Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 24 (16.6.1869)
- Date
- 1869-06-16
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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475 dieselben interessiren, oder auch zur Nachahmung anderswo und für solche Vereine, die noch daraus lernen können. Allein der Zweck der Veröffentlichung des mir vorliegenden Rechenschaftsberichts des hiesigen „Frommen-Vereins" — Dnon m^DJi min nöto muri — ist noch ein anderer, nämlich der, damit die Mahnung zu verbinden, daß überall, wo ein solcher Verein noch nicht besteht oder nur noch vegetirt, wie es leider an vielen Orten bereits der Fall ist, man nicht säume, diesem nachzuahmen und ihn zum Muster zu nehmen. Gerade heutzutage haben diese die ernste Aufgabe, mn&trfri min p'in.m. Rach der Bestimmung des § 50 des Statuts dieses Vereins wurde in der jüngsten Jahresversammlung desselben, a-m Schluffe des 62. Jahres seit seiner Gründung, vom Vorstande Herrn Joses Billmann über das Wirken der Gesellschaft in diesem Jahre Bericht erstattet. Aus seinem Vortrage hebe ich nur hervor, was auch für weitere Kreise Interesse bieten dürfte. Viele andere Vereine, religiöse und politische, besonders aber solche, welche nicht bloß Beitrage an Geld, sondern auch persönliche Dienstleistungen erheischen, müssen den Beitritt von Mitgliedern durch Aufforderung hiezu veranlassen. Dies ist bei unserm in Rede stehenden nicht der Fall, sondern er vergrößert sich vielmehr fortwährend, lediglich durch den Antrieb des Herzens und der innern Befriedigung, daß man ihm angehöre gleich einer altjüdischen Familie. „Ein trefflicher Beweis hiefür und daß die ersprießlichen Leistungen desselben allgemeiner Anerkennung sich zu erfreuen haben, sei der, daß sich die Vertretenden der „Ballotage" unterziehen." Was die Leitung dieses Vereins betrifft, so hat sich dieselbe längst als eine so vorzügliche bewährt, daß ich an Alle, die an der Spitze derartiger nnan stehen, nur die Einladung ergehen lasse nxn 82. Der Berichterstatter theilte vor der Rechnungsablage mit, daß 7 Mitglieder neu eingetreten, wogegen 4 ältere gestorben sind. Die Einnahmen im verflossenen Verwaltungssahre waren: 4. monatliche beziehungsw. jährl. Beiträge fl. 695. 36 2. Spenden beim Aufrufe z. Thorah. . 226. — 3. Freiwillige Gaben. 33. — 4. Stiftungen nach § 34 der Statuten . 375. — 5. Zinsen aus der Vereinskaffe . . . 434. — 6. Pachtertrag zweier Betstühle in der Synagoge (vom s. Breslau) ... 44. — 7. Ergebniß der -p nanv-Sammlung . . 3j, 44 8. Zurückerhaltene Begräbniß - Auslagen für Arme. 44. 56 9. Von 1867 rest. Cassa-Bestand . . . 299. 20 Summa ... fl. 2191. 36 Dagegen vertheilen sich die Ausgaben 1. Für Krankenpflege und Unterstützung Einheimischer.fl. 438. — 2 Für denselben Zweck an Auswärtige . 297. 30 4. „ Beerdigungskosten von Armen . 101. 42 4. Vereinsdiener, Druckkosten rc. . . . 65. 42 5. Nach Palästina (obige t n:no) . . 39. 44 6. Sonstige Ausgaben ...... 377. 48 Summa . . . fl. 1340. 26 Es verblieb noch ein Kassarest von 398 fl. 40 kr. nachdem auch das Vereinökapital eine Mehrung von ca. fl. 550 erhalten. Ad Nr. 8 der Einnahmen wurde bemerkt: Der schon mehrmals angeregte Mißstand bezüglich der dem Vereine alljährlich zur Last fallenden Beerdigungskosten von allen Armen hatte die Aufmerksamkeit der Verwaltung wiederholt in Anspruch genommen. Um sich von dieser Last zu befreien, hat der Vorstand im verflossenen Jahre mit einem rechtskundigen Vereinsmitgliede sich berathen und kam zu dem Schluffe, daß man sich vor Allem an den Stadtmagistrat als politische Gemeindebehörde wenden und um Ersatz wenigstens der Beerdigungskosten für heimathberechtigte Armen nachsuchen solle. Die Vorstellung wurde von vr. Hausmann verfaßt, vom Vorstande übergeben und hatte den Erfolg, daß der Münchner Armenpflegschastsrath die obengenannte Verpflichtung anerkannte, aber nur zur Bezahlung jenes Betrags sich für schuldig erklärte, welchen er bei den andern Religionsbekenntnissen an die städtische „Leichenkasse" zu bezahlen habe, nämlich 4 fl 56 kr., und bekräftigte dies durch sofortigen Erlag von 9 sl. 52 kr. für Beerdigungskosten zweier hiesigen Israeliten. Eine gleichartige Vorstellung wurde an die Administration der israel. Cultus-Gemeinde gerichtet, und hofft man auch hievon, bei rühmlichst bekannter Liberalität derselben, einen günstigen Erfolg. Aus all' dem ergibt sich, daß nicht nur dem Vereinszwecke in jeder Beziehung Rechnung getragen wurde, sondern daß auch die finanziellen Verhältnisse desselben als sehr günstige zu bezeichnen sind. Nock eines ist cs, was bei dieser Gelegenheit wiederholt hervorheben zu können ich mich freue, es betrifft die Vorträge meines hochverehrten Herrn Lehrers Josef Wolfs he im er i"^, an welchem der Verein ein Juwel eines echten Predigers besitzt. Rabbin. Cand. S kutsch. Berlin Am 4. Mai Vormittags fand die feierliche Eröffnung der Berliner tzo Volksküche an der Spandauer Brücke Nr. 8 statt. Um 10 Uhr versammelten sich in den freundlichen Kellerräumen derselben der Vorstand, die Vorstands- und die Aufstchtsdamen, denen sich aus freier Anregung verschiedene achtbare Mitglieder der Gemeinde angeschloffen hatten.