische Zier und als Segenszeichen der