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Der Israelit · 1869-06-09 · Heft 23 (9.6.1869) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 23 (9.6.1869)
Date
1869-06-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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447 Amerika. Lima, (Peru). Die hiesigen Juden hatten die Regierung der Vereinigten Staaten um ihre Verwendung bei der Peruanischen Regierung ersucht, daß ihnen erlaubt werde, einen eignen Friedhof anlegen zu dürfen. Die nord-amerikanische Regierung ist diesem Ersuchen bereitwilligst nachgekommen, und die Erlaubniß wurde auch bald gegeben. Feuilleton. Aas Licht der Aiaspora. VII. Untreu! Der prachtvolle Tbron war vollendet. Da er voraussichtlich nicht durch die Thüren deS Palastes, die zum Thronsaale führten, zu verbringen war, so hatte man die Pforten erweitert. Basil II. hatte alle Großen seines Reiches nach Constantinopel berufen, damit sie der Aufstellung des Thrones beiwohnten. Cie alle waren im Thronsaale versammelt, als Rabbi Gerschom das in Decken g> hüllte Kunstwerk herbeibringen ,ließ. djls man die Hüllen entfernte, da ging ein bewunderndes „Ach!" durch die Reihen. Sahen doch die Thiere aus wie wenn sie lebten! Leuchteten doch die Diamanten in ihren Augen wie Augensterne leibender Wesen! Als man lange jedes einzelne Stück — jedes für sich ein vollendetes Kunstwerk — bewundert hatte, fragte der Kaiser: „Wie kommtS, daß die Taube den Sperber im Schnabel bat. die unschuldige, sanfte Taube den wilden Naubvonel?" „„Das soll uns lehren,"" sprach der Rabbi, „„daß durch die Allmackt GottcS die Unschuld Herr wird über den bösen Näubett — Wird mein gnädigster Herr, jetzt den Thron zu besteigen geruhen?"" Bast! setztr seinen Fuß auf die unterste Stufe; da erhob sich mächtiglich der Stier und brüllte, und der Adler stieg auf, die gewaltigen Schwingen entfaltend. Schnell trat der Kaiser zurück; ein Gefühl I Angst überkam ihn. i „Bcst'ige du, o Meister," sprach er, „zuerst den Thron, damit ich sete, wie man hinaufkommt, ohne beschädigt zu werden." Atbemlose Srille herrschte im Saale, wahrend Rabbi Gerschom furchtlos dem Throne zuschritt; und als er die erste Stufe bestieg, da erheb sich brüllend «der Stier und schreiend stieg der Adler auf; und als'!tt die zweite Stufe betrat, da sprang der Wolf auf und öffnete seinen silbernen Rachen und streckte lechzend die Zunge hervor, und auch das Schaäf stand auf und erhob seine klagende Stimme; ebenso erhoben sich der Adler und das Kamee! auf der dritten, der Adler und der Pfau auf der vierten Stufe; dieser breitete sein glänzendes, reich mit Edelsteinen besetztes Gefieder ans und entfaltete sein köstliches Rad; auf der fünften Stufe erhoben sich die Katze und der Hahn und schrien, wie wenn sie lebten, und auf der sechsten ebenso die Taube und der Sperber. Rabbi Gerschom blieb eine Zeitlang aufrecht stehen auf dem Throne, da hörte man das Geschrei der Thiere, das Rauschen der Fittige der Vögel, und in allem dem war kein wirres Durcheinander, sondern eine wundervolle Harmonie. Dann setzte er sich und plötzlich schwieg Alles; aber der Adler auf der vierten Stufe stieg empor, die Krone im Schnabel haltend, flog hoch auf und setzte die Krone sanft auf des Rabbi Haupt; dann flog er wieder empor und blieb schwebend über dem Haupte des Sitzenden. In höchster Spannung war Alles jeder Bewegung des Rabbi gefolgt; jetzt brach ein wahrer Beifalls* sturm los; der Kaiser klatschte in die Hände. Als sich Rabbi Gerschom erhob, nahm der Adler die Krone von seinem Haupte, und während er herunterstieg, begann das Concert der Thiere aufs Neue, bis er die unterste Thronesftufe verlassen hatte. Nunmehr bestieg der Kaiser den Thron, und dasselbe Schauspiel wiederholte sich. Der Kaiser war überglücklich; er verließ den Thron und umarmte den Rabbi vor seinem versammelten Hofe. Dann zog er einrn kostbaren Ring von seinem Finger, reichte ihn dem Meister und sprach: „Ich werde Dich reich, sehr reich belohnen; fürs Erste nimm diesen Ring; in welche Föhrlichkeit Du immer kommen magst, so laß ihn mir vorzeigen, und Du kannst meiner Gnade sicher sein." Rabbi Gerschom dankte dem Kaiser und kehrte in sein Haus zurück. Der Eunuch Johann war außer flch vor Zorn und Neid; er ging in seinen Palast und ließ seinen Neffen, Michael, der Paphlagonier, zu sich rufen. „Michael," sagte er, als dieser erschien, „erzähltest Du mir nicht, daß Du ein Jndenmädchen liebtest?" „„Aber ich kann Euch schwören, Herr, daß ich das Mädchen nicht wiedergesehen habe, wie ich eS Euch versprochen."" „Ich weiß es, und nicht deßhalb fragte ich Dich. Weißt Du, was aus dem Mädchen geworden?" „„Nein, mein gnädiger Oheim."" „So will ich es Dir sagen. Ihr Vater ist bei dem großen Brande umgekommcn; sie hatte schon früher den Meister Gerschom geheirathet, von dem alle Welt jetzt spricht." „„Und warum erzählt mir mein Oheim daS?""

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