Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 24 (16.6.1869)
- Date
- 1869-06-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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X. Jahrgang. Beilage zu Nr. 24 des Israelit. Leitender Artikel. Die jüdische Che nach biblischen und talmudischen Grundsätzen. Von Dr. Aron Hirschfeld. (Fortsetzung.) 1. WaS das Erster« betrifft, so heißt eS (Baba Mez. 59) «n ,«rpai 'd'2a «n nt> «sna ")nn« 'v'22. „Ist deine Frau von kleiner Statur, so bücke Dich zu ihr herab und vernimm ihre Worte in Betreff häuslicher wie weltlicher Angelegenheiten." Nach beiden Seiten hin muß sie tonangebend und maßgebend sein, und des Mannes Ansicht muß sich der ihrigen fügen. Ihre Umsicht und Thätigkeit wird das ganze Hauswesen gedeihen und wohlgelingen lassen und auch der göttliche Segen wird nicht lange auf sich warten lassen. Denn also heißt es (ib. S. 59) naia p«p irio« naaa imt di« «rp Ddipd Vasya «v« rwjfo. „Stets befleißige sich der Mann es an der seiner Frau gebührenden Ehre nicht mangeln zu lassen. Denn der Haussegen wird nur der Frau wegen zu Theil." Ganz in demselben Sinne hat Raw einen Aufruf an seine Stadtbewohner ergehen laffen rmynm wi ra la'^ad rppi« „Ehret eure Frauen, auf daß mit Reichthum ihr gesegnet werdet!" *) ferner nvxfr 7», Lrynw t>a "1 -»» 71310 nvtt vw ’D dt i’on nn&o ad aivi nyi R. Chanina sagte: Die Worte der Schrift: Alle Tage des Armen sind elend, beziehen sich auf den, der eine schlechte Frau besitzt; und der Nachsatz: Und der Fröhliche hat beständig Gastmähler zielt auf einen solchen hin, der im Besitze einer guten Frau ist." — Glück und Up glück, Freude und Schmerz, Frohsinn und Trauer liegen im Schooße einer Frau. In ihrer Wirksamkeit liegt entweder alles Heil, wenn sie ihren Einfluß zum Guten, oder auch alle« Unheil, wenn sie ihn zum Schlechten anwendrt. Sie ist entweder rin «LQ ein Fund, d. h. aw «rrv nvH «so. „Wer eine Gattin heimführt, führt mit ihr zugleich das Glück ein" oder ein «sid ein Schlund id rup«n >a« «sid HDD. Ich finde, daß manche Frau noch bitterer als der Tod ist; entweder ist sie ein angenehmes Gut, oder eine verzehrende Gluth, entweder eine erhebende Stütze, oder erniedrigende Pfütze, entweder ein zierli¬ *) Dergl. hier Schillers Anfang „Würde der Frauen: Ehret die Frauen! Sie flechten und weben Himmlische Rosen in's irdische Leben!" cher Schmuck oder ungebührlicher Druck (Lonhed. 100.) — Hierher gehört auch die Stelle (Ievam. 6 ‘) aa naia «>a nrw «aa .i2D «da 0-1« HDin«a2 ,min «aa non «aiyoa. „Wer ohne Gattin lebt, kennt keine Freude, kern Glück, keinen Segen; in Palästina wurde noch hinzufügt, der lebte noch ohne Gesetz und auch ohne Mauer." — Wenn ein Mann seiner Frau so Vieles und so Großartiges zu verdanken hat, der wird sie nicht nur seine größte Schonung und Zuvorkommenheit empfinden lassen, sondern ihr sogar einen Rang im Hause einräumen, der dem seinigen vollkommen gleichkommen wird. — — 21« w« n»« id ptw di« aa. „Ein Mensch ohne Frau ist noch kein vollkommener Mensch" (ibid. 63). Wer ohne Gattin noch nicht als vollwichtiger Mensch sich fühlt und weiß, daß die Frau alles Fehlende und Lückenhafte in ihm ergänzt und ihn erst zu einem wahrhaft gottähnltchen Wesen, zu Seinem Ebenbilde gestaltet: der wird sie wohl als solche auch zu würdigen wissen und neben sich in gleicher Stellung gelten lassen. — Ferner: mi7«§ «a« no 2"«;«. nayaa «*?« nno rw« p«,. „Der Mann stirbt nur der Frau und die Frau dem Manne ab! (Sanhed. 22) Wenn Mann und Frau im Leben unzertrennlich sein müffen, und nur durch den Tod von einander getrennt werden können; und wenn der Verlust eines von beiden Theilen auf den Ueberlebenden ein so nachhaltiger und schmerzlich zu empfindender ist: dann wird jeder von ihnen gleichen Antheil an den Gütern des Lebens beanspruchen können. — V? Dvv Qi« 5a V'« To «npon n'2 am ^'«a r,awmnv»K „R Iochanan sprach: ein Jeder, dem seine erste Gemahlin gestorben, empfindet einen solchen Schmerz über diesen Verlust, als wäre der heilige Tempel in seinen Tagen zerstört worden, iruv« )b nnoip di« aaiHDpya« 1"« nya naip i’*na R. Alexander sprach: Ein Jeder, der bei Lebzeiten seine Frau durch den Tod verliert, dessen Welt wird gleichsam verfinstert (ibid.) Was der Tempel für das Volk war, das sollte und mußte die Gattin jedem Einzelnen werden. Denn ihr Beruf ist eS, sein Haus, indem sie überall versöhnend und vermittelnd äuftritt, zu einem Tempel Gottes umzugestalten. Sagen doch unsere Weisen ausdrücklich (Sota 17) DH’J’a na»ar. iar;w#h enx. „Wenn Mann und Frau es verdienen, dann ruht die Gottheit unter ihnen." Ein HauS aber, in welchem Gott wohnt, ist ein Heiligthum des Herrn. War doch auch der Tempel nur das Mittel, durch welches Gott an Israel hing, wie ein Mann an seiner Frau. Von dort auS verbreitete sich aller Segen über Israel; von dort strömte Licht und Erkenntniß bis in die entferntesten