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Der Israelit · 1869-06-09 · Heft 23 (9.6.1869) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 23 (9.6.1869)
Date
1869-06-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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452 .V' uns drei Nachwahlen bevor, nämlich in Stuttgart Laupheim und Jebenhausen. Die Wahl des Herrn Stern wird, obgleich er zur Zeit im Auslände sein Domizil hat, nicht anzufechten sein, wie seine Gegner in der Residenz es wünschen, da er noch Württemberger und Kirchengenosse seiner diesseitigen Heimathgemeinde ist, auch nur mit Urlaub den ausländischen Dienst angenommen hat. Dirst. hat sür ■ die Orthodoxie großen Wrrth und dem Minister wird es erwünscht sein, diese wichtige Stimme im Rath der Delegrrten von Mund zu Mund zu vernehmen. Berlin, 2. Juni. Im Reichstag des norddeutschen Bundes erfolgte heute die erste und zweite Berathung über den Antrag der Abg. M. Wiggers (Berlin) und Genossen, wegen Annahme eines Gesetzentwurfs, betreffend die Gleichberechtigung der Confessionen in bürgerlicher und staatsbürgerlicher Beziehung. Der Gesetzentwurf lautet: „Gesetz, betreffend die Gleichberechtigung der Confessionen in bürgerlicher und staatsbürgerlicher Beziehung. Einziger Artikel: Alle noch bestehenden, aus der Verschiedenheit des religiösen Bekenntnisses hergeleiteten Beschränkungen der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte werden hierdurch aufgehoben. Insbesondere soll die Befähigung zur Theilnahme an der Gemeinde- und Landesvertretung und zur Bekleidung öffentlicher Aemter vom religiösen Bekenntniß unabhängig sein;" — fast ohne Debatte wird der Entwurf mit großer Majorität angenommen. Posen. Wir erhielten den einunddreißigsten Bericht über die Verwaltung und den Zustand der israelitischen Waisen-Knaben - Anstalt zu Posen (Jahr 1868). Rach demselben wurde im Laufe des Jahres ein Knabe aus der Anstalt entlassen, dagegen 2 in dieselbe ausgenommen, von denen einer aus Posen selbst und einer der Gemeinde zu Gnesen angehört. Am Schlüsse des Jahres erstreckte sich die Fürsorge der Anstalt auf 15 dem Hause angehörende Zöglinge, von denen 9 die städtischen Elementarschulen und 6 die städtische Mittelschule besuchen. Die Einnahmen betrugen 2960 Tblr., die Ausgaben 2i85 Thlr. Düsseldorf. Es wurde uns der erste Bericht über die Bildungs-Anstalt für israelitische Lehrer in Düsseldorf und über den Verein zur Unterhaltung derselben, erstattet von dem Vereins-Vorstände, zugeschickt. Wir entnehmen demselben Folgendes: Als vor 2V4 Jahren von Seiten eines provisorischen Comites zur Gründung eines Seminars aufgefordert wurde, in welchem ebenso treu dem Religionsgesetze anhangende wie gesetzlich qualisicirte und allseitig berufstüchtige jüdische Lehrer ausgebildet werden sollten, hat dieser Aufruf durch Gottes Beistand in vielen Kreisen Beifall und Anklang gefunden. Einer am 25. März 1867 berufenen ersten General-Versammlung konnten bereits mehr als Zweitausend Thaler, für mindestens fünf Jahre zugesicherte JahreS- Einnahmen nachgewiefen und zugleich eine von der Kgl. Regierung ertheilte Concession vorgelegt werden. Auf Grund dieses Nachweises hat die erwähnte Versammlung den „Verein zur Unterhaltung eines jüdischen Lehrer-Seminars in Rheinland" gegründet, das Vereins-Statut festgestellt und den ersten Vorstand gewählt. Nachdem es bern Vorstände Qelunqen war, einen durch langjährige pädagogische Wirksamkeit bewährten Gelehrten als ständigen Hauptlehrer für das Institut zu gewinnen, wurde die untere Claffe des Seminars am 11. Juli 1867 mit 5 Schülern eröffnet, deren Zahl sich spater auf acht gesteigert hat. Diese haben seitdem (außer einem geringen von ihren Angehörigen geleisteten Beitrage) auf Kosten des Vereins in der Anstalt selbst Wohnung und Beköstigung erhalten und sind nach dem von der statutenmäßig erwählten Fach-Commission entworfenen und von der Kgl. Regierung genehmigten Lehrplane (bis zum Juli v. I. in der unteren, nachher in der oberen Abtheilung der zweiten Classe) unterrichtet worden. Gemäß dem veröffentlichten Berichte unserer Fach-Commission hat die wiederholentlich von ihr therlS privatim, theils öffentlich abgehaltene halbjährliche Prüfung der Schüler jedesmal ein sehr erfreuliches Resultat ergeben und die Königl. Regierung zu Düsseldorf hat uns bereits im vorigen Jahre durch Rescript mit Bezugnahme auf eine siebenstündige vom Herrn Regierungs - Schulrathe abgehaltene Prüfung, deren Ergebniß als „sehr günstig" bezeichnet wird, ,>für zweckmäßige Einrichtung des Instituts und für gute Resultate des Unterrichts" ihre Anerkennung ausgesprochen. Wir dürfen also der ferneren segensreichen Entwickelung unserer Anstalt vertrauensvoll entgegensehen. Der Verein darf aber auch aus der seit seiner Begründung beständig stattgehabten Vermehrung seiner Mitgliederzahl und der ihm zugewendeten Gaben mit Befriedigung erkennen, daß in immer weiteren Kreisen der von ihm verfolgte Zweck Billigung findet, sein Streben mit Beifall begrüßt und theilnehmend gefördert wird. Der mit der statutenmäßig erforderlichen Decharge versehene Rechnungsabschluß, welcher der am 22. März d. I. zusammengetretenen 2. General- Versammlung vorgelegt worden ist, weist ungeachtet sehr bedeutender für die Einrichtung und Unterhaltung des Instituts geleisteter Ausgaben doch einen nicht unbeträchtlichen (vorläufig theilweise zinstragend angelegten) Ueberschuß der Einnahmen nach. Die gegenwärtig in der Anstalt befindlichen Zöglinge können mit den bereitftehenven Mitteln bis zur Reife für ihren Beruf vorgebildet, und es könnten auch zu gleichem Zwecke noch einige neue Schüler ausgenommen werden. Freilich werden vom nächsten Herbste an

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