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Der Israelit · 1869-05-26 · Heft 21 (26.5.1869) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 21 (26.5.1869)
Date
1869-05-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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405 Erstaunen, daß man einen Tempel nicht mehr achtet, in welchem Reformrabbiner abscheuliche Lehren predigen, in welchem die heiligen Gebete unserer Vorfahren ausgelassen oder verstümmelt werden, in welcher Gebräuche, Gesänge und Instrumente anderer Culte immer mehr und mehr die Eigentümlichkeiten und die alten Traditionen verdrängen und wo endlich der reine und göttliche isr. Character entstellt und zu Boden getreten wird? Dieser Tempel kann, da er alles das verloren, was ihn ehrwürdig machen würde, leicht ein Conccrtsaal, Schauspielhaus und selbst Tanzsaal werden. Da man dies in demselben gethan, zeigt man deutlich, was man alles da machen kann, und daß das Gebäude dieses Cultus kein isr. Heiligthum ist. Das ist keine Entweihung mehr." — im Mai. Das unter der umsichtigen Redaction des Hrrn vr. Gr äh erscheinende Monatsheft für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums bringt in seiner Aprilnummer einen interessanten und sehr beachtenswerthen Aufsatz, aus der Feder des Redakteurs, betitelt: „Die Synode, Sendschreiben an einen Feind," der wob! sein Scherslein dazu beitragen dürfte, dem durch den Herausgeber der „Allgemeinen Zeitung des Iudenthums" und die Casseler Rabbinerversammlung 6n voAu« gebrachten Synoden-Schwindel einen kleinen Dämpfer aufzusehen. Aus der reichen Fülle dieses Artikels will ich nur einen beherzigenswerthen Passus hervorheben: „In demselben Verhältnis" sagt Herrvr. Gr ätz, „als die Cultusreform zunimmt, nimmt die Zahl der Synagogenbesucher ab. Gefüllte, neuerbaute schöne und, wie man zu sagen beliebt, monumentale Synagogen oder Tempel beweisen gar nichts. — Wer den Riß im Judenthum zu heilen, als eine erste Lebensaufgabe betrachtet, darf nicht auf die entnationalisirten, gegen das Judenthum indifferent gewordenen Gemeindeglieder Rücksicht nehmen, sondern lediglich auf diejenigen, in deren Herzen es noch als ein heiliges Vermächtniß lebt." Adolph Kohut. BpeSlau. Herr Caro wurde zum ordentlichen Professor an der hiesigen Universität angestellt. Er ist der erste Jude, der in Preußen eine solche Stellung erhielt. (Hamagid.) Schvimm, im Jjar. Ihr geschätztes Blatt, das bereitwillig seine Spalten öffnet für echt jüdisches Unterrichtswesen, möge auch heute eine Feier registriren, die am verflossenen Peßachfeste von einem kleinen Theile hiesiger Gemeinde begangen wurde, und die umsomehr der Erwähnung verdient, als sie die Frucht großer Anstrengungen und bedeutender Geldopfer ist. — ES ist dies die PrüfungSieier der hiesigen von nur 35 Mitgliedern (bei 200) vor 2*/2 Jahren gegründeten Talmud-Thora-Schule. — Rach Absingen eines Psalmes leitete der Dirigent derselben Prediger Dr. Stiebel diese durch einen geistreichen Vortrag ein, in welchem er die Rückstcht der Publikums mit den Leistungen dieser jungen Schule, die er mit dem py verglich, dessen Früchte in den ersten drei Jahren D'iny, sind, erbat. Er versprach nach Ablauf dieser Jahre die Früchte der Schule als □’biPn tcmp. Unter Benutzung paffender Midraschstellen erwähnte er noch der Hindernisse, die diese Schule mehr als jede andere zu bekämpfen hat, in dem ein Theil der Gemeindemitglieder ihre Verdienste herabzusetzen versucht, da dieser das alte -nn einer orgarristrten Religionsschule vorzieht. — Er schloß mit der Mitteilung, daß die Schule trotzdem m. G. H. erfreuliche Fortschritte mache, und sich die Zahl der Schüler ansehnlich vermehre. Diesem beredten Vortrage schloß sich dann ein rührendes Gebet, gesprochen vom ältesten Mädchen der Schule an, und nun folgte die Prüfung der Mädchen. Diese hat nicht nur allgemein befriedigt, sondern sogar alle Anwesenden in unbeschreibliches Staunen versetzt. In der nachbiblischen Geschichte, in der Religionslehre sowie im Uebersetzen der meisten Gebetsstücke zeigten sie rühmenswerthe Fertigkeit, wie kaum bei Mädchen zu erwarten ist. — Die Knaben folgten ihnen alsdann m stufenmäßiger Reihenfolge. Sie haben zum größten Theil bei ihrem Eintritt in die Schule kaum richtig lesen gekonnt und sind jetzt schon, nachdem sie den Pcntateuch durchgenommen, bis zum Buche Richter gelangt. Sie übersetzten und analysirten aus Ersterem zur allgemeinen Befriedigung, waren auch sonst in der Grammatik, wie in der Geschichte gut zn Hause und hatten besonders die Pflichtenlehre gut inne. — Einen besonder» Genuß bot der von den älteren Knaben vorgetragene Raschicommentar ausgewählter Stellen, der hier in dieser Weise nie gelehrt wurde. Sie trugen mit Verständniß, Geist und Wärme vor und erbauten alle Hörer. — Die Feier beschloß wiederum das Absingen eines Psalmö. Der Eindruck, den die Prüfung machte, documentirte sich auch Tags darauf, wo die Vereinsmitglieder einstimmig beschlossen, trotz aller Hindernisse aus der betretenen Bahn sortzuwandeln und den Verein auf neue drei Jahre zu befestigen. Hiesige wie Auswärtige wetteiferten, der Schule Zöglinge zuzuführen und sie ist seitdem ansehnlich gewachsen. Rur dem unermüdlichen Streben des Hr. Or. Stiebel sind diese bedeutenden Erfolge eines kleinen Häufleins zu verdanken, der in Schule und Gotteshaus die Liebe zur heiligen Thora zu entflammen und zu erhalten bemüht ist und die auch hier sich bemerkbar machende Zeitströmung niederzuhalten. Roch verdienen an dieser Stelle dessen anziehende Vorträge über mux ’pns, die er aus freien Stücken, um das Publikum nicht müssige Gespräche führen zu sehen, an.den rrrsD Abenden hält, erwähnt zu werden. Er lehnt die Lehren der Weisen an deren Lebensweise an, indem

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