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Der Israelit · 1869-06-09 · Heft 23 (9.6.1869) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 23 (9.6.1869)
Date
1869-06-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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451 dienst ist übertünchteS Heidenthum und euer fortgeschrittenes Leben ist ein Fortschritt zu Sünde und Laster. Erinnert euch eurer Väter und Großväter, bedenket, daß Mannbeim einst war eine crc^ri r^o tjj DosiDi, eine Stadt voller Weisen und Schriftgelehrten und erkennet, daß ihr wandelt auf abschüssiger Bahn! Was haken eure Reformratbinen, eure Orgel und Gcbetverstümmelung, eure Confirmation und euer gemischter Chor euch schon Gutes gebracht? Euch haben sie vergessen lassen den Gott eurer Vater und Seine heiligen Gebote — und wohin werden sie eure Kinder führen? Die Feder streubt sich, es niederzuschrciben. Gott bessere es! — □ INÜNihcn, 20. Mai. Bei der soeben stattgehabten Wahl zur bayerischen Kammer der Abgeordneten, wurde Herr I. L. Kohn, Kaufmann in München als Ersatzmann gewählt. In Nürnberg Hr. Dr. Frankenburger zum Allgeordneten. Aus Nayern Der in diesen Blättern wegen seiner heftigen Aeußerungen gegen die Juden bei Gelegenheit der LanttagSwahlen erwähnte katholische Caplan Frank aus Löhrieth ist der Sohn des verstorbenen jüdischen Lehres F. aus Obbach; ein j Bruder dieses judeuseindlichen Juden — 'S by «jkn N*n ,40tC” fcons? — ist ein evangelischer Geistlicher!!! Aus Mittclfranken. Ihr Berichterstatter aus München ist im Irrthum, wenn derselbe den Erzbischof von'Scherr als Referenten deö Schulgesetzes nennt; nickt dieser, sondern der Bischof von Dinkel war der Referent. Ueber den Fall des Schulgesetzes brauchen die israel. Lehrer sich nicht sehr zu grämen, denn trotzdem die ReligicnSlehrer in ihren Bitten auf das Schulgesetz vertröstet wurden, ist ihrer weder im Gesetz gedacht noch sind sie bei den Debatten genannt worden. Hoffen wir, daß der neue Landtag es besser mache. —nn. Aus Wü^ttemb r«; Die am 19. v. M. Vorgenvmmenkn Delegirtenwahlen zu der Synode, welche im Spätjahr, „auf einige Tage," wie der Minister sagt, nach Stuttgart einberufen werden wird, i um den vorläufigen Kirchenstatutsentwurf zu berathen, j sind bis auf Stuttgart und Laupheim, wo > Nachwahlen anzuordnen sind, vollendet. Die Reformi Partei schickt einschließlich des von AmtSwegen daran! theilnehmenden Kirchenraths Rabbiner Dr. v. Maier j in Stuttgart, 4 Rabbinen ins Feld, nämlich die Hrn.! Dr, Wassermann in Mühringen, Weimann j in Buchau und Dr. Si!berstein in Butten- Hausen. Diese Herren verdanken ihre Erwählung j dem Umstand, daß sie dem Landvolke versprechen, die! materielle Domiziliantensteuerfrage zu Gunsten der kleine-! reu Gemeinden, deren Interesse hierin mit den Städ- | ien, worin viele Nichtbürger domiziliren, collidirt, zur! Entscheidung bringen wollen. In Wahrheit aber kann und soll den schwächeren Landgemeinden in anderer und nachhaltigerer Weise zu Helsen gesucht werden und zwar einestbeils, indem man ihnen keine Ausgaben gegen ihren Willen ausbürdet, und anderentheils indem sie ans der Centralcasse ausreichende Hilfe erkalten. Der Rabbiner Berlinger, welcher in Brauns b ach (gegen RecktSconsul Hirschmann in Crailsheim) gewählt worden ist, bietet durch Abstammung und Schule Garantie, daß die Orthodoxie in ihm Suecurs finden werde. Das juristische Element findet seine Vertretung nicht nur durch die 3—4 rechtsgelehrten Oberkirchenvorsteher , denen ex oktioio in der Commission Sitz und Stimme eingeräumt ist, sondern auch durch die Wahl der Rechtsanwälte Nördlinger in Stuttgart für Oberdorf (gegen Iß G'utmann daselbst) und Kallmann in und für Heilbronn (gegen Lehrer Löwenstein dort). Wenn in Stuttgart der O -G.- Procurator Heß von Ulm und in Laupheim der Advocat Dr. Lebre ch 1 auch von Ulm sollte gewählt werden, wie das Gerücht gebt, so fände Herr Nördlinger starken Beistand in se'ner Bekämpfung deö oberbehördlichen BureaucratiSmus und deS projeclirten Glaubenszwanges. Hierin gehen diese 3 Juristen, so verschieden auch ihre Wege von denen der gesetzestreuen Israeliten sind, einig mit den Vertrauensmännern der Orthodoxie, welche den Seminarlebrer Stern in Wür.zburg für Mergentheim, den pensionirten Lehrer Levy in Stuttgart für Frendenthal und den Handelsmann A. Selz in Niederstetten für W ei k er sheim erkoren bat. Religionsfreiheit, kein Gewissenszwang, Autonomie der Gemeinde: daö ist die Parole der Orthodoxen, die sich in Gewissens- und Glaubens - sacken ebensowenig majorisiren lassen mag, als sie Dissenters einen Zwang anthun will. In diesen heiligsten Dingen herrsche Fre heit und Gleichheit für alle Parteien. In Heilbronn wurde nicht Herr Rabb. Dr. Engelbert, der sich anfänglich auch mit deni Gedanken getragen haben soll, als Candidat anfzntretcn, sondern der von ihm warm nnd öffentlich protegirte Reck tsconsn'ent Kallmann, einst sind, theol, mit kleiner Majorität gewählt. Bier weniger gegen den Lehrstand voreingenommene Stimmen hätten hingereicht, die Wagschale aus die Seite des Gegenkandidaten zu neigen. Die Localprefse hat diesen Wahlkampf b!S zum Ukberdruß besprochen und die s. g. Fortschrittspartei hat dabei ungeschickter Weise den Nagel aus den Kopf getroffen, der in ihr eigenes Fleisch treibt. Herr Kallmaun, ein ruhiger und von seinem eigentlichen Berus ohnehin genügend im Anspruch genommener Manu, wird wohl keiner der äußersten Parteien sich anschließen, sondern die Mittlerrolle in der Delegirtencommission übernehmen. Auch in Göppingen hat man sich der Wahl enthalten, weßhalb in Jebenhausen ein giltiges Ergebniß nicht erzielt weiden konnte. Hiernach stehen

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