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Der Israelit · 1869-06-16 · Heft 24 (16.6.1869) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 24 (16.6.1869)
Date
1869-06-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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471 nungsverschiedenhelt obwaltet. Tritt Jemand in den Dienst des Königs, so geht an dem prunkvollen Hofe die Sittenreinheit, die Charakterfestigkeit verloren. Wie viele Schmarotzer und Schmeichler umschwirren den Fürsten! Keiner hat den Muth einer Meinung, Niemand tritt offen auf! Durch Ränke und Hinterlist sucht einer den andern zu verdrängen! — Habe doch auch ich, während der Zeit, daß ich im Dienste des Kaisers stehe, das Talmudstudium, das da ist die Quelle unseres Lebens, vernachlässigt! War es nicht eitle Ruhmbegierde, die es mich unternehmen ließ, für den Kaiser den Thron Salomo's herzustellen? Möge Gott mir meine Sünde verzeihen! Wie viele unbezahlbare Stunden habe ich doch dadurch der Thora entzogen!" So sprach er vor sich hin in düsterster Stimmung, bis er auch die überwand und aus der Lehre unseres Gottes Frohsinn und Heiterkeit schöpfte. Nach einigen Tagen versammelte der Kaiser seinen Staatsrath, damit dieser bestimme, welch' glänzende Belohnung dem Verfertiger des Thrones zu Theil werden solle. Dem Kaiser erschien jede Belohnung zu gering für das wunderbare Kunstwerk. „Ihr Räthe meiner Krone," redete der Kaiser den versammelten Staatsrath an, „Ihr wißt, weßhalb ich Euch berufen habe. Ihr Alle knnt den vorzüglichen Mann, der meines Bruders Tochter vom Tode errettet und mir den wunderbaren Thron gebaut hat. Ich möchte ihn belohnen wie noch kein Fürst seinen Diener belohnt hat; ich möchte ihn erheben wie Pharao den Joseph erhoben hat zum Herrscher des Reiches und Mitregenten. Glücklich das Reich, in welchem die Weisheit auf dem Throne sitzt! Allein er ist ein Jude, und wie könnte ich einem Juden Theil geben an der Regierung meiner Völker? Deßhalb muß ich aus eine andere Belohnung sinnen; doch scheint mir jede gering im Vergleiche zu seinen Verdiensten. Deßhalb rathet Ihr mir, Ihr Herren. Was soll geschehen dem Manne, den Euer Kaiser ehren will?" Während der Anrede des Kaisers war der Eunuch Johann blaß geworden wie ein Todter; er wollte sprechen; allein die Stimme versagte ihm vor Ingrimm und Zorn. Unterdeß erhob sich der Patriarch, der erste Geistliche des Reiches, und sprach: „Mein Herr und Kaiser, auch ich bewundere den weisen Juden nicht minder wie Ihr es thut; auch ich möchte wünschen, daß ein so großer Geist hervorragenden Antheil nehme an der Negierung des Landes. Ihr sagtet, großmächtigster Kaiser, daß das nicht möglich sei, weil Gerschom ein Jude ist. So mag er doch seine Jrrthümer abschwören und sich dadurch der Erhebung würdig machen. Ein so weiser Mann muß ohnehin ja von der Wahrheit des Christenthums überzeugt sein." „Ihr mögt Recht haben, Patriarch," entgeguete der Kaiser, „wenn er sich aber dennoch weigert?" „„Dann verdient er die Gnade meines frommm und rechtgläubigen Kaisers nicht." Basil ließ einen Diener kommen und befahl ihm, den kaiserlichen Staatswagen Vorfahren und augenblicklich den Rabbi herbeiholen zu lassen. „Rabbi," redete der Kaiser den Meister an, als dieser eingetreten war, „ich möchte Dich für Deine hohen Verdienste belohnen wie einst Pharao den Joseph belohnte. Schwöre die Jrrthümer Deines Glaubens ab, werde Christ, und Du sollst d?r erste Rath meiner Krone werden." Rabbi Gerschom erschrack, als er diesen wohlgemeinten Vorschlag vernahm. Was sollte er dem Kaiser entgegnen? Konnte er die Annahme dieses Vorschlages verweigern, ohne den eigenen Glauben höher zu stellen und dadurch den Kaiser, die anwesenden Kirchenfürsten und Staatsräthe aufö Tiefste zu verletzen und zu erzürnen? Da fiel ihm ein, was er dieser Tage über Menschern, den einstigen Genossen Hillels gedacht hatte, und er entgegnete rasch: „Großmächtigster Kaiser, machet mich nicht zum Rathe Eurer Krone, lasset mich bleiben was ich bin und auch fürder meiner Kunst und meiner Wissenschaft leben. Ihr habt ja der einsichtvollen Räthe genug; ich aber hange der Wissenschaft und der Forschung an. Laßt diese mich fördern; Ihr wißt ja, ich kann auch so meinen Mitmenschen nützlich sein." „Du willst mir ausweichen," entgegnete der Kaiser, „Du willst nicht Christ werden!" „„Und wie sollte ich untreu werden dem Glauben meiner Väter, sollte um irdischen Vortheils willen verleugnen, was ich für wahr erkannt habe?"" „Nicht um irdischen Vortheils willen," fiel der Patriarch ein, „sondern um Eures ewigen Heiles willen! Ein so weiser Mann wie Ihr muß längst die Jrrthümer Eures Glaubens eingesehen und die Heilswahrheiten des Christenthums anerkannt haben!" „Laßt uns," erwiderte Rabbi Gerschom, „darüber nicht streiten. Ihr seid in Eurem Glauben geboren und erzogen und ich in dem meinigen. Ihr haltet das Christenthum für die Wahrheit; ich finde die Wahrheit einzig im Judenthum. O, großmächtiger Kaiser, dringet nicht ferner in mich. Ihr wißt, ich bin Euer gehorsamer Sclave in Allem, was Ihr mir gebietet, nur in Dem nicht, wofür ich dem Herrn der Heerschaaren, dem König der Könige, dem allmächtigen Gott verantwortlich bin." Des Kaisers Antlitz verfinsterte sich. Er befahl dem Rabbi abzutreten, damit der Staatsrath weiter berathen könne. Im Vorzimmer solle er auf die Verkündigung des Beschlusses harren. — K.; l-'fi t *; 1 ..Sr- M

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