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Der Israelit · 1869-06-16 · Heft 24 (16.6.1869) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 24 (16.6.1869)
Date
1869-06-16
Page
– (sequence 19)
Language
German
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a, ^ayrgang. Wilsrnschastlicht Seilagr;utlr.24 des Äsrarlit. Line Conlrosersr über „Äaron v. Frank " Am 12. December 1791 starb zu Offenbach am Main eine mysteriöse Persönlichkeit, die einen fürstlichen Hof im dortigen Städtchen hielt, und welche in jüngster Zeit Gegenstand eines literarischen Streites geworden ist. Schenck-Rinck, dessen Großvater Verwalter des sürstl. Jsenburg-Bierstein'scken Schlosses war, das dein sog. Baron v. Frank vom alten Fürsten zu Zsenburg-Bierstein zur Wohnung eingeräumt worden, hat im 1.1867 eine Schrift, „die Polen in Offenbach," veröffentlicht, in welcher er nach Berichten seiner Familie das Oberhaupt der dortigen Polen, Frank, wie auch die mysteriöse Eva v. Frank verherrlichte. Diese Eva soll nach Schenck- Ninck eine natürliche Tochter der Kaiserin Elisabeth v. Rußland gewesen sein, welche, der Obhut Frank'S anvertraut, vom russischen Hofe ferngehalten wurde. Daher sollen sich auch die bedeutenden Geldmittel erklären, welche von Petersburg aus nach Offenbach hin reichlich flössen. Das Programm des Breslauer Seminars (1868) brachte aus der Feder des Herrn Grätz eine gelehrte Abhandlung, „Frank und die Frankfften, eine Sektengeschichte aus der letzten Halste des vorigen Jahrhunderts," in welcher an der Hand von Dokumenten mit überzeugender Schärfe nachgewiesen wird, daß Frank nicht ein gewöhnlicher, sondern ganz abgefeimter Schwindler und Betrüger gewesen, der ursprünglich Jankiw Lejbowicz geheißen, vom Judenthum zum Islam, von diesem dann zum Katholicismus übergetreten ist, nachdem er längere Zeit in der russischen Festung, Ezenstochau, in Haft gewesen war. Es war ihm während feiner Wanderjahre in Rußland, dadurch, daß er sich mit kabbalistischen Formen umgab, gelungen, einen bedeutenden Anhang um sich zu sammeln; waren ja die Gemüther, die der SabbatianiSmuS so sehr aufgeregt hatte, noch nicht zur Ruhe gelangt, und der Boden daher noch zu sehr empfänglich für neue Abenteurer. Die schöne Erscheinung seiner Tochter, Eva (Gr. hält sie für seine wirkliche Tochter), soll auch ein nicht unbedeutender Anziehungspunkt für Anhänger der von Fr. und seinen Helfershelfern neu aufgestellten Glaubenslehre gewesen sein. In Offenbach nahm alsdann Fr. im besagten Schlosse Wohnung, richtete dort einen fürstlichen Hofstaat ein, unterhielt mystisch-kabbalistische Zusammenkünfte, während er sich äußerlich um Katholicismus bekannte. Allerdings stoffen von den Anhängern Francs in Rußland und Polen reichliche Spenden, doch reichten diese allein nicht hin, den sürstl. Aufwand, den Fr. entfaltete, zu decken, sondern auch reiche Subsidien vom Petersburger Hofe für, wie Grätz meint, Dienste, die sich der Öeffentlichkeit entziehen, mußten Helsen, den fürstlichen Aufwand zu bestreiten. Gegen die oben erwähnte Schrift von Gr. tritt nun Schenck-Rinck mit einer Broschüre, „die Polen in Qffenbach am Main. Zur Beleuchtung der von Herrn vr. Grätz erschienenen Abhandlung. Breslau 1868. Verlag von Heinrich Keller. Franks, a. M. 1869" auf, durch welche er den dem Baron und dem Fräul. v. Frank entwundenen Todtmkranz wi"der zurückrugewinnen hofft. Bor allen Dingen gibt er zu, daß es „aus (?) dem Bereiche seiner Fädigkeiten liege", den „sicherlich hohen Werth" der in lateinischer, italienischer, polnischer und russischer Sprache geschriebenen Docnmente (aus den Jahren 1757—61 und 1796) zu beurtheilen und entzieht sich eigentlich durch dieses Bekenntniß das Reckt, als Kämpfer gegen die gelehrten Forschungen des Herrn Gr. aufzutreten, denn mit einem vornehmen Jgnoriren ist es nicht gethan. Wir woll-n es dahingestellt sein lassen, wer eigentlich das Fräulein Eea v. Frank gewesen, ob dem hohen russischen Kaiserhause entsprossen, oder eine Tochter des alten „Baron", vielleicht wird einmal die Geschichte den Schleier, der über dieser Persönlichkeit liegt, lüften. Wir wollen hier nur einige Punkte in Betracht ziehen, die sich auf den Baron Frank selbst beziehen. Vor Allem ist es Schenck-Rinck darum zu thun, die jüdische Abkunft F.'s zu leugnen, „auch nicht das geringste Zeichen," schreibt er, „ließ sich entdecken, was auf jüdische Abkunft schließen ließ" (S. 7); und doch steht es unzweifelhaft fest, daß Fr. Jude gewesen. Wir wollen aber sogleich bemerken, daß wir nicht deßhalb die Behauptung, Fr. sei Jude gewesen, durch Beweise aufrecht zu erhallen suchen, weil wir es uns etwa zur besondern Ehre anrechnen, in Fr. einen Juden zu erblicken, wir würden recht gern auf die Genossenschaft verzichten, es ist uns hier nur darum zu thun, eine geschichtliche Wahrheit festzustellen. Hören wir, wie Sch. beweist: ein Schlagfluß machte Fr.'s Leben am 10. Dec. 1791 ein Ende; die Offenbacher Aerzte und ein Frankfurter Arzt wurden herbeigerufen; „doch alle Belebungsversuche blieben erfolglos. Daö gänzliche Entkleiden des Körpers konnte dabei nicht umgangen werden, wobei di« Beschneidung nicht iunentdeckt bleiben konnte, und doch hat es nirgends verlautet, daß dies lautsprechende Zeugniß jüdischer Abkunft vor den Augen der tiefblickenden Aerzte sich herausgestellt." (S. 8.) Herr

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