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Der Israelit · 1869-06-02 · Heft 22 (2.6.1869) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 22 (2.6.1869)
Date
1869-06-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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422 und Verdienst auch nur gesucht hätte. Die Polen, welche uns hier in FranHurd zu Gesichte kommen, suchen und sinden Unterstützung auf Grundihres mchr oder minder bedeutenden jüdischen Wissens , allenfalls finden sich auch einige zurückzekommene kleine Kaufleute darunter; arbeitsfähige und arbeitswillige Männer suchen Sie unter ihnen vergebens. Für den Ackerbau eignen sich aber die polnischen Juden noch weniger; sie haben selbst die Ländereien, welche ihnen von Seiten der Regierung unentgeltich angewiesen wurden, nicht mit Erfolg bebauen können. Haben' schon unsere tüchtigsten deutschen Handwerker, unsere besten ländlichen Arbeiter in Amerika zu kämpfen, um nur ihr tägliches Brod zu erringen, ist es für sie zur Nothwendigkeit geworden, eine kleine Baarschaft mit hinüber zu nehmen, um dort von Neuem arbeiten zu lernen und erst dann den dortigen größeren Ansprüchen zu genügen, so ist es dem polnischen Handwerker sicherlich ganz unmöglich, auch nur Brod für sich und feine Familie zu verdienen. Die polnischen Einwanderer würden einer um so größeren Noth anheimsallen als dort aus dem Betteln kein Gewerbe gemacht werden kann, und dieses bei uns so leichte Geschäft sich dort am wenigsten rentirt. Ob unsere amerikanischen Glaubensgenossen gewillt sein werden, sich ihrer anzunehmen und ihnen trotz dieser Schwierigkeiten., erträgliche Lebensstellungen zu verschaffen, erscheint nicht wahrscheinlich. Allerdings werden sie diese Unglücklichen wohl nicht auf der Straße verhungern lassen, sie werden sich aber eines ihnen zu Gebote stehenden und bei solchen Veranlassungen in England und Amerika schon häufig angewandten Mittels bedienen, um sich dieser unwillkommenen, sür die dortigen Zustände wenig passenden Elemente zu entledigen, sie werden nämlich die Kosten der Rückfahrt zusammenschießen und unsere Polen wieder nach Europa zurücktransportiren lassen. Sie werden zu einem solchen Verfahren sich um so sicherer entschlichen, als sie sich sonst einer wahrhaften Ueberschwemmung von, an ihre Wohlthätigkcit appellirenden, polnischen Juden aussetzen würden; uns aber bliebe das nicht sehr beneidenöwerthe Vergnügen , die mit vielen Kosten Hinübergeschafften eines schönen Morgens in Hamburg landen und von da ihren Zug durch Deutschland antreten zu sehen. Erweist sich demnach der Vorschlag, eine Massenauswanderung nach Amerika zu organisiren, ohne sicherst der Mitwirkung der amerikanischen Wohlthät'gkeitSanstalten versichert zu haben, als ein unausführbarer, so dürste doch der Versuch gemacht werden, diese Anstalten sür den Vorschlag zu gewinnen, und keine Stelle eignet sich besser, deßfallsige Verhandlungen zu führen, als die geehrte Redaction dieser Blätter. Immer bereit, das Gute zu unterstützen und zu fördern, wird dieselbe nach meinem Dafürhalten dieser an sie herantretenden schwierigen Aufgabe sich sicherlich nicht entziehen. Ehe jedoch diese Unwrhandlungen zu einem Ziele gefühlt haben könnew, dürfte es wobl gerathen sein, den Versuch mit einer Ueberstedelung polnischer Arbeiter und Handwerker nach Deutschland, vorerst in kleinem Maßstabe, zu machen. Der Verwendung unserer Glaubensgenossen wird es wohl gelingen; einer Anzahl polnischer Handwerker und Arbeiter Beschäftigung und Arbeit auch in Deutschland zu verschaffen und wird sich dann zeigen, ob solche überhaupt verwendbar sind. Die für einen solchen Versuch erforderlichen, nicht sehr bedeutenden Kosten sind leicht zu beschaffen, für Auswahl der entsprechenden Persönlichkeiten hätten die polnischen Gemeinden zu sorgen, die bereits bestehenden Comite'ö können die Vermittlung übernehmen, und lehrt dann die Erfahrung, daß sich brauchbare Arbeitskräfte heranbilden lassen, so wird Amerika eine polnische arbeitsfähige Emigration mit offenen Armen aufnehmen; einem arbeitsscheuen Drohnenschwarme aber wird die neue wie die alte Welt verschlossen bleiben. Es wird mich freuen, wenn dieser Vorschlag von sachkundiger Seite einer ernsten Prüfung unterworfen wird, denn nur eine öffentliche Besprechung der Emigrativnssrage kann solche ihrer Lösung näher bringen. E. II. Mainz, den 25. Mai. Wir sind mit dem Vorstehenden großentheils einverstanden. Auch uns erscheint es vollkommen verfehlt, jene hungernde, an Allem nothleidende Bevölkerung auf's Geratewohl nach Amerika zu schicken; aber selbst wenn unsere amerikanischen Glaubensgenossen sich der Unglücklichen annehmen wollten, so sehen wir nicht ab, wasdiese drüben thun, womit sie sich ihren Lebensunterhalt erwerben könnten. Ackerbau? So ohne Weiteres, ohne Erziehung dazu wird man nicht Ackerbauer. Anders verhielt es sich mit der irischen Bevölkerung, die großentheils. in der Heimath dem Ackerbau oblag. Ueber die- Handwerker ist bereits im Vorstehenden geurtheilt. Handel zu treiben ist einer von Allem entblößten Menschenmenge ganz unmöglich. In Nr. 19 des „Hamagid" befindet sich ein von Minsk, also aus Rußland selbst stammender Artikel, der uns das Richtige zu treffen scheint. Es ist bekannt, daß die Noth am meisten die Handwerker trifft, die seit einigen Jahren ganz ohne Arbeit dem Hungertode preiSgegebcn sind. Wird diesen geholfen, so ist der Norhstünd als beseitigt anzusehen. „Hamagrd" schreibt: „Seit mehr als drei Jahren hat unser gütiger Kaiser den isr. Handwerkern gestattet, sich im ganzen russischen Reiche mederzulassen. Leider haben bis ,

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