Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 24 (16.6.1869)
- Date
- 1869-06-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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474 Theile hin, und die Schätze des.'Himmels fanden dort ihren Abfluß. Daß aber auch' alles dies Heilvolle die Gattin nach dem Ausspruche unserer Weisen zuführt, ist bereits hier mitgrtheilt worden. Ihr Tod wirkt demnach auf den Gatten ebenso deprimirend und schrcckenerregend und bewirkt eine solche Verwüstung im ganzen Hauswesen, wie sie die Zerstörung des Heiligthums in dem Haushalte Israels hervorgerufen hat. Und galt der Tempel als der Schmuck und Glanz des Volkes, so darf dies nicht minder die Gattin dem Manne sein. Wenn demnach unsere Weisen einen so segensreichen Einfluß der Frau zugeschrieben haben, so wollten sie einerseits uns ihren nicht zu unterschätzenden Werth vor die Seele rufen, anderseits aber zugleich auch zu erkennen geben, daß ihr eine, ihren Leistungen und Erwartungen entsprechende Behandlung von Seiten ihres Ehemannes zu Theil werden soll. Jndeß lehren sie 2. in Rücksicht der ihr gebührenden Achtung und der ihr mit Recht zukommenden Gleichstellung noch ausdrücklich, wie folgt: ‘pr.ütf lnaf« nfcuwa "imt dik etrr uvp nanp rpiso nyeiff. „Es sei ein Jeder auf seiner Hut, seine Gattin selbst durch Worte nicht zu beleidigen, denn, da sie leicht znm Weinen geneigt ist, könnte die ihr zugesügte Kränkung sehr drückend auf ihm lasten. (B. Mez. S. 59) Dir Frau muß also nach diesen Worten mit aller Zärtlichkeit und Schonung behandelt werden) damit sie keine Ursache habe, ihren Stand zu bereuen und zu beklagen. Eine Vernachlässigung oder Zurücksetzung würde aber um so empfindlicher sie drücken, weil sie', im Bewußtsein ihrer gleichen Ansprüche, von der Natur mit mehr Zartheit und weicherem Gefühle begabt ist, an all den Gütern deö Lebens mit derselben Berechtigung Antheil zu nehmen, und diese Hintenansetzung mit großem Unwillen nur ertragen und daher die Rache Gottes heraufbeschwören würde. — wbw nx anixn “pro rnuai vja ■p-nam netto nm* maaom idud di1?:? o ny-pi awan vty rnw\ „Wer seine Gattin wie sich selbst liebt, sie aber mehr als sich selbst ehrt, seine Söhne und Töchter auf der Tugend-Bahn leitet, auf den gilt der Hiob'sche Vers: „Du kannst der Ueberzeugung sein, daß glücklich dein Ehezelt sein wird (Jevam. 62). Da die Gattin seine zweite Hälfte, sein anderes Ich ist, so beaniprucht sie dieselbe Liebe, wie jeder sich selbst nur lieben kann. Indem sie jedoch der körperlich schwächere Theil ist, dabei aber schwerere Pflichten und größere Gefahren durch ihn zu übernehmen gezwungen ist: so ist er auch verpflichtet, sie mehr als sich selbst zu ehren und zu schätzen, sie behufs der Anerkennung und der öffentlichen Würdigung über sich selbst sogar noch stellen zu lassen. — noo nins nrwi o*w bDW obipb riDQ ~nr inisw )b zw ieü hddi ib W'v „Stets genieße der Mensch unter seinen Verhältnissen, kleide sich indeß seinem Stande gemäß, jedoch in Rücksicht der seiner Gattin zu Theil werdenden Ehre, habe er die Verpflichtung, ihr diese über seine Verhältnisse zukommen zu lassen (Chul. S. 84). Liberaler und günstiger als in diesen Worten unserer verkannten, der Intoleranz so oft beschuldigten Rabbinen, braucht wohl unser so hochgepriesenes Zeitalter, das sich hinsichtlich der Humanität gewiß höher, als unser finsteres, von Haß und Rache getragenes Alterthum dünkt, sich nicht über die Stellung der Frauen auszusprechen, wenn es diesen die vollkommene Gleichstellung in der menschlichen Gesellschaft eingeräumt hat. (Fortsetzung folgt.) zeitungsnachrichten und Eorrcspondenzen. Deutschland. Mainz, 11. Juni. Wir haben seit unserer jüngsten Veröffentlichung wiederum nicht unbedeutende Summen unfern nothleidenden Brüdern in Westrußland zugewandt. Die nunmehr geschlossene Sammlung in Mainz hat im Ganzen 4701 fl. oder 972 Thlr. ergeben, von denen bereits lange 700 Thlr. und in jüngster Zeit 272 Thlr. nach Lyck gesandt wurden. Ebendahin haben wir 458 Thlr. geschickt. 300 Thlr. haben wir auf Anlaß des Herrn vr. Rülf in Memel an Seine Durchlaucht, den Fürsten Obelins kr, Gouverneur von Kowno, für die dortigen israel. Suppenanstalten gesandt und 70 Thlr. an den Rabbiner Hirsch Löb Berlin für die darbenden Talmudschüler in W olozün. — Die Summe der von uns für obigen Zweck in diesem Jahre vermittelten Gaben beträgt nunmehr 9800 Thlr. Worms» 8. Juni. Welche Früchte die Reformen aus jüdischem Gebiete: „Orgel, Confirmation rc. zeitigen, davon gibt eine vorigen Sonntag hier gefeierte Hochzeit ein eclatantes Beispiel. Das Hochzeitsmahl' wurde vom chrtstl. Restaurateur der christl. Casino-Gesellschaft bereitet und bestand aus Krebssuppe, Ragout von wilden Enten, Wildbraten und mehr solchen unzweifelhaft „koscheren" Gerichten. — Ein jüdisches Hochzeitsmahl! Daß Gott erbarm'! In den Krebssuppen repräsentirt sich der gegenwärtige jüdische Fortschritt; es ist der Rückschritt zum Heidenthume. INÜnchen. 31. Mai. Der Zweck der Veröffentlichung von Jahresberichten lobenswürdiger Vereine — QVb par ni'Dja — wie es in diesen Blättern schon häufig geschehen und noch geschieht, soll eine Nachricht von der Thätigkeit derselben sein für alle, die an ihnen betheiligt sind oder sich für