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Der Israelit · 1869-05-26 · Heft 21 (26.5.1869) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 21 (26.5.1869)
Date
1869-05-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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407 Amerika. Richmond Die hiesige polnische Synagoge ist vor Kurzem ganz abgebrannt. Feuilleton. Aas glicht der Araspora. V. . Die Heilung. Als Rabbi Gerschom in das Krankenzimmer der Prinzessin trat, fand er diese dem Tode nahe; ihr Auge blickte matt und theilnahmlos; ihr Pulsschlag ging so leise, daß eö der größten Aufmerksamkeit bedurfte, ibn überhaupt zu fühlen. Rathlos stand der Arzt am Krankenbette. Da ordnete er an, daß man ihn allein lasse mit der Kranken. Als alle Anwesenden das Zimmer verlassen hatten, warf sich Rabbi Gerschom zur Erde nieder und betete heißinnig zum Allerbarmer. „Herr, mein Gott," rief er, während heiße Thränen seinen Augen entströmten, „hilf mir und sei mir gnädig. Du, mein Gott, der Du die geheimsten Gedanken der Menschen kennst, Du weißt es und offenbar ist es vor Deinem heiligen Throne, daß ich nicht um meinetwillen, nicht um Geld und Gut zu erwerben, nicht um Ruhm und Ehre zu erlangen, eö übernommen habe, das scheinbar Unmögliche möglich zu machen. Ach, ich habe eS nur gethan, um mein Volk zu erretten von Verbannung und Tod. Allmächtiger, was ist bei Dir unmöglich? Du, der Du Leben verleihst allem Lebendigen, der Du Todte erweckest zum Leben, den Sohn der Zarphatith durch Elijahu, den Sohn der Schunamith durch Elischah und Tausende vertrockneter Gebeine durch Jecheskel, erhöre mich und erleuchte meinen Geist, daß ich dem Leben wiedergewinne die Strebende dort! O, thue es um Deines großen Namens willen, thue es um der Kinder Deines Volkes willen, um der Säuglinge willen, die nicht gesündigt haben, um der Schulkinder willen, die in Deiner heiligen Lehre unterrichtet werden. El no, repho no loh! Gott ich bitte, heile, ich bitte, heile sie!" — Erschöpft schwieg der Rabdi. Er erhob sich von dem Fußboden und trocknete sein von Thränen überströmtes Antlitz. Jetzt schaute er die Kranke an — und siehe, der thierische, schlaffe, starre, verstandlose Ausdruck ihres Auges war verschwunden; es leuchtete wieder Verständniß aus den Augen; die gottgeborene Seele war zurückgekehrt. Ein Gefühl der höchsten Wonne durchströmte des Rabbi Herz; die eigentliche Ursache der Krankheit, die tiefe Melancholie, war gehoben; es galt nunmehr die Kranke zu kräftigen und zu stärken. Aber dazu bedurfte es der größte» Sorgfalt. Durch die lange Vor-, enthaltung der Nahrung waren die Werkzeuge der Ernährung und der Verdauung im höchsten Grade geschwächt, und die Kräftigung derselben konnte nur sehr langsam vor sich gehen. Rabbi Gerschom rief die Diener herbei. Er selbst ließ sich ins Schlachthaus führen und aus seiner Wohnung ein Schlachtmesser holen. Nachdem er das letztere geschliffen, schlachtete er nach jüdischem Ritus einen Ochsen, indem er ihm Schlund und Luftröhre zerschnitt, und während das Thier noch zuckte, schnitt er rasch ein Stück Fleisch da heraus, wo dem Stiere der tödtliche Schnitt war beigebracht worden. Dies Fleisch ließ er in ganz feine Stückchen zerhacken und dann eine Brühe davon kochen und zwar so lange, bis dem Fleische jede Kraft entzogen war. Von dieser starken Brühe flößte er von Viertelstunde zu Viertelstunde der Prinzessin einige Löffel voll ein. Theodore erholte sich sichtlich; ihr Puls fing rascher an zu schlagen und nachdem sie mehrere Stunden in kurz auf einander folgenden Zwischenräumen die Brühe genommen, schlief sie ein. Rabbi Gerschom ließ unterdeß wieder solche Kraftbrühe in großer Menge bereiten; er selbst wich jetzt nicht von dem Bette der Kranken. Um Mitternacht erwachte die Prinzessin. „ Wo bin ich?" lispelte sie. „Ihr seid von einem bösen Traum erwacht!" antwortete der Arzt. „„Und wer seid Ihr?"" „Ich bin Euer Arzt, der Euch unter göttlichem Beistände dem Leben und der Gesundheit wiedergeben wird. Jetzt aber nehmt diese Brühe; sie wird Euch kräftigen!" Die Prinzessin war noch zu schwach, um selbst den Löffel zum Munde zu führen; sie ließ sich jedoch geduldig die Brühe einflößen. Dann schlief sie aufs Neue ein. Auch Rabbi Gerschom legte sich auf einen Divan, um zu schlafen, nachdem er einer Dienerin befohlen hatte, am Krankenbette zu wachen. Am andern Morgen früh erschien die Kaiserin, die Mutter der Kranken, um nach der geliebten Tochter zu sehen. Diese erkannte sie, zum ersten Male nach vielen Wochen. „Meine Mutter," sprach sie, „ich bin wohl sehr krank gewesen?" Die hohe Frau fing an zu weinen, und Rabbi Gerschom bat sie, das Zimmer zu verlassen, überhaupt jede Störung und Auftegung von der Kranken fern zu halten. Schnell verbreitete sich die Kunde von der Wi«^ dergenesung der Prinzessin im ganzen Palast. Die

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