Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 22 (2.6.1869)
- Date
- 1869-06-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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- Minsk 1× ep/1000754
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4£3 nur Wenige hievon Gebrauch machen können, denn *8 fehlten den Meisten die Mittel zum Umgyge. „In den Provinzen des Rothstandes, namentlich in Litthauen, sind die meisten Handwerker aus Mangel an Arbeit gezwungen, müssig zu gehen. Für Diejenigen, welche Arbeit haben, reicht diese nur dazu hin, ihre Familien auf's Kümmerlichste zu ernähren, so daß wenn die geringste Arbeitsunfähigkeit eintritt, dieselben dem Hunger preisgegeben sind. Es kommt dies daher, daß es hier zu viele Handwerker gibt, viel mehr als beschäftigt werden können; daraus ergibt sich einesteils Arbeitsmangel und andrerseits viel zu niedriger Arbeitslohn. Im Innern Rußlands hingegen, im sogenannten „ Groß - Rußland ", namentlich an den Ufern der Wolga, würden sich diese Handwerker aufs. Glänzendste ernähren können. Dort fehlt es z. B. derart an Schneidern, daß die Wohlhabenderen ihre Kleider sich von Petersburg oder Moskau kommen lasten wüsten, während bei uns der größte Ueberfluß an Kleidermachern herrscht, so daß viele von ihnen unbeschäftigt sind. Als der ehemalige Gouverneur unserer Stadt, General Sulgenow, von uns schied, gingen die Juden vor die Stadt, um ihm zum Abschiede ihre Segenswünsche darzubringen. Als der Gouverneur ihnen dankte, redete er noch besonders einen anwesenden jüdischen Schneider an, indem er sagte: „Ihnen muß ich noch ganz besonders danken; denn, wo auch immer ich bisher im Dienste des Kaisers gestanden, war ich gezwungen, meine Kleider von Petersburg kommen zu lasten, während Sie stets, solange ich in Minsk war, zu meiner Zufriedenheit gearbeitet haben". „Außer an Schneidern mangelt es im Innern Rußlands namentlich an Hutmachern, Kappenmachern, Uhrmachern, Schuhmachern, Buchbindern, Drechslern, Destillateuren, Siegelstechern, Gold- und Silberschmieden und vielen andern Handwerkern, die sich hier in Ueberfluß vorfinden. Würde man diesen zur Auswanderung dorthin verhelfen, so könnten mit Leichtigkeit Tausende von Familien daselbst placirt werden. Glauben Sie nicht, daß ich übertreibe. Im Innern Rußlands wohnen bis jetzt nur in dreißig Städten Juden, während in jedem seiner zahlreichen Gouvernements leichtlich 100 jüdische Handwerker lohnende Beschäftigung und dadurch Wohlstand erringen könnten.^ Eine solche Auswanderung wäre nicht nur ein Glück für die Auswandernden, sondern auch für die Zurückbleibenden. So gab es in unserer Stadt 18 Uhrmacher, von denen drei nach dem Innern zogen. Diesen geht es dort sehr gut, und die andern haben in Folge dessen mehr zu thun und daher bester zu leben. „Mein Vorschlag ist nun, daß die bestehenden Comitv'n die Sacke energisch in die Hand nehmen und zu diesem Zwecke Geld sammeln. Die zu verwendenden Summen müßten den Handwerkern als zinsfreies Darlehen gereicht werden, das sie etwa in kleinen Raten zurückzuzahlen hätten, nachdem sie an ihren neuen Wohnplätzen dazu im Stande fein werden. Dieses Geld könnte dann immerwährend auf's Reue dazu verwendet werden, den Handwerkern zur Uebersiedelung zu dienen. „Eine solche radicale Hilfe würde noch weit wichtiger sein als die Unterstützung der Hungernden; sie würde der Wiederkehr des Notstandes auf's Gründlichste Vorbeugen." Soweit die Correspondenz „ Hamagid's "; wenn die angegebenen Verhältnisse in der That so sind, — und wir zweifeln nicht im Geringsten daran — so ist das Richtige und Zutrtffende des Vorschlags einleuchtend, und wir wissen in der That nicht, was uns hindern sollte, sofort an die Ausführung zu geben. Mögen die verehrlichen Comüe'n in Memel und Lyck sich sobald als möglich damit befassen, mögen sie dahinzielende Ausruse versenden; mögen die Sammlung« - Comile'n in den verschiedenen Ländern Europa's eine recht rührige Thätigkeit dafür entfalten; mögen die VertheilungsComitä'n in Rußland sich darüber aussprechen und baldmöglichst damit beginnen, Handwerkern zur Uebersiedelung zu verhelfen. Es ist dies ein Vorschlag, mit dessen Ausführung sofort begonnen werden kann und zu dessen Ausführung die zu sammelnden Gelder sogleich zur Verwendung kommen können. So gebe uns denn der Allgütige seinen Beistand, auf daß es uns gelinge ny nrnni?. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, den 28. Mai. Für die am 29. Juni in Leipzig projectirte Synode sind schon recht nette Anträge gestellt. Wir wollen hier nur eines Curiosums erwähnen. Sub § 9 theilt die Philippsonsche Zeitung folgende Bestimmung mit: „ G e s ch e m u n d Tal werden durch ein deutsches Gebet ersetzt." Man merke wohl: nicht Tephillat Geschem und Tep hillath Tal, sondern Geschem und Tal!!! Was sich diese Herren wohl denken? Geschem (Regen) und Tal (Thau) wollen sie abschaffen und ein deutsches Gebet dafür an die Stelle setzen! Wollen denn diese Leute mun Dyn, Hungersnoth in Folge von Dürre, in die Welt bringen, oder halten sich diese Leute für mehr als ber Prophet Elijahu, welcher wohl den Regen, aber nicht den Thau drei Jahre lang zurückhalten konnte? Oder — und das wird das Richtige sein — die Herren meinen gewiß, daß die von ihnen fabricirten deutschen Gebete so wässerig aus-