Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 24 (16.6.1869)
- Date
- 1869-06-16
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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476 i k < u!f: jf |H Um jede störende Ueberfüllung zu verhüten, mußte der Vorstand sich darauf beschränken, Frau Lina Morgenstern und deren Gemahl und Herrn Director Joseph Lehmann als besondere Ehrengäste einzuladen. Um IOI/2 Uhr eröffnete der Vorsitzende Geh. Rath vr. Steinthal die Feier nach einigen einleitenden Worten mit nachstehender Ansprache: Es bedarf wahrlich keiner langen Rede, um die hohe Bedeutung hervorzuheben, welche die Eröffnung einer neuen Volksküche an und für sich im Gefolge hat. Die Volksküchen Berlins haben bereiteine so segensreiche Geschichte hinter sich, daß es in der That nur eines Hinweises auf die gewiß Ihnen Allen bekannte Schrift der Frau Lina Morgenstern „Die Volksküchen Berlins" bedarf, um in der Eröffnung einer jeden neuen Volksküche eine Erweiterung und eine Erhöhung jenes Volkssegens zu erkennen. Unsere Volksküche, zunächst für solche jüdische Familien bestimmt, die noch mit Gläubigkeit an den rituellen Speisegesetzen hängen, hat obwohl sie keiner Confession den Zutritt versagt, doch immerhin etwa- Specifisches, und eben darin mag wohl der Grund liegen, daß die Begründer derselben auf größere Opposition stießen, als sie bei ihrer eigenen wärmsten Ueberzeugung für ihr gutes Werk hätten erwarten sollen. Wohl waren sie selbst sich dessen bewußt, daß eine koschere Volksküche für Berlin heut zu Tage nicht mehr ein so allgemeines, ein so dringendes Bedürfniß sei, als vor etwa 50 Jahren, aber sie glaubten sich doch der Wahrnehmung nicht entziehen zu dürfen, daß gerade in der ärmeren Volksclaffe unserer ConfessionSgenoffen das gläubige Festhalten an dem alten Ritus, vornehmlich an den Speisegesetzen, noch weit genug verbreitet sei, noch tief genug Wurzel gefaßt habe, um nicht gewaltsam ausgerottet werden zu können, um nicht Berücksichtigung beanspruchen zu dürfen. Und selbst zugegeben, daß unsere Radikalen darin Recht hätten, daß das Bedürfniß einer koscheren Volksküche sich nur auf eine relativ unbedeutende Minorität beschränke, so wurden die Begründer derselben doch von dem Gedanken getragen, daß echte Religiösität, größere Humanität darin liege, so weil als möglich auch der Minorität gerecht zu werden, als durch Nichtachtung ihrer religiösen Bedürfnisse aus Noth einenJndifferentismus zu erzwingen, den eine gesunde Moral nimmermehr gut heißen kann. So möge denn der Himmel unsere wohlgemeinten Bestrebungen segnen und gedeihen lassen! Und so wie ich selbst allen Denen, die sich bei Begründung dieser neuen Volksküche mitwirkend, zum Theil in aufopferndster Thätigkeit betheiligt haben, nichts weiter bieten kann, als daß ich Jbnen meinen wärmsten Dank derer, die in unserm Institute eine Befriedigung für ihre religiösen und für ihre leiblichen Bedürfnisse finden, uns ein ausreichender Lohn sein und uns Freudigkeit und Opfermuth die Hindernisse, die Schwierigkeiten überwinden lasten, die von einem jeden Neubau unzertrennlich sind. Und so schließe ich, meine bvchgeehrtm Damm und Herren, mit dem Segensspruch, mit welchem unsere Vorfahren jedes neue Beginnen einleiteten: no'pi U'nnr oSyn nnst *]n^ :ntn fort» ujnirn (Gelobt seist Du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der Du uns am Leben erhalten und unhast diese Zeit erreichen lassen.) Nach beendigtem Vortrage machte derselbe den Anwesenden die hocherfreuliche Mittheilung, daß Ihre Maj. die Königin, nachdem der Vorsitzende im Aufträge des Vorstandes, Allerhöchst derselben am 28. April von der nahe bevorstehenden Eröffnung ehrerbietigst Meldung gemacht hatten, bereits unter dem 30. April ein huldvolles Kabinetsschreiben befohlen habe, deS Inhalts: „Ihre Majestät die Königin bedauert sehr, der Eröffnung der neuen Volksküche an der Spandaner Brücke Nr. 8. nicht beiwohnen zu können, da Allerhöchst Sie bereits am 2. Mai Abend von hier abreist, läßt Euer Hochwohlgeboren aber als Zeichen Allerhöchst Ihrer Theilnahme für das neue Unternehmen den beifolgenden Beitrag von dreißig Thalern übersenden rc." Ein begeistertes dreifaches Hoch auf das Wohl Ihrer Maj. der Königin und auf das ganze Königliche Haus beschloß die erhebende würdige Feier. Herr Director Lehmann gab hierauf in einige« herzlichen Worten dem Vorstande seine volle Sympathien für das neue Unternehmen kund. Feuilleton. Diesseits und imfeite.1) Von Abraham Tendlau. R. Simon ben Halephtha, ein Mann, von welchem wir schon einmal gar AnmuthigeS zu erzählen wußten 2), befand sich einmal in sehr bedrängten Umständen, so daß er das Brod auf den Sabbath nicht hatte. Er ging deshalb am Freitag Abend, als es bereits dunkelte, zur Stadt hinaus und richtete ein inbrünstiges Gebet an Gott. Da spendete ihm der Himmel einen Edelstein von fast unschätzbarem Werthe. *) Nach Schemoth rab. par. 52. — Jalkut Mischte Cap- 31» S. 146 a. (Nicht ganz so: Jalkut Tehil. Nr. 843, S. 119 a. — Eine ähnliche Erzählung s. m des Verfassers „Buch der Sagen und Legenden" Nr. 57). Ferner: Jalkut Mischte Cap. 10, Nr. 947. — Vergl. auch Ruth rab. 44 c. und Kohel. r. 90 b. 2) „Israelit" 5. Jahrgang Nr. 11. 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