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Der Israelit · 1869-06-02 · Heft 22 (2.6.1869) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 22 (2.6.1869)
Date
1869-06-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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auftragt ist, Gelder für die nothleidenden Glaubensgenossen in Rußland zu sammeln, ebenso ein SpecialcomitL behufs Sammlung von Geldmitteln für das „Maimonideö-College" in Philadelphia. (Iew. Mess.) San Francisco. Unser Glaubensgenosse, Herr Karl M. Levy, welcher während des Krieges den Vereinigten Staaten große Dienste geleistet hat, wurde vom Präsidenten Grant zum Visirer der kiesigen Schiffe angestettt. (Hebrew.) Feuilleton. Aas glicht der Diaspora. VI. Der Thron des Salomo. Als Rabbi Gtzrschom aus dem Palaste des Kaisers nach Hause zurückkehrte, eilten ihm seine beiden Frauen entgegen. „ Gelobt sei Gott," rief Deborah, als ihr Gatte von der Aufhebung des Verbannungsdecretes berichtet hatte, „gelobt sei Gott, der Dich gewürdigt hat, der Retter Deines Volkes zu werden!" Melitta schwieg; ihr war eö leid, daß ihr Gatte die 50,000 Dareiken verschmäht hatte; wie batte sie im Besitze eines solchen Vermögens, sich schmücken und putzen können! Was kümmerte sie das Schicksal der Glaubensgenossen, wenn nur sie in Freude und Wohlstand leben konnte! „Und Du, Melitta," fragte der Rabbi, „freust Du Dich nicht meines schönen Erfolges?" „„Wohl,"" antwortete sie mürrisch, „„es hätte Dir aber der geizige Basil das viele Geld dennoch schenken können!"" „Beunruhige Dich darob nicht, meine Tochter," sprach sanft der Rabbi, „-'s wird Dir mit göttlicher Hilfe in meinem Hause nie an etwas fehlen." Melitta antwortete nicht; im Herzen aber grollte sie ihrem Gatten, weil er ein so großes Vermögen zu erwerben abgelebnt hatte. Reich fein, sehr reich sein, um mit vollen Händen ausstreuen, verschwenden und des Lebens Freuden im reichsten Maaße genießen zu können, das war ihrer niedriggesinnten Seele einzige Sehnsucht. — Rabbi Gerschom ging noch von Zeit zu Zeit in den Palast des Kaisers, um sich nach dem Befinden der Prinzessin zu erkundigen. Eines Tages traf er in dem Gemache Theodorens deren kaiserlichen Oheim, der ihn huldvoll anredete. „Sage mir Rabbi," sprach der Kaiser, „Du hast auch den Talmud studirt?" „„Wohl, mein kaiserlicher Herr."" „Was für ein Werk ist das?" „„Im Talmud ist die mündliche Lehre enthalten."" „Das versteheich nicht; erkläre mir das deutlicher." „„Als Gdtt sich unserm Lehrer Moscheh auf Sinai offenbarte, da gab Er ihm das Gesetz, um eö niederzuschreibew; die einzelnen Gesetze aber erklärte Er ihm mündlich; diese Erklärung lehrte Moscheh mündlich weiter, und so pflanzte sie sich fort von Mund zu Mund, bis unsere Weisen nach der Zerstörung deS zweiten Tempels und der Zerstreuung Israels nach allen Ländern auch diese Erklärung niedergeschrieben haben, um sie vor der Gefahr zu schützen, vergessen zu werden. Diese Niederschrift der Weisen, das ist der Talmud, oer aber auch außerdem viele Weisheitslehren, geschichtliche Mittheilungen und Beschreibungen der Sitten und des Lebens unserer Väter enthält."" „Berichtet auch der Talmud vom Throne Salomo'S?" „„Der Talmud selbst nicht, aber andere Schriften, die mit ihm Zusammenhängen."" „Kannst Du mir den Thron des weisen Königbeschreiben?" „„Gewiß, gnädigster Herr!"" „O, so thue es; ich bin begierig. Näheres von diesem berühmten Kunstwerke zu erfahren." „„Den Thron Salomo's hatte Hiram, der Sohn einer Wittwe zu Tyrus, mit großer Weisbeit angesertigt. Er war aus reinem Golde gemacht, das des Königs Schiffe von Opbir herbeigeführt batten, und mit vielen Diamanten, Smaragden, Saphiren und andern Edelsteinen geziert. Zwölf goldene Löwen standen zwölf goldenen Adlern gegenüber und zwar so, daß der rechte Vorderfuß eines jeden Löwen den linken Flügel des gegenüberstehenden Adlers berührte; sie alle trugen den Thron. Sechs Stufen führten hinauf zum Königssitz; aus der ersten Stufe ruhte ein goldener Stier und ihm gegenüber ein goldener Löwe; auf der zweiten Stufe lag ein goldener Wolf und ihm gegenüber ein goldenes Lamm; auf der dritten Stufe breitete ein goldener Adler seine Fittige aus, dem ein goldenes Kämest gegenüber lag; auf der vierten Stufe fand man einen Adler und einen Pfau, beide von Gold; auf der fünften eine goldene Katze und einen goldenen Hahn und auf der sechsten eine Taube und einen Sperber, beide von Gold. An der Spitze de- Thrones hatte eine goldene Taube einen goldenen Sperber im Schnabel. Rech war dort ein goldener Leuchter mit sieben Armen, auf welchen die Namen der Stammvater und der Propheten eingegraben waren, die vor Salomo gelebt hatten. Wenn nun der König die erste Stufe betrat, so erhoben sich der Stier und der Löwe und brüllten, und alles Gethier auf den Stufen des Thrones erhob seine Stimme, sobald Salomo's Fuß die Stufe berührte, auf dem es ruhete. Sobald der König sich aber gesetzt hatte, so schwieg Alles; nur der Adler von der vierten Stufe flog auf, in feinem Schnabel die Krone tragend, die er dem Könige

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