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Der Israelit · 1869-06-09 · Heft 23 (9.6.1869) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 23 (9.6.1869)
Date
1869-06-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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443 kennen, hüllte sich in tiefes Schweigen und ließ nur Vermuthungen Raum. Man möchte, so hörten wir, gar zu gerne vr. Geiger, womöglich noch vor den kommenden Feiertagen, hier haben, damit die „traurige Leere" der neuen Synagoge wenigstens an diesen Tagen anfhöre, und außer den bezahlten Besuchern auch noch zahlende sich kinsänven, und diese Anziehungskraft traue man den Reden Geiger'S zu. Um aber gegen die große orthodoxe Minorität kein so himmelschreiendes Unrecht zu begehen, solle für diese ein orthodoxer Rabbiner berufen werden. Daß für diese Stelle aber keiner der Männer, deren Namen hier allbekannt sind, und deren Gesetzestreue und Wissenschaft über allen Zweifeln erhaben ist, sondern völlig unb<kannte Namen in Aussicht genommen wurden, zeigt hinlänglich, wie ehrlich es der Vorstand mit unö meint. Außer genanntem Dr. Deck, seit ungefähr 6 Jahren Rabbiner in Lrssa. und 1)r. -Lazarus in Prenzlau, der jedoch abgelehnt haben soll, wird noch Dr. Leey aus Breslau predigen, dessen Arbeiten über jüdische Münzen dem Vorstände wohl als höchstes Verdienst um das orthodoxe Judenthum erscheinen müssen. Es freut uns, daß Wenige auf btc Kunstgriffe des Vorstandes eiozugehen bereit sind und in die Strenggläubigkeit und Fähigkeit ganz unbetannter Männer um so mehr Zweifel setzen, weil gerade die Wahl des Vorstandes auf sie gefallen. In dem Vortrage des Herrn vr. Beck hatten Viele die etwas weinerliche Stimme auszusetzen; die Predigt selbst war formell gut und inhaltlich befriedigend zu nennen. Dem Geiste nach ließ sie viel zu wünschen übrig: Man kann es zwar einem Candidaten, der gerne eine Stelle haben möchte, nicht sonderlich verübeln, wenn er Alle zu gewinnen sucht. Aber wer mit Allen liebäugelt, der genügt gar Niemandem, und ein Mann, dessen Vergangenheit so unbekannt ist, hätte mindestens in der Predigt offen seinen Standpunkt klar legen müssen, zumal da er doch als Rabbiner für die orthodoxe Partei der Gemeinde berufen werden soll. Manche unserer Bekannten waren über das an Aub erlheilte Lob, „der mit so beredtem (!) und überzeugungstreuen (!!) Worte die Gemeinde belehre," über das rühmende Hervorheben der neuen Synagoge, sebr ungehalten; es ließe sich das, wenn auch nicht billigen, doch vielleicht vertheidigen. Aber ganz indignirt waren wir über die Behauptung, daß vor Mendelssohn im Judenthum das Denken verboten gewesen sei und hier der Grundsatz gegolten habe: 'di nsy per. DaS zu beweisen, dürfte dem Herrn doch schwer fallen. ZeitttttgSttachrichten und Correspottdenzen. Deutschland. □ München, 20. Mai. Se. Kenigl. Hoheit Prinz Otto von Bayern hat eine Reise nach dem Orient angetreten, und beabsichtigt auch Palästina zu besuchen. — Dasselbe steht Ihre Maj. die Kaiserin Eugenie von Frankreich im Begriffe zu thun. Die Adresse der ungarischen Abgeordneten-Kammer bezeichnet als eine der hauptsächlichsten Forderungen des Landes völlige Gleichstellung der Confessionen. — Das soeben von Sr. Maj. dem Kaiser von Oesterreich sanktionirte Schulgesetz enthält unter Anderm die wichtige Bestimmung, daß an allen Schulen auch Israeliten als Lehrer angestellt werden können. — □ München, im Mai. An meinen Bericht in Nr. 18. des „ Israelit" über das Ergebniß der Sammlung dabier für unsere nothleidenden Glaubensgenossen in Rußland und Osipreußen hat sich die geehrt.' Red. d. Ztg. veranlaßt gesehen, eine Bemerkung zu kuüpfen. Der Inhalt letzterer bezeichnet mein, aus Ueberzeugung beigefügtes Lob als überschwänglich und zieht eine Parallele zwischen der Spende der jüdischen Gemeinde Greußenheim und der von München. Ich zweifle nun keinen Augenblick, daß eine löbl. Redactivn auf Grund Ihres mit Recht gerühmten Wohlwollens in Bezug auf jene Nothleidenden und Ihrer Unparteilichkeit mir einige Worte zur Erläuterung obengenannten Ergebnisses gestatten wird. Jedermann, der schon einmal eine größere Stadt überhaupt, insbesondere aber eine Residenz und LandeS- Hauptstadt besucht, resp. die jüdische Gemeinde einer solchen kennen gelernt hat, wird mir zugefiehen, welch* enorme Ansprüche, Bitten und Erwartungen aller Art hier Tag für Tag gemacht und ausgesprochen werden, sei es an die Gemeindekaffen selbst, oder an die bestehenden VereinScassen, oder sei es an die einzelnen Mitglieder; und dies nicht nur von zugereisten Israeliten, sondern noch weit mehr von Einheimischen. Wollte nur allein Diesen in Allem entsprochen werden, wahrlich so brauchten auS naheliegendem Grunde die Gemeinde- und Cb evros Kassen keine Verwalter mehr! Aber auch die Kassen der Mitglieder sind nicht unerschöpflich denn an D’Dna }8orc” ’JD 'd->ü! DaS weiß Jeder. Wenn nun erst noch solche außerordentliche Fälle y'n Vorkommen, so darf es Niemanden Wunder nehmen, wenn man ein noch glänzenderes Resultat erwartet hatte; es war hier nicht Zurückhaltung, sondern die Schuld liegt in den obenbezeichneten Gründen. Die Gemeinde Greußenheim kann dagegen von Glück sagen, wenn sie nur bei solchen traurigen Gelegenheiten in Anspruch genommen wird. Zum Schluffe

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