Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1869)
- Date
- 1869-05-19
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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396 Ich hege die freudige Hoffnung, daß meine letzte Muthmaßung sich bewähren wird, da auch die galizischen Glaubensbrüder das „B'JDm D^nm" jur Devise haben. Ein Galizianer. Pefth, im Mai. Die geehrten Leser dieser Blätter wissen wohl, daß hier viele Rabbinen Versammlung hielten, um sich darüber zu berathen, wie die Beschlüsse des ung. CongresseS von der königlichen Sanction fern zu halten wären. Es wurde ferner im „Israelit" schon darauf hingewiesen, daß die Absicht der Versammlung hierfür beim König selbst zu petitioniren, auf Mangel an Kenntniß unserer ungarischen Verfassung beruht; es wurde endlich auch darauf aufmerksam gemacht, daß die Versammlung nicht gegen einzelne sondern gegen sämmtliche Congrcßbeschlüsse Protest erheben will! Nun ist alles dies schon geschehen; die Herren Rabbinen waren am 26. April beim Könige und überreichten Sr. Majestät ihr protestirendcs Gesuch. — Die HildeSheimer-Partei nahm weder an den Berathungcn, noch am Petitioniren Theil. Einigen der s. g. 56er Partei wohnten den Berathungen nicht bei, gaben aber zum Petitioniren ihre Zustimmung. Unter Lehtern war auch der H e r r R a b b i n e r zuUjhely. Dieser Umstand, daß nämlich der Herr Rabbiner zu Ujhely der Versammlung nickt beiwohntegibt uns einen großen Beitrag zur Auffassung des 'Standpunktes, den die Rabbinerversammlung einnimmt. — Die in Rede stehende Versammlung war nämlich von allen chassidischen B erühmtheitenUngarns besucht und stand ganz unter ihrer Leitung; die durch die Ernennung des LiSzkacr Ehassidimrabbi zum Vice- Präsidenten der Versammlung in Ofen ermuthigten Chassidim arbeiteten schon seit damals für die Durchführung ihrer Pläne. Vieles, sehr vieles ist ihnen gelungen, darunter auch die Chafsidisirung der gegenwärtigen Pefther Versammlung. Liszkaer, Csengerer, Beregszäßer rc., die in Ungarn schon seit Jahren den Chassidismus reprasentiren, führen hier ausschließlich das Wort. Nicktchassidim werden zurückgedrängt, verdächtigt verschrieen u. s. w. Halbchassidim werden durch den trügerischen Schein von übermenschlicher, göttlicher Heiligkeit, durch den wunderbaren 2'2t-Nimbus in den Wirbel hineingezogen und alles stimmt dann ein in daS Losungswort: — „Simultanschulen." Ja „Simultanschulen" ist das Losungswort der Chassidim wie es die Devise der Ultrareform ist. Und verschmähen cs die Chassidim durchaus nicht die stützende Hand, die ihnen die Reform bietet, offen vor aller Weltin freundschaftlicher Wärmezudrücken. M. Zö. (Nr. 15) sagt: „Die Philipp son'sche „Allg. Zeitung des Iudenthums" bringt in ihrer letzten Nr. einen trefflich gehaltenen Leitartikel, in dem für die Errichtung confessionSloser, oder Simultanschulcn mit vielem Geiste plaidirt wird rc. Nun begreifen wir erst die Absicht des M. Zs., die er bei der Annahme seines neuen Motto hatte, welches mit den Worten beginnt: „Friede! Friede dem Fernstehenden" Wir werden natürlich hierbei daran erinnert, daß der „heilige Liszker" seinen ergebenen Congreßdeputirten, wie z. B. Herrn M. aus Bütor den Auftrag gegeben, bei der Präsidentenwahl für vr. Hirschler zu stimmen. Ja wir erinnern uns daran, daß vor drei Jahren ein Chassidimraböi an spätcmFreitagabende gefahren, ja daß er dicsesfreche Spiel jedenFreitag wiederholte, ohne, daß die ungarischen „CH assidimrebbeS" diesem Hohne gegen yuvr entgegentraten. *) Wir sind auch dessen eingedenk, daß in Bezug auf Geringschätzung des , ja der ganzen von der Kabbalah sogenannten „ Niglahlehre" den Chassidim die Priorität von allen Andern gebühre. — Daß Nichtchassidische für Simultanschnlen sind, kommt vorzüglich daher, daß die Herren glauben, sie würden ihre Kinder bei Simuttanschulen dem Schulunterrichte viel eher fern halten und denselben in ihren Kreisen viel eher verhaßt machen können, als bei confessionellen Schulen. Chassidim fürchten natürlich von confessionellen Schulen, wo die religiöse Richtung überwacht wird, die Verdrängung der chassidischen Richtung. Was nun die Ultraresoun von Simultanschulen erwartet, ist ganz einfach, das, was man von einer wie M. Zs. sagt „ confessionslosen Schule" erwarten kann — Confessionslosigkeit. — Chassidim und Reologen, diese historisch Verbündeten mögen nun auch ferner mit einander Hand;in Hanv gehen; euch aber, ihr Männer, die ihr in der Versammlung wäret und noch nicht ganz vom Zauberspruche eines „Rebbe" gebannt seid; euch, die ihr euch nicht in Liszka, oder Csenger, sondern vor unserm alleinigen Gotte n"3 rechtfertigen zu müssen glaubet; euch wollen wir sagen, daß eben dasselbe ungarische Schulgesetz, das die Simnltanschulen bewilligt, strengen, ja den strengsten Schulzwang ausspricht, so daß die Eltern gezwungen werden, ihre Kinder in die Schule zu schicken. — Räumen wir also nicht das Feld, überlassen wir nicht die Erziehung der Jugend unseren Gegnern; sondern einigen wir uns, nehmen wir den Schulunterricht in die Hand, erziehen wir uns die Jugend und — wir bekommen vV'tj?:: eine G neration, die unsere heilige Lehre wird würdig vertreten können! — Dem Herrn Rabbiner zu Ujhely, der das Streben der Chassidim in Ungarn vielleicht am besten kennt und Scharfsinn und Geist in hervorragendem Grade besitzt, konnte dies Alles natürlich nicht entge- *) Siche „Israelit" VII. Jahrg. Nr. 17.