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Der Israelit · 1869-05-26 · Heft 21 (26.5.1869) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 21 (26.5.1869)
Date
1869-05-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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X. Jahrgang. Beilage z« Nr. 21 des Israelit. Leitender Artikel. Die jüdische Che nach biblischen und talmudischen Grundsätzen. Von Di'. Aron Hirschfeld. (Fortsetzung.) III. Obwohl aus dem bisher Gesagten daS Substrat unserer gegenwärtigen Abhandlung seine vollkommene Erledigung gefunden hat und keinem Zweifel mehr unterliegt, so ist es doch unmöglich, diesen Gegenstand zum vollkommenen Abschluss zu bringen, ohne vorher auch den Worten unser r Weisen gelauscht zu haben, um auch ihre Meinung über die Stellung der Frauen im Iudenthume zu vernehmen; und wollen wir uns dabei, weil die diesbezüglichen Stellen zu zahlreich und zu mannichfach sind, als daß sie alle angeführt werden könnten, nur auf einige Hauptargumente beschränken. Selche allein nur berücksichtigend, sei hier zunächst Mischnah Ioma I, 1 erwähnt, wo die Worte der Schrift (3. B. Mos. 16, 17) ino nya -isdv „der Hohepriester soll seine und seines Hanfes Versöhnung vermitteln," dahin erklärt werden, daß, indem hinzugefügt wird: irK’N it ino unter dem Worte no „Haus" nichts anderes als die „Gattin" verstanden sei, weil sie die Repräsentantin der Familie, ja die Seele des ganzen Hauses ist. Diesem analog heißt es auch im Talmud (Sabb. S. 118) »aus ’Dr 'i i-r mo *6« *PBr« mizreÄ ’nnp R. Jose sagte: Nie habe ich meine Frau anders als mein Haus genannt.*) So wie die Frau die Vorsteherin des ganzen Hauses ist, so spiegelt sich dieses wieder in ihr ab, so daß Gattin und Haus einerlei Begriffe und ganz identisch geworden sind, weil beide in einander aufgehen. Wenn unter den Rabbinen eine solche Anschauung über die Bestimmung der Gattin zur allgemeinen Geltung gekommen ist, so galt ja diese als des Hauses eigentlichster Nerv, als sein Brennpunkt, um den sich Alles sammelt und von welchem alles Leben und Gedeihen ausgeht und darum mußte gerade sie! die Hauptstelle in demselben eingenommen und behaup-! tet haben. j Wenn ferner, um nur noch ein Beispiel aus der i Mischnah (Taanith, Schluß) anzusühren, zweimal allj jährlich öffentliche Freudenfeste, wie sie großartiger und! freudenreicher in Israel nicht gedacht werden konnten, , *) S. auch Ruth Rabb. zu den Worten mv». i von denen eines sogar an dem heiligsten Tage, dem Versöhnungsseste, stattsand, gefeiert wurden, wo alle Jungfrauen ohne Unterschied des Ranges und des Standes weiß gekleidet (als Zeichen ihrer Reinheit und Unbeflecktheit) erschienen und den als Heirathscandidaten sich cingefundenen Jünglingen zuriefen 1\r>' jnn 'tu ,*£ -norme? na neni V-W eu av mna 'oi nnsripoa TJ*y in »ua, daß sie bei ihrer Herzenswahl nicht auf den äußeren Sinnenreiz, nicht auf eitle Schönheit und Flittcrwescn, sondern vielmehr ans das allein ihr Augenmerk richten sollten, waö wahrhaft im Stande ist, ein Haus zu begründen und glücklich zu machen; und zwar zuvörderst auf ihre eigene Tüchtigkeit und Tugendhaftigkeit, das Regiment des innern Hauswesens zu seinem Gedeihen führen zu können, und dann auf ihren Ahnenruf, auf den Familienstolz, was dem ganzen Hause wiederum Glanz und Würde nach Außen hin verschaffen kann, wenn also von der Frau nach beiden Richtungen, nach Innen der Impuls des wohlbedächtigen Schaffens und OrdnenS, und nach Außen hin die Strahlen des in der öffentlichen Gesellschaft so viel geltenden Ahnenruhmes ausgehen soll, so kann ihre Stellung, indem die an sie zu machenden Anforderungen so hoch hinaufragen, kekneswegcs eine untergeordnete, niedrige oder sklavische, als vielmehr eine freie, ihrem Manne vollkommen gleich gewesen sein. Denn ein Volk, wie daS israelitische, das so großen Werth auf Ahnenstolz und Familienruhm gelegt hat, daß cs seine Geschlechtsregister, um seinen Stammbaum vor Entartung und fremder, seiner unwürdigen Beimischung in Schutz zu nehmen, wie ein Heiligthum bewahrt hat, kann den Frauen keinen niedern Rang in der Gesellschaft anweisen, wenn diese den Männern entweder vollkommen ebenbürtig oder gar, wie nicht selten geschah, ihnen rücksichtlich ihres Geschlechtsruhmenoch überlegen waren. Es gereichte auch dem Manne zum Ruhme, wenn seine Gattin einer edlen Familie gleich ihm, oder gar einer höhern als die seinige, mit der er sich öffentlich zeigen konnte, entsprossen war. Darum konnte er sie auch nicht anders als standesgemäß behandeln. Da es den israelitischen Töchtern nicht gestattet war, an Ausländer verheirathet zu werden: so waren jüdische Prinzen und Könige hierdurch gezwungen, ihre TöLter an Privatpersonen zu verheirathen, die in Betreff ihrer Abkunst weit unter ihren Frauen stehen mußten. Wenn nun solche durch ihre Frauen geadelte und emporgehobene Ehemänner diese Erhebung und hohe Stellung nur diesen allem zu danken haben: mit welcher Zärtlichkeit und Sorgfalt, ja mit welcher Zuvorkommenheit und ausgesuchten Beweisen der Liebe und Anhänglich-

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