Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 21 (26.5.1869)
- Date
- 1869-05-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Leiden kaiserlichen Brüder Basil und Konstantin kamen, um die geliebte Kranke zu sehen und sich von der Besserung ihres Zustandes zu überzeugen; allein Rabbi Gerschom bat sie, das Krankenzimmer noch nicht zu betreten. Unterdeß zogen Eilboten durch daS ganze Reich, um die Thiere und Kräuter herbeizuschaffen, deren der Rabbi zur Kräftigung und Stärkung der Kranken bedurfte. Er selbst bereitete jede Speise und jeden Trank; acht Tage noch schwebte die Prinzessin zwischen Tod und Leben. Die Erschöpfung war eine zu große gewesen. Am neunten Tage erklärte sie der Rabbi außer Gefahr. Schon durfte sie gewöhnliche Speise und gewöhnlicken Wein zu sich nehmen. Nur mußte ein jedes Uebermaaß vermieden werden; denn der Appetit der Genesenden war grenzenlos. Deßhalb maß ihr Rabbi Gerschom selbst die Speisen zu und zwang sie, auf jeden Mehrgenuß zu verzichten. Wiederum nach acht Tagen durfte die Prinzessin das Bctt verlassen, Jetzt erst gestaltete der weise Arzt, den Eltern, der Schwester und dem kaiserlichen Oheim die dem Leben Wiedergewonnene zu umarmen. Noch acht Tage blieb Rabbi Gerschom im Palaste. Dann erklärte er, daß die Prinzessin keines Arztes mehr bedürfe. Ehe Rabbi Gerschom den Palast verließ, wurde ihm der Befehl, vor Kaiser Basil zu erscheinen. „Du hast Dein Versprechen erfüllt. Prinzessin Theodora ist gesund. Ich und die Meinen, wir werden Dir ewig dankbar sein; doch nunmehr ist es Pflicht, Dich kaiserlich zu belohnen, wie ich es Dir versprochen habe. Hier sind 50,000 goldene Dareiken; ich werde sie in Tein Haus senden." „„Eure Gnade ist groß, hoher Kaiser, und Euer Geschenk wahrhaft kaiserlich. - Allein, verzeiht Eurem Knechte, daß er es nicht annehmm kann."" „Wie, Du verschmähst mein kaiserlich Gnadengeschenk?" „„Nickt doch, hoher Herr, aber ich möchte um Anderes bitten. Mein Volk, meine Stammesgenossen, die Verehrer des einzigen Gottes, sind bei Euch verleumdet worden; sie sollen vertrieben werden aus Eurem große Reiche, ohne daß sie wissen, wohin sie sich wenden könnten. Und weßhalb soll sie dieses harte Geschick treffen? Sie haben kein Unrecht begangen, kein Verbrechen sich zu Schulden kommen lassen. O, mächtiger Kaiser, gebt mir als einzige Belohnung das Versprechen, Gnade, Erbarmen zu üben mit meinem Volke und es nicht zu vertreiben aus den Ländern, die ihm seit Jahrhunderten zur Heimath geworden. "" „ Und wenn ich das Verbannungsdecret zurücknehme, so verlangst Du keine andere Belohnung?" „„Keine, mein Herr und Kaiser!"" „ Und was werden Dir Deine reichen Glaubensgenossen zahlen? Etwa mehr als 50,000 Dareiken?" „„Hier schwöre ich bei Gott, dem Allmächtigen und Allwissenden, daß ich jede Belohnung von Seiten meiner Glaubensgenossen zurückweisen werde!"" „Du bist ein edler Mann! Um Deinetwillen werde ich jenes Decret widerrufen -— allein, mein Schatz wird dadurch großen Schaden nehmen; ich wollte die Güter der Juden aufkaufen lasten, um sie später wieder zu verkaufen; denn ich brauche Geld, viel Geld zum Kriege wider die Bulgaren." „„Meine Glaubensgenossen werden in den Schatz meines gnädigsten Kaisers diejenige Summe liefern, die ihnen aufgelegt wird und die ihre Kräfte nicht übersteigt"" „Nein, nein! der Patriach soll nicht sagen, ich habe mir den Widerruf des Verbannungsdecrets abkaufen lassen. Aber die 50,000 Dereiken, die ich Dir geben wollte." „„ Mögen sie als Sold dienen für das siegreiche Heer meines gnädigen Kaisers."" Huldvoll entließ der Kaiser den Rabbi. Noch an demselben Tage wurde bekannt gegeben, daß der Kaiser das Verbannungsdecret gegen die Juden zurückgenvmmen habe, daß die Nachkommen Jakobs auch fürderhin unbehelligt wohnen und verkehren dürften im oströmischen Kaiserreich. Wie dankbar waren da die Juden dem edlen Rabbi Gerschom! Wie reich wollten sie ihn beschenken, als sie vernabmen, daß er ihrethalben ein Gnadengeschenk von 50,000 goldenen Dareiken abgelehnt habe! Rabbi Gerschom aber wies, eingedenk seines Schwures, jedes Geschenk zurück. Der Jubel und die Freude, die unter den Juden! des ganzen oftrömischen Reiches herrschten, waren grenzenlos. Dankfeste wurden gefeiert dem allgütigen Gott. Die Tage Mordechai's und Esthers waren | wiedergekehrt. Den Juden war Licht und Freude und Wonne und Ehre, und als ein zweiter Mordechai, als ein Errettcr feines Volkes, wurde Rabbi Gerschom ge-, feiert und gepriesen. Der Eunuch Johann sah in ohnmächtiger Wuth! seinen Lieblingsplan scheitern; sein Hai? gegen die Juden wandte sich nunmehr dem einen Manne zu, der Israel errettet batte. Johann knirschte mit den Zähnen und ballte die Faust. Er schwur, Rabbi Ger-j schom verderben zu wollen. (Forts, folgt.) Hierzu zwei Beilage«. < Ni ge zer ab gm auf schc mein Hau den und die ter Mi jäh frer Verantwortliche Redaction: Dr. Le'hmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlrmg. — Dampf - Schnellprefsendruck ' von I. GottSleben in Mainz.