Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 22 (2.6.1869)
- Date
- 1869-06-02
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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X. Jahrgang. Beilage z« Rr. 22 des Israelit. Zeitungsnachrichten und (Sotrefpon. denzen. Deutschland. §. WürzVurg, im Mm. Eine schon ziemlich geraume Zeit ist verflossen, seitdem ich Ihnen über unsere Frankenstadt Berichte zugehen ließ; der Grund ist einfach der, daß nichts Sonderliches zu berichten war. Wir leben G. s. D. in Friede und Eintracht und haben kein Bedüriniß nach einer Leipziger Synode — oder Leipziger Schlacht. Die hiesige Gemeinde ist in fortwährendem Zunehmen begriffen, und zwar so sehr, daß unsre erst vor einigen Fahren vergrößerte Synagoge schon wieder zu klein ist, um an den deiligen Feiertagen allen Besuchern Raum zu gewähren. Unser verehrter Vorstand hat daher beschlossen, sür die kommenden h. Feiertagen ein besonderes Betlocal einrichten zu lassen. Auch im hiesigen Erziehungs¬ und Unterrichts-Institute mußte in Folge bedeutender Zunahme von Zöglingen eine neue Elaste errichtet und Bvch eine Lehrerin für die fremden Sprachen engagirt werden. In der Thal sind die Leistungen dieser Schule als sehr günstig zu bezeichnen, wie dies die jeweiligen Prüfungen an derselben zur Genüge bezeugen. — Durch das Bemühen unseres für alles jüdische Interesse und sür das allgemeine Wohl unermüdlichen Herrn DiftrictSrabbiners S. B. Bamberger dahier ist es demselben gelungen, durch desfalssige Eingabe an die h. k. Regierung, beziehungsweise allh. k. Staatsministerium zu erwirken, daß an der hikßgen Lateinschule, dem Gymnasium, für die Israeliten ein eigener Religivnslehrer angestellt wurde. Auf Präsentation des Herrn Rabbiners hat die k. Regierung mit Genehmigung des k. Staats-Minist. diese Stelle dem seit vielen Jahren am hiesigen Institute so segensreich wirken Herrn Rabb. Cand. M. Unna übertragen. Es ist wohl dies ein neuer Beweis, daß unser h. Ministerium von den humansten Gesinnungen beseelt ist, und ist in der That bei gutem Willen noch gar Manches zu erlangen. Nehmen wir beispielsweise die vor Jahren durch eifrigstes Bemühen unseres Hrn. Rabbiners erfolgte Kriegs-Ministerial-Entschließung, wonach die Israeliten am Sabbat dienstfrei sind, an, und dennoch gibt eS leider so viele bayr. Städte, in denen dies von den betreffenden Hrn. Rabbinen gar nicht beachtet wird. Sicherlich bedarf es bei den betr. Behörden nur des Hinweises auf allg. Entschließung, und es würde den isr. Soldaten die Heilighaltung des Sabbats gestattet werden. , Mögen doch diese modernen H. Rabbinen sich s von ihrem so bequemen Sopha erheben und diesem i sowie der K osche r-B eköstigung der jüb. Soldaten i einiges Augenmerk zuwendeu. — Die hiesige isr. Lebrerbildnngs - Anstalt entfaltet die schönste Thätigkeit, und werden im nächsten Herbste wiederum 6 Zöglinge als zur Uebernahme einer Stelle befähigt aus derselben hervorgehen. — Ueber die Thätigkeir deö hiesigen HilfS-Comitö für unsere nothleidenden Brüder an der russischen Grenze bedarf es wohl nickt meiner Milibeiluugen, denn jene ersehen die gkschär.lm Leser aus deßfalmgen Extra-Beilagen. So Nlöge denn der edlen Saat der Religion und Tugend, der Humanität und Bildung in die Herzen der Ellern und Kinder gestreut, die geldne Ernte entkeimen , deren Garöenfammlung die gegenwärtigen und kommenden Geschlechter erfreuen und beglücken werden. Aus Württemberg. Die Resultate der am 49. d. M in allen 12 Rabbinatsspreugeln vorgenommenen Wahlen von Teligirten zu einer den vorläufigen Entwurf eines israel. Kirchenverfassungsstatuts beratheuden Commission, welche demnächst auf einige Tage nach Stuttgart einberufen werden soll, sind uns bis heute aus a ch t Wahlorten bekannt. In Freudenthal siegte nicht der arheistische Rechtsconsulent Kilian Steiner, sondern der daselbst einst angestellt gewesene, jetzt pensivnirte Lehrer und Vorsänger S. Levv, anno 1864 Vorsitzender der orthodoxen Versammlung zu Hohenbuck. In Mergentheim wurde der früher in Württemberg amtirende, gegenwärtig mit Urlaub am Würzburger israelitischen Schullehrer-Seminar angestellte, den Lesern des „Israelit" rühmlickst bekannte Lehrer L. Stern gewählt. Die Wahlmänner in WeikerSheim schenkten ibr Vertrauen dem Kaufmann Abraham Selz von Niederstetten, dem als Besieger des ConstrmationszwangeS diese Ehre wohl gebührt. Der Bezirk Braunsbach betraute mit dieser Mission seinen Rabbinen B erli n g er, einen Zögling ber ran?’ zu Würzburg. Der auch talmudisch gebildete Rechtsanwalt Nördlingrr in Stuttgart, ein mehrjähriger Bekämpser des oberkirchenbehördlichen BureaukratimuS siegte in Oberdorf. Von dem Reformrabbinen und seinem Anhänge unterstützt, wurde in Heilbrrnn der einst der Theologie gewidmete RabbinatScandidat Kallmann, ein Verehrer der Oberkirchenbehörde, mit Stimmenmehrheit zum Deligirten erkoren. In den beiden Bezirken Stuttgart und Laupheim konnte eine rechtsgültige Wahl, bei der % abgestimmt haben müssen, nicht zu Stande gebracht werden, weil die Wahlmänner von Ludwigsburg, Eßlingen und Ulm