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Der Israelit · 1869-06-09 · Heft 23 (9.6.1869) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 23 (9.6.1869)
Date
1869-06-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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X. Jahrgang. Beilage z« Rr. 23 des Israelit. Leitender Artikel. Die jüdische Che nach biblischen und talmudischen Grundsätzen. Von Dr. Aron Hi r schfeld. (Fortsetzung.) Ein ähnliches Bewandtniß fand auch bei Saul nnd David statt. Saul, als der erste König von ganz Israel, emporgehoben aus dem jüngsten Stamme und selbst von diesem aus der niedrigsten Familie (1 Sam. 9, 21), erregte gewiß, wegen seiner erlangten Macht und seines außergewöhnlichen Ansehens, großen Neid bei seinen Mitbürgern. Um seine Gunst buhlten nu r Tausende, die ihn früher unbeachtet gelosten haben. Wer würde es wohl unter den jetzigen Umständen nicht als das größte Glück gehalten haben, sein Schwiegersohn werden zu können? Aber wem sollte er nun seine Tochter in die Ehe geben, wer war ihrer würdig? Als er jedoch in der höchsten Noth war, und einem mächtigen, rachedurstigen Heere, an besten Spitze ein furchtbarer Riese Gott und Seine Schaaren täglich lästerte und schmähete, gegevüberstand, da konnte der erschreckte König keinen höhern Preis, als seine Tochter demjenigen bieten, der in einem Zweikampf den hochmüthigen Goliath getödtet baben werde. And David war der Sieger und erhielt für diese wie für eine andere Heldenthat die Michal, die den armen Hirtenjungen zärtlich liebte, zur Frau. Fühlte sich David trotz seiner anfänglichen Weigerungen und Bedenken, sie zu heirathen, nicht geschmeichelt und geehrt durch diese Verbindung? Niemand wird dies in Abrede stellen. Denn als ihm nach dem Tode des Saul von seinem erbittersten Feinde, dem Heerführer Abner, ein Friedenöbündniß mit dem Versprechen, ihm das Herz ganz Israels zuzuwenden, angebvten wurde, so verlangte David als erste Bedingung dieser Ausführung die Rückgabe seiner ihm gewaltsam entrissenen Gattin Michal. Aber so sehr auch sein Herz nach ihr geschmachtet haben mochte, so konnte und durfte er sie doch nicht mehr als seine Frau lieben und halten, da sie, wenn auch nur zum Scheine, bereits einem andern Manne zur Gemahlin gegeben war, der sich nur mit dem größten Schmerze und Sträuben von ihr trennen konnte. Und doch strebte er so sehnsüchtig nach dem Besitze dieser genommenen Frau. Was konnte daher wohl noch ihn so fisteln? David scheint indeß ein ganz anderes Motiv bei dem so nachdrücklichen Verlangen nach der Wiederlangung derselben veranlaßt haken, als die bloße Liebe zu ihr.! Wohl wußte und fühlte er, daß er über ganz Israel zur Herrschaft gelangen werde. Doch war ihm das Volk noch zum großen Theil abgeneigt und der Stamm Benjamin haßte ihn. Er wollte sich aber bei'm ganzen Volke beliebt machen und diese Hinneigung zum Volke dadurch bekunden, daß er als der Beschützer und der Begünstiger der Familie Sauls, der ihn so grausam verfolgte, auftrat. Zugleich konnte er durch die Wiedererlangung der Prinzessin Michal als Schwiegersohn des vorigen Königs mit desto größerem Rechte als Prätendent des Thrones auflreten, weil er auch nach dem Ableben des schwachen Jschboseth als rechtmäßiger Erbe erscheinen konnte. Ganz dasselbe scheint aber auch nach dem Ableben dieses Königs seinem, schon bei Lebzeiten des Vaters nach dem Throne strebenden Sohne Adonijah vorgeschwebt zu haben', wenn er die Mutter des Salomo bat, bei ihrem königlichen Sohne zu bewirken, daß ihm die Abisag, des Vaters Pflegerin, zur Gattin übergeben werde. Jedoch auf die Fürsprache der Bathseba für ihn, wurde Salomo so heftig erregt, daß er in die Worte ansbrach: „Warum bittest Du denn um die Sunamiterin Abisag für Adonija ’jco *n« «»n »a naiven r\x verlange doch lieber für ihn gleich die Regierung selber, denn er ist ja mein älterer Bruder" (1 Kön. 2, 22). Aber wie paßt denn diese Antwort auf dieses scheinbare ganz unschuldige Gesuch? Denn von Rechtswegen konnte diese dem Adonija nicht verweigert werden, weil David die Sunamiterin nie als Frau gehalten hatte. Und doch hatte Salomo seinen tiefen und weisen Grund, sie ihm vorzuenthalten und triftige Ursacke, in so heftigen Zorn über dieses Verlangen zu gerathen. Denn er hatte in dieser Forderung zugleich tief in das Herz seines unruhigen Bruders geblickt. Wohl war es ihm nicht entgangen, daß dieser alles Mögliche aufgeboten hatte, als König von Israel sich proklamiren zu lasten. Doch durch einen Machtspruch Davids wurde sein Plan vereitelt, und der jüngere Salomo ihm als Nachfolger aus den Thron vorgezogen. Aber wie, konnte dieser, wenn auch augenblicklich zu gedrängt, seine scheinbar größere Rechte auf die Regierung schon gänzlich aufgegeben haben? Er agirte daher im Stillen und sann auf Mittel, sich des Thrones doch noch bemächtigen zu können. Hiezu schien ihm der Besitz der Abisag den passendsten Vorwand gegeben zu haben. Denn an ihrer Seite, da sie doch als die letzte Gattin des Königs galt, hoffte er um so eher an das Ziel seiner Wünsche gelangen zu können, weil er glaubte durch den Besitz der königlichen Wittwe, die eine beliebte Persönlichkeit gewesen zu sein schien, einen größeren Anhang beim Volke zu finden, vermittelst

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