Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 24 (16.6.1869)
- Date
- 1869-06-16
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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Sch. - N. hat diesen Beweis mit gesperrten Lettern drucken lassen, als ob dieser klar und unwiderleglich die nichtjüdische Abkunft Fr.'s bewiese. Erstens aber ist dieser Beweis ein Beweis a silentio und beweist daher gar nichts. Wenn die Aerzte damals constatirt hätten, daß F nicht das jüdische Bundeszeichen an sich getragen habe, so brauchte man we.ter kein Wort über diese Angelegenheit verlieren, daß ste aber die Beschneidung nicht constatirten, waS will das sagen? Wenn Aerzte Belebungsversuche mit einem vom Schlag gerührten anstellen, so sind ste vollauf beschäftigt, als daß sie noch besondere Betrachtungen, die ganz nebensächlich sind, anstellen sollten. Endlich ist aber auch noch die ganze Basis, von der Herr Sch.-R. auögeht, eine falsche: ist denn zur Untersuchung des Herzens und der Schlagadern das gänzliche Entkleiden des Körpers nothwendig? Die Aerzte werden sich wohl vor einer solchen Zeitvergeudung hüten. Herr Sch.-R. weist noch auf einen andern Punkt hin, daß doch wohl die rechtgläubige Frankfurter jüdische Gemeinde etwas erfahren haben müßte, und daß der greise Großvater und die Väter des weltbekannten Hauses v. R. sich nie und nimmermehr herbeigelassen hätten, mit den Geschwistern von Fr. lange nach dem Tode des alten Herrn in geschäftlichen Verkehr zu treten, um eine Existenz zu fristen, die dem rechtgläubigen Inden eine Gräuel sein mußte. (S. 9.) Daß man in Frankfurt wohl eine Ahnung von dem hatte, was in den Mauern deö Fürftl. Ifenburgischen Schlosses zuOff.nbach verging, ist wohl wahrscheinlich, denn ein alter Frankfurter (der Grätzen'S Abhandlung nicht geles-n hatte) erzählte mir, daß man die Polen in Offenbach gemeinhin unter den Frankfurter Juden „Czenstocher" nannte; daß man aber in Frankfurt schwieg und sich nicht weiter um dieselben kümmerte, lag in den Zeitumstanden. Was war zu erbosten von einer Agitation gegen das Unwesen in Ostenbach? Höchstens eine Verfolgung der Inden in Rußland, denn man wußte wohl, daß der Petersburger Hof dem Treiben nicht so fern stand, und daß Frank ein gefährlicher Feind war. Wenn nun auch das Haus v. R. sich in Geschäftsverbindungen mit F. einließ, so ist daS gewiß aus denselben Motiven geschehen, auS welchen die Frankfurter Gemeinde Frank und seine Genossen ignorirte, und daß dieselben, wie Sch.-R. behauptet, und dem die Verantwortung für diese Behauptung überlassen werden muß, noch nach dem Tode Fr.'s fortdanerten, kann nicht Wunder nehmen, da einmal begonnene Geschäftsverbindungen nicht plötzlich abgebrochen werden können, ist eS ja z. B. möglich, daß die spätere Geschäftsverbindung in Eintreibung von Schulden bestand. Wenn Herr Sch.-R. aber gar in Abrede stellen will, daß bei dem Leichenbegängnisse Fr.'s jüdische Ceremonien Statt hatten; wenn er nicht weiß, ob die katholische Geistlichkeit dem Sarge folgte (S. 10), wenn er Fr. einen strenggläubigen Katholiken sein läßt, der niemals an Sonn- und Feiertagen die Kirche versäumte und alle Ceremonien seiner Kirche gewissenhaft erfüllte (S. 7); wenn er von nichts Anderem berichten kann, als daß am Grabe des alten Herrn von seinen Anhängern oft ein stilleS Gebet verrichtet wurde, und dann höhnisch fragt, ob dieses auch ein Zeugniß der jüdischen Abkunst der Betenden sei; wenn er endlich, um die Ehre des Fräulein Eva v. Frank zu retten, die Anwesenheit eines Fürsten v. Lubomirsky beim Leichenbegängniß in Abrede stellt (S. 9): so stellt er sich damit in Gegensatz zu dem Berichte, den uns ein Augenzeuge von dem Leichenbegängnisse F.'s gibt. Schon Grätz hat nach dem Berichte eines polnischen Autors, Skimberovrcz, die Punkte zusammengestellt, die die jüdischen Ceremonien hervorheben, die bei dem Leichenbegängnisse Statt hatten, wir wollen hier aber die Primär-Quelle wörtlich wiedergeben, in der uns das Leichenbegängniß ganz ausführlich erzählt wird. In der Frankfurter Post-AmtS-Zeitung vom 17. December 1791, Nr. 201, lesen wir von einem Augenzeugen: „16. Dec. Baron Frank, der, wie wir bereits erwähnten, am 10. d. zu Offeubach am Main starb, zeichnete sich zu Wien und in Brünn durch einen fürstlichen Staat aus, den er seit seinem Aufenthalt in Osienbach so sehr vergrößerte, daß dadurch die Neugier des Publikums, zu wissen, wer er eigentlich sei, ani's Höchste gespannt wurde. Gleichwohl bleibt dieser Neugierde noch Vieles zur Befriedigung übrig. Alles, was man von ihm weiß, ist, daß er das Haupt einer Secte war, die der Sage nach im Orient entstanden, und sich feit länger alo hundert Jahren fortgepflanzt hat. Die eigentlichen Grundsätze dieser Secte sind biö jetzt noch nicht bekannt. Frank und seine Anhänger, deren er sehr viele nach Offenbach zu sich gezogen hatte, und die aus Polen, Armeniern und Griechen bestehen, wohnten zu Zeiten*) dem katholischen Gottesdienste bei, hielten aber meistens unter sich besondere Zusammenkünfte. Er hatte eine vortrefflich mvntirte Leibwache von fünfzig Mann und wurde fast abgöttisch verehrt. Äm 12. d. wurde er begraben. Alles, was die Pracht je vereinigen konnte, war hier zu sehen. Alle seine Leute, deren Zahl sicb nebst Weibern und Kindern wenigstens auf 600 erstreckte, wohnten diesem Trauergange in ihren reichsten Kleidungen bei. Alle Frauenzimmer waren weiß ge- *) Die Stellen in diesem Berichte, auf welche es uns für unfern Zweck besonders anlommt, und die gegen Sch.-R. zeugen, haben wir durch gesperrte Schrift hervorgehoben.