Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 24 (16.6.1869)
- Date
- 1869-06-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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472 Als Rabbi Gerschom den Saal verlassen hatte, sprach der Kaiser: „So bleibt uns denn nichts übrig, als ihm eine große Summe Geldes zu geben. Der verstockte Jude selbst hat es nickts anders gewollt." Bis jetzt hatte Johann noch kein Wort gesprochen. Jetzt aber hielt er eS für an der Zeit, den Unwillen des Kaisers zu benützen. „Herr", sprach er, „meint Ihr, der Jude habe sich nickt schon selbst bezahlt gemacht? Wie viel mag er von dem Silber an sich genommen haben, das der Schatzmeister ihm verabfolgt hat!" „Nein", sagte der Kaiser entschieden, „das hat er nicht gethan; er ist redlich und uneigennützig." „Und glaubt mein Herr und Kaiser," entgegnete der Patriarch, „daß eS redliche und uneigennützige Juden gibt?" „„Hat doch Gerschom,"" entgegnete der Kaiser, „„als er der Prinzessin Theodora das Leben rettete, jede Belohnung zurückgewiesen, und nur um die Zurücknahme des gegen die Juden erlassenen VerbannungSdecretes gebeten!"" „Ja," sagte der Patriarch, „wenn es sich um Juden handelt! aber den Christen gegenüber sind sie treuloS. Ihr seht doch, großmächtigster Kaiser, selbst dieser geschickte und gelehrte Jude bleibt ebenso hartnäckig bei seinen Jrrthümern wie der geringste Händler." „Nein," sagte der Kaiser, „Ihr thut ihm Unrecht; er hat nichts veruntreut!" „Mo» nahm Johann das Wort, „sich überzeugen und den Thron wägen. Sicherlich hat der Schatzmeister genau ausgeschrieben, wieviel Silber er dem Juden aus der Schatzkammer hat verabfolgen lasten." „Ich habe Alles genau ausgeschrieben," sagte der Schatzmeister, als der Kaiser ihn fragend anblickte; „es sind zu dem Kunstwerke etwas mehr als fünfzig Centner gediegenen Silbers, theils in Barren, theils in Geräthen, verwandt worden." „Gut denn," sprach der Kaiser, „so laste den Thron wägen, Schatzmeister! Ihr werdet Euch überzeugen, daß Nichts am Gewichte fehlt!" „Aber," entgegnete der Schatzmeister, „wie kann ich dm Thron wägen ohne ihn vorher zu zertrümmern? Man kann keine Wagschale Herstellen, die groß genug wäre, um das Gewicht eines solches Riesenwerkes zu bestimmen." „So rufet den Rabbi herein," sagte der Kaiser, „er wird uns angeben können, wie man das Gewicht deS Thrones erforscht." Als Rabbi Gerschom wieder eingetreten war, sagte der Kaiser: „Gerschom, man hat behauptet, Du habest Dich schon von dem Dir ausgelieferten Silber bezahlt gemacht. Ich habe Dich vertheidigt, denn ich habe mich von Deiner Redlichkeit überzeugt. Ich möchte aber gern alle Welt überzeugen. So sage uns denn, wie man den Thron wägen kann!" „Mein Herr und Kaiser," entgegnete Rabbi Gerschom bekümmert, „habe ich es verdient, daß ein solcher Verdacht gegen mich aufsteigt? Habe ich nicht gleich anfangs, ehe ich an die Ausführung des Werkes gegangen bin, gesagt, daß man mir vertrauen müsse? Ich habe kein Loth von dem mir übergebenen Silber veruntreut; ich habe aber die vielen, bei der Arbeit beschästtigt gewesenen Gehilfen nicht so beaufsichtigen können, daß diese nicht vielleicht manches Stückchen Silber auf die Seile gebracht haben. Auch mußte das Silber geläutert werden und um gar Vieles ist durch den Abfall der Schlacken das Gewicht verringert worden. Das Alles habe ich meinem Herrn und Kaiser im Voraus gesagt, und nun will man mir nachwägen?" „Ihr werdet ihn, mein Kaiser," sagte der Patriarch, „nicht eher belohnen können, bis Ihr wißt, wieviel er sich bereits selbst genommen!" Du hast Recht, Patriarch," sprach der Kaiser zornig. „Du aber, Gerschom, sage uns gleich, wie man den Thron wägen kann, ohne ihn zu zertrümmern. „Ich weiß es nicht," sagte der Rabbi." „Du weißt eS nicht," rief der Kaiser ergrimmt aus, „Du, der Alles weiß, solltest das nicht wissen? Ich befehle SD'ir, Mch M „„9tiemani> Tann mir befehlen zu sagen, was ich nicht weiß!"" „Du willst mir trotzen? So höre meinen Spruch: Du erhältst keine Dareike Belohnung, so lange eS uns nicht gelingt, den Thron zu wägen. Gelingt es uns aber und das Gewicht ist geringer als das des Dir verabfolgten Silbers, so stirbst Du den Tod des Verbrechers. Jetzt geh!" Rabbi Gerschom ging niedergeschlagen von dannen. Der Kaiser ließ alle Künstler von Konstantinopel rufen und befahl ihnen, eine Wage zu constrmren,, durch die man das Gewicht von Rabbi Gerschom's Kunstwerk bestimmen könne. Die Künstler bauten und construirten lange Zeit. Der. Eunuch Johann bot dem, der die Wage vollende, eine große Belohnung; vergeblich, eine solche Waqe konnte nicht gebaut werden, und der Thron des Kaisers blieb ungewogen. (Fortsetzung folgt.) n Mez. so bü in Be Nach maßg« der ih das g sen ui auf si 59); Mann mang« der Fi hat R Heu tc Frauei ^etaet TJD1& 7 Chanii des 8 eine st Fröhli solchen Glück und T Wirksa Einsts zum C «in F, Goltm ein" o rnvv. der Tr oder ei Stütze, Hierzu drei Beilagen. V i Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hosbuchhandlung. — Dampf - Schnellprefsendruck von I. Gottsleben in Mainz.