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Der Israelit · 1869-06-02 · Heft 22 (2.6.1869) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 22 (2.6.1869)
Date
1869-06-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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428 aufs Haupt setzte; er schwebte dann über dem Könige, Lis dieser sich wieder erhob; d>nn nahm er ihm die Krone vom Haupte und brachte sie an ihren Ort, und die Thiere erhoben sich wieder und brüllten und schrien und girrten, biö Salomo den Thron verlassen hatte."" „Wunderbar, wunderbar!" rief der Kaiser, als der Rabbi schwieg. „Glücklich der Fürst, der solch ein Wunderwerk besitzen möchte! Aber das ist wohl ohne die Hilfe der Geister, über die Salomo herrschte wie über die Menschen, nicht herzustcllen?" „„Doch, mein Herr und Kaiser; es waren nur kunstvoll eingerichtete Räderwerke im Innern des Thrones, die das Alles bewirkten."" „Und könntest Du vielleicht ein ähnliches Kunstwerk schassen?" „„Ich glaube, es unter göttlichem Beistände Herstellen zu können "" „O, wenn Du das vermöchtest, ich würde Dich so reich belohnen, wie noch nie ein Künstler belohnt ist worden." „„Mein gnädigster Kaiser möge sedoch bedenken, daß das Geld aus Oph r in unfern Tagen nicht in so reicher Menge vorhanden, wie zu Salomo's Zeit. Der Tbron deö weisen Königs wog viele, viele Centner Goldes, und kein Fürst der Welt wäre heutzutage im Stande, so viel Gold herbeizirschaffen."" „Du hast Recht. Doch könnte man nicht einen solchen Thron von Silber erbauen?" „„Gewiß, großmäcktiger Kaiser!"" „Und willst Du ihn mir bauen?" „„Meines Kaisers Wunsch ist mir Befehl. Allein die Bedingnng muß ich vorausschicken, daß man mir nicht nachrechne; ich bedarf zu diesem Werke vieler Gehilfen und kann nicht verhüten, daß etwa während der Arbeit manches Stückchen Silber bei Seite geschasst wird. Auch muß das Metall geläutert und von den Schlacken gesäubert werden; dadurch, wird natürlich das Gewicht verringert."" „Sorge nicht, Rabbi! Ich werde nicht kleinlich mit Dir verfahren. Rur mache Dich sobald als möglich ans Werk; ick werde Befehl ertheilen, daß Alles nach Deinen Wünschen eingerichtet und Dir so viel Silber verabfolgt wird, wie Du verlangst. Ich brenne vor Begierde, auf dem Throne Salonw's zu sitzen." Alebald wird eine große Werkstatt für Rabbi Gerschom eingerichtet; er engagirte viele geschickte Gehilfen, und der Schatzmeister lieferte ihm ungeheure Massen gediegenen Silbers aus der kaiserlichen Schatzkammer. Tag und Nackt arbeitete der Rabbi an dem wunderbaren Kunstwerke, denn der Kaiser drängte ihn sehr. Täglich kam er mit seinem Hofstaate, um sich nach dem Fortschritte der Arbeit umzusehen; mit wahrhaft kindlicher Freude sah Bast! das Werk voranschreiten, und der Gedanke, auf einen solchen Throne sitzen zu können, beglückte ihn über die Maaßen. Mit diesem Throne wollte er den Gesandten der barbarischen Völker impvniren, die oftmals vor ihm erschienen; sie sollten daheim von dem oströmischen Kaiser wie von '.einem höheren Wesen erzählen; davon erhoffte er den Erfolg, daß die wilden Nachbarvölker sich fürchtete" von der Majestät seines Thrones und nicht wagen würden, die Grenzen des Reiches zu beunruhigen. Unterdeß schritt die Arbeit rüstig fort; mehr als hundert Gebilsen waren thätig, Alles nach den Angaben deö Meisters zu verfertigen. Dabei geschah es> daß manches Stückchen Silber entwendet wurde, ohne daß es Rabbi Gerschom verhindern konnte; auch wurden beim Umschmelzen der Barren und Gerüche, die aus der Schatzkammer kamen, viele Schlacken ausgesondert. Rabbi Gersckom aber nahm nichts für sich von dem anvertrauten Gute; nur, was er zur Löhnung der Arbeiter und zum Unterhalte der eigenen Familie brauchte, wurde ihm vom kaiserlichen Schatzmeister besonders eingehändigt. Für seine Frauen und auch fürs Talmudstudium gewann Rabbi Gerschom jetzt wenig Zeit. Tag und Nackt beschäftigte sein Denken und Thun das wunderbare Werk, das zu vollenden er übernommen hatte. Jedesmal, wenn der Kaiser in die Werkstatt Rabbi GerschomS kam, unterhielt er sich mit ihm aufs huldvollste und bewunderte stets nicht wenig die hohen Geistesgaben des seltenen Mannes. Bald kam es dahin, daß Basil nichts Wichtiges unternahm, ohne vorher den Rath und das Urtheil Rabbi GerschomS gehört zu haben. Der Eunuch Johann ward darob mit Zorn und Angst erfüllt. Seine Wuth war,um so größer, je ohnmächtiger sie sich fühlte; schon sah er im Geiste den Rabbi an seiner Stelle als des Kaisers Berathel. Wie wird ihn der Kaiser erst belohnen und erheben, wenn das Kunstwerk vollendet sein wird! Einst fragte der Kaiser im Beisein deö Eunuchen den Rabbi nach seinen Familienverhältnissen. Rabbi Gersckom erzählte von seinen beiden Frauen, von Deborah, der Tochter des Rabbi Lion aus Mainz, und von Melitta, der Tochter des ermordeten Händlers Menachem. Als Johann die letztere nennen hörte, ward er stutzig. Wer hatte Melitta schon in seiner Gegenwart genannt? Ha, war das nicht das Mädchen, weiches Michael, der Paphlagonier, einst liebte? „Wahrlich, sie ift's!" sprach Johann vor sich hin. „Vielleicht wird diese Entdeckung von Nutzen für mich sein." (Fortsetzung folgt.) Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Redaktion: L>r. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf - Schneüpressendruck von I. Gottsleben in Mainz.

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